Warum mich das neue MacBook nicht beeindruckt (Aus dem Nähkästchen)

Gestern hat auf dem Spring-Forward-Event das neue MacBook vorgestellt. Noch dünner, noch leichter, mit neuem Akku, neuer Tastatur, neuem Trackpad und und und. Endlich gibt es dazu auch ein MacBook im Air-Formatfaktor mit Retina-Display und generell macht es einen sehr edlen Eindruck. Nichtsdestotrotz kickt mich das ultraportable Laptop insgesamt nicht wirklich. Aber was genau stört mich an dem Gerät?

Die neue Butterfly-Tastatur

Die neue Tastatur war einer der zentralen Neuerungen, die Apple beim MacBook vorgestellt hat. Über die sogenannte Butterfly-Mechanik schaffte es Apple, dass die Tasten auch beim Druck an den Seiten gleichmäßig nach unten gehen, um so ein gleichmäßiges Schreibgefühl zu ermöglichen – egal, wo man die einzelnen Tasten beim Schreiben trifft. Das hört sich schön und gut an, allerdings ist das neue MacBook an der dicksten Stelle nur noch 13,1 Millimeter dick. Dass das nicht nur Vorteile mit sich bringt, zeigt sich dann auf der Tastatur, denn der Tastenhub ist unheimlich niedrig.


Der reine Formfaktor des MacBook scheint vor allem für mobile Arbeiter gemacht zu sein – das, was zuvor vor allem das MacBook Air bediente. Viele Bloggerkollegen, die ich kenne, schwören auf das Gesamtpaket des MacBook Air zum Arbeiten „on the go“ und das neue MacBook treibt dies auf die Spitze. Der niedrige Tastenhub hat allerdings auch zur Folge, dass das Schreiben über einen längeren Zeitraum unangenehm wird, was bei niedrigen Tasten einfach der Fall ist und da wird auch Apples neue Butterfly-Mechanik nicht viel dran ändern können.

Ich für meinen Fall arbeite ebenfalls oft, wenn ich unterwegs bin und erachte eine möglichst angenehme Chiclet-Tastatur beim Laptop daher für essentiell. Die meines MacBook Pro mit Retina-Display ist da schon an der unteren Grenze beim längeren Schreiben. Während ich dort schnell tippen kann, finde ich es auf Dauer bei weitem nicht so angenehm, wie bei meinem Lenovo ThinkPad X240, welches ich im Job benutze. Dort ist der Tastenhub ungleich länger und obwohl ich auf diesem Laptop etwas langsamer schreibe, bevorzuge ich es definitiv, da es über einen längeren Zeitraum seine Qualitäten gleichmäßig entfaltet.

Ein weiterer Punkt ist das Design der Tastatur, denn mir persönlich gefällt das Design der Tastatur mit den geringen Randmaßen zu den Seiten des Laptops, einfach nicht. Es wirkt eingequetscht, man wollte das gewohnte Layout um jeden Preis in das Laptop bringen. Ich persönlich hätte hier einen dezent geringeren Abstand zwischen den Tasten und ein daraus resultierendes Mehr an Platz an den Seiten bevorzugt.

USB-C und der Preis der geringen Dicke

Bevor wir uns falsch verstehen: USB-C ist eigentlich eine großartige Angelegenheit, da es ein umfassendes Feature-Set beinhaltet und die Kabel beidseitig angeschlossen werden können. Das hilft diesem neuen Standard speziell beim Einsatz im MacBook aber nicht wirklich weiter, wenn es neben dem Klinkenstecker der einzige Port des gesamten Laptops ist.

Ich für meinen Teil kann an meinem Arbeitsgerät auf Ethernet verzichten und tue das bereits seit Jahren. Auch USB-Geräte benötige ich nur noch in den seltensten Fällen – meine Eingabegeräte verbinden sich via Bluetooth mit meinem Laptop und USB-Sticks oder dergleichen nutze ich kaum noch.

Anders schaut das aber mit Mini-DisplayPort aus. Mein MacBook ist gleichzeitig auch meine Arbeitsmaschine im Home-Office, in dem ich meinen primären Monitor über jenes Mini-DisplayPort anschließe. Nun gut, effektiv würde mir also ein Mini-DisplayPort-Adapter ausreichen – wenn Apples offizielle Adapter nicht einfach mal 89 Euro kosten würden (mit HDMI/VGA) und keiner der verschiedenen USB-C-Adapter Mini-DisplayPort bzw. Thunderbolt mitbringt. Dass gerade Apple beim neuen MacBook auf Thunderbolt verzichtet, überrascht mich prinzipiell unheimlich, denn über die letzten Jahre hat man diese Anschlussmöglichkeit recht stark gepusht und alle anderen Macs verfügen über solche Anschlüsse.


