ASUS C200 Chromebook Testbericht

Die aktuelle Generation der Chromebooks ist auf dem Blatt die wohl Erste mit mehreren interessanten Vertretern. Teil dieser Generation ist auch das C200 von , welches aktuell für einen Preis ab 249 Euro verfügbar ist. Wie sich dieses neue Chromebook in der Praxis schlägt, könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.

Unboxing-Video

CoCast-Q&A


Technische Ausstattung und Lieferumfang

Interessant ist hier vor allem natürlich der Prozessor. Genauer gesagt arbeitet im C200 ein Intel Celeron der Bay-Trail-Generation mit zwei Kernen, die auf 2,42 GHz getaktet sind. Im Vergleich zu einem ARM-Prozessor verspricht eine x86-CPU generell erst einmal natürlich eine bessere Performance und die Bay-Trail-Generation ist ebenso wie die Haswell-Generation für lange Akkulaufzeiten bekannt. Ebenfalls interessant ist die Variante mit vier GB RAM, die ich auch für meinen Test zur Verfügung hatte.

  • Display: 11,6” LED mit 1.366 x 768 Pixeln
  • Prozessor: Intel Celeron N2830 Bay-Trail Dual-Core mit 2,42 GHz
  • Speicher: 2 bzw. 4 GB RAM / 16 bzw. 32 GB intern (+ 100 GB Google Drive)
  • Ports: 1 x USB 2.0, 1 x USB 3.0, 1 x HDMI, 3,5 mm Klinke, MMC-/SD-Kartenleser
  • Akkukapazität: 48 Wh
  • Ausmaße und Gewicht: 304 x 200 x 20 mm, 1,13 kg
  • Lieferumfang:  Chromebook, Netzteil, Schnellanleitungen

Hardware und Design




Nicht zu schwer, schlank gehalten und ausgesprochen stabil

Generell fühlt sich die Hardware des C200 Chromebooks grundsolide an. Die Materialien wurden entsprechend dem Preis gut gewählt, sodass es sich nicht “billig” anfühlt. Die Bildschirmrückseite ist allerdings sehr anfällig für Fingerabdrücke, was den ein oder anderen sicherlich ein wenig stören könnte. Davon abgesehen bin mit dem Body aber sehr zufrieden gewesen. Das Netbook ist nicht zu schwer, schlank gehalten und ausgesprochen stabil.

Beim Design hat sich ASUS nicht zu weit aus dem Fenster gewagt. Hier findet man nichts besonders heraustechendes – eher wirkt das C200 zurückhaltend, was mir persönlich als Thinkpad-Sympathisant prinzipiell gefällt. Einen größeren Kompromiss ist man dann aber doch eingegangen, denn der Rahmen um das Display herum ist auffällig groß ausgefallen. Das ist natürlich nicht allzu schön, ermöglicht im Gegenzug aber auch eine größere Tastatur und ein ebenso größeres Touchpad – wie gesagt: Ein Kompromiss, den ich persönlich bei einem 11,6”-Gerät gerne eingehe, denn in der Praxis gewöhnt man sich an den Rahmen und die größer dimensionierten Eingabemöglichkeiten machen sich definitiv bezahlt.

Schade jedoch finde ich, dass sich das Display nicht sonderlich weit neigen lässt. Vor allem in beengten Situationen (beispielsweise in der Bahn) macht sich das bemerkbar. Hier habe ich mir jedes Mal gewünscht, dass das Display doch etwas weiter nach hinten neigen zu können. Warum ASUS dies hier nicht ermöglicht, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Wie gesagt: Das ist ein nicht zu unterschätzender Kritikpunkt – vor allem, wenn man häufig unterwegs ist.

Tastatur und Touchpad

Wie bereits erwähnt ist die Tastatur für ein Netbook mit einem 11,6”-Display vergleichsweise recht groß ausgefallen – im Vergleich zu meinem Lenovo Thinkpad X240 mit einem 12,5”-Display ist die Tastatur des Chromebooks sogar minimal breiter gestaltet. Dadurch tippt es sich insgesamt sehr flott; man fühlt sich beim Schreiben nicht eingeengt. Der Druckpunkt der Tasten ist sehr knackig, der Tastenhub relativ kurz. Die einzige negative Ausnahme am Tasten-Design stellt die Enter-Taste dar, die ungewohnt schmal ist und daher etwas Übung benötigt, um sie blind zuverlässig zu treffen.