Was mir darüber hinaus fehlt, ist ein SDHC-Kartenleser. Gerade, wenn man unterwegs ist, hat man SD-Karten für irgendeinen Zweck immer dabei – sei es für Videoaufnahmen, Fotos von der Kamera oder irgendwas. Wer unbedingt ultraportabel unterwegs sein will, hat meist einen guten Grund dafür und der nennt sich: Arbeit. SD-Karten haben sich hierbei über die letzten Jahre ebenfalls als essentiell herausgestellt und, dass Apple auch hier keine Adapter-Möglichkeiten anbietet, finde ich unverständlich.

Insgesamt fehlen mir persönlich für meine tägliche Arbeit am MacBook also einfach Ports. Ja, ich finde den ultraportablen Gedanken sehr sexy, allerdings möchte ich diesen Preis in Form der Einschränkung bei Ports und offiziellen Adaptern definitiv nicht in Kauf nehmen.

Der Core-M-Prozessor

Intels Core-M-Prozessor wurde letztes Jahr veröffentlicht und hat allem voran das Ziel, schlankere Geräte zu ermöglichen. Das Design des Prozessors macht Lüfter obsolet und ist dazu extrem stromsparend, was sich beim neuen MacBook zeigt, welches trotz des Retina-Displays, das ja irgendwie befeuert werden will, zehn Stunden Akkulaufzeit erreichen soll.

Der lüfterlose Teil der Geschichte spielt Apple dabei hervorragend in die Karten, denn in Cuppertino ist man über die Jahre hinweg dafür bekannt geworden, sich bewegende Einzelteile zu verabscheuen und auf ein Minimum zu reduzieren – der aktuelle Mac Pro hat ja beispielsweise nur noch einen großen Lüfter und die iMacs folgen dieser Tradition ebenfalls.

Auch hier klingt die Theorie wieder schön und gut, allerdings scheint die Core-M-Generation Performance-Probleme zu haben. Das Lenovo Yoga 3 Pro hat mit dem Core M-5Y70 beispielsweise Performance-Probleme, die man vom Vorgängermodell mit Intel Core i5 der Haswell-Generation nicht kannte (beide gleichen sich in den entscheidenden Tech-Specs ansonsten beinahe wie ein Ei dem anderen) – obwohl beim Yoga 3 Pro sogar ein Lüfter verbaut wurde, der theoretisch einen größeren Performance-Spielraum ermöglicht.

Intels Core-M-Plattform geht also einen Kompromiss ein und tauscht Performance gegen noch ausgeprägtere Mobilität. Im Zusammenhang mit dem Retina-Display und dessen Auflösung von 2.304 x 1.440 Pixeln mache ich mir Sorgen um die Alltagsperformance. Chrome ist beispielsweise alles andere als optimiert unter OS X und ein noch größerer Ressourcenfresser, als ohnehin schon unter Windows.

Es stellt sich also definitiv die Frage, inwiefern die Prozessorkraft ausreicht, um das Display anzutreiben und zusätzlich noch Desktop-Apps und das System mit dessen rechenintensiven Animationen mit genügend Power zu versorgen, ohne, dass die Performance einbricht. Das ist wohl tatsächlich auch direkt meine größte Sorge am neuen MacBook. Ich würde mir im Jahr 2015 kein neues Ultrabook/Laptop mehr für einen Preis ab 1.449 Euro zulegen wollen und dann mit durchschnittlicher Performance leben müssen.

Ein typisches 1st-Gen-Produkt von Apple

Im Grunde erinnert die Story des neuen MacBooks an die der ersten Generationen des MacBook Air und der Retina-Versionen des MacBook Pro: Sie waren unheimlich teuer, vergleichsweise dünn und hatten mit der Performance zu kämpfen. Während das neue MacBook wohl nicht zum Aluminium-Müllhaufen mutieren dürfte, wie es beim ersten MacBook Air der Fall war, haben sich die Zeiten trotzdem geändert.

Dell hat mit dem XPS 13 ein ebenfalls extrem portables Ultrabook mit einem 13,3”-Display im 11,6”-Formfaktor auf Lager und ist, wenig überraschend, in diesem Jahr wohl auch der Hauptkonkurrent. Allerdings bekommt man dort mit den Core-i-Prozessoren die bessere Performance. Was ich mit diesem Vergleich sagen will: Die Konkurrenz ist gewappneter denn je und in Stellung. Ein typisches Erstlingsprodukt, wie es bei Apple oft der Fall war, sollte man sich in Cuppertino heutzutage eigentlich nicht mehr leisten – gerade, wenn man im Ultrabook-Bereich in die höherpreisige Region geht.

Natürlich ist nicht alles schlecht: Das neue Trackpad geht, anhand dessen, was ich bei der sehen konnte, in die Lenovo-Richtung mit der gleichmäßigen Bewegung des gesamten Trackpads beim Klicken, was mir gefällt. Das Display wird darüber hinaus (wie man es von Apple gewohnt ist) über alle Zweifel erhaben sein und, oh boy, es schaut einfach edel und sexy aus.

Wie gesagt: Für mich ist das neue MacBook insgesamt vollkommen uninteressant, was ich gleichzeitig auch schade finde, denn der Formfaktor mit dem 12”-Display, den ich bereits vom erwähnten ThinkPad X240 kenne, ist klasse und gefällt mir als solches besser, als das klassische 13,3”-Format. Nichtsdestotrotz wird Apple Lehrgeld bezahlen müssen – die nächsten Generationen werden besser, günstiger, performanter. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich das Gerät in seiner Gesamtheit aber wohl (wenn überhaupt) den Wenigsten empfehlen.

Wie ist euer bisheriger Eindruck zum neuen MacBook, nachdem ihr ein paar Stunden Zeit hattet, um all das auf euch wirken zu lassen? Würdet ihr auf die Ports verzichten, um das derzeitige Nonplus-Ultra im Bereich Portabilität zu haben? Wiegt z.B. das Retina-Display die eventuellen Nachteile für euch auf?

Aus dem Nähkästchen“ ist eine Artikelserie, in der ich zur Abwechslung mal Abstand vom Software und Apps-Alltag nehme, um technische Themen aus privater Sicht zu beleuchten. Wie ticke ich? Was tickt hier? Was will ich? Was will ich nicht? Das erfahrt ihr alles in diesen Beiträgen.
  • http://deckerweb.de/ David Decker

    Sehr gute Argumente, kann mich da nur anschließen!

    Wenn ich ein Notebook von denen nehmen würde, dann das 13er mit Retina… ;-)

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Ich hab jahrelang mit dem Gedanken kokettiert, ein 13”-MBA kaufen zu wollen, wenn ich mal auf OS X umsteige, bis mir Zweifel darüber kamen, ob das Gerät meinen leistungstechnischen Ansprüchen genügen würde…

      Bin ja letztlich auch beim 13” Retina-MBP gelandet und denke, dass es die beste Entscheidung war, die ich hätte treffen können: Portabel genug, performant genug, tolles Display, Akkulaufzeit auch gut.

      Das wiederum zu einem vergleichbaren Preis zum neuen MacBook. Da tut man sich dieses Jahr wirklich keinen Gefallen damit, aufs MacBook zu gehen, das Retina-MBP bietet einfach das beste Gesamtpaket zum angemessenen Preis, da hast Du völlig Recht.

      • http://deckerweb.de/ David Decker

        Ich bin erst im Dezember von Ubuntu auf Mac umgestiegen, und zwar auf einen iMac. Wobei Umstieg das falsche Wort ist, ich hab lediglich meine OS erweitert: Ubuntu, Android und jetzt eben OS X noch dazu. Bin sehr begeistert.

        Lange hatte ich überlegt, einen MacBook Pro 13 Retina zu nehmen plus einen vernünftigen Bildschirm dazu. Aber da ich nicht mehr so viel unterwegs bin, hab ich mich für einen kompletten Desktop entschieden. Für meinen Workflow die komplett richtige Wahl :-)

        Wenn ich irgendwann dieses oder nächstes Jahr noch ein MacBook dazuhole (erstmal Sparen angesagt, hehe), dann aber auch auf jeden Fall das 13er mit Retina. Ist robuster, leistungsfähiger und hat noch paar Anschlüsse (für den “Notfall”…). Somit hätte ich einen kompletten Zweitrechner, der auch alles kann, was der Desktop kann, aber doch unheimlich mobil ist.

        Gegen die Airs spricht die niedrige Auflösung und gegen das Neue alle Argumente von dir oben. Daher bleibt nur das 13er für meine Zwecke :-)

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