Gewöhnungsbedürftig finde ich allerdings die dezent angeraute Oberfläche der Tasten. Ich persönlich bin generell glatte Tasten gewöhnt und auch die Oberfläche der Tastatur meines ASUS A55VJ ist ein kleins Stück glatter. Vor allem für jemanden, wie mich, der täglich exzessiv mit Tastaturen arbeitet und dessen Finger sensibel auf verschiedene Tastatur-Typen reagieren, fallen solche Details auf, sodass es für mich ein wenig komisch war, meine Texte auf dieser Tastatur zu tippen.

Das Touchpad ist angenehm glatt, die Finger gleiten ohne merklichen Widerstand über die Kunststoff-Oberfläche. Zu schwerfällig empfinde ich allerdings die Druckpunkt der linken und rechten Maustaste, für die man etwas zu viel Kraft im Finger aufwenden muss, sodass es etwas unangenehm ist. Sicherlich kann man stattdessen einfach auf das Touchpad tippen, allerdings lassen sich Fenster nur dann hin- und herziehen, wenn das Touchpad wirklich geklickt wird. Speziell diese Aktionen fühlen sich sehr unangenehm und wenig intuitiv an.

Die Touchpad-Gesten allerdings sind sehr gut umgesetzt worden. Das Betriebssystem reagiert absolut einwandfrei auf Gesten, wie Zwei-Finger-Scrolling, Vor und Zurück sowie den Rechtsklick über das Tippen mit zwei Fingern. Ich muss sogar zugeben, dass ich diese Touchpad-Gesten in dieser Qualität bisher lediglich beim MacBook erlebt habe – insofern kann das Touchpad hier also sehr viele Punkte sammeln.

Display, Akkulaufzeit und Performance

Das Display reißt natürlich keine Bäume aus, ist allerdings alles andere als schlecht. 1.366 x 768 Pixel sind auf 11,6” noch völlig in Ordnung (vor allem bei diesem Preispunkt), dazu wirken die Farben sehr “korrekt” und generell ist das Bild auch ausreichend scharf, denn man sitzt ja immer mit einer gewissen Entfernung vor dem Netbook – da geht die Bildqualität insgesamt definitiv in Ordnung.

Leider ist das Display aber nicht entspiegelt – das C300, die größere Variante mit 13,3” Displaydiagonale, hat ein entspiegeltes Display. Dass das beim C200 nicht der Fall ist, merkt man definitiv. Ich für meinen Teil blogge täglich im ÖPNV auf dem Weg zur Arbeit und auch auf dem Heimweg – wenn die Sonne dann auf das Display scheint, wird es schon recht schwierig etwas zu erkennen, da muss die Bildschirmhelligkeit definitiv weit nach oben geregelt werden. Die angesprochene Helligkeit geht übrigens auch völlig in Ordnung.

Die Akkulaufzeit hingegen ist komplett makellos. In der Alltagsnutzung, bei der ich das Chromebook hin und wieder auf der Couch und oft auch in der Bahn genutzt habe, musste ich das Gerät ein Mal in der Woche aufladen – die effektive Nutzungszeit betrug dabei stets acht bis neun Stunden. Gerade bei einem Chromebook, das ich persönlich auch als mobile Schreibmaschine interpretiere, ist ein möglichst hoher Wert natürlich wünschenswert, um auch auf langen Strecken ohne Angst arbeiten zu können. Hier schafft es der Bay-Trail-Prozessor definitiv, meine Erwartungen zu vollends erfüllen.

Der wohl größte Kritikpunkt an Chromebooks der ersten Generationen war wohl die Performance, denn vor allem Geräte mit ARM-basierten Prozessoren konnten hier nie wirklich überzeugen. Ebenfalls war in den meisten Geräten lediglich zwei GB RAM verbaut, was man früher oder später einfach merkte. Die Kombination aus dem Celeron-Prozessor und den vier GB RAM in meinem Testgerät ließen mich aber nie mehr Performance wünschen. Der Browser sowie die Packaged-Apps liefen stets einwandfrei, sodass ich problemlos surfen und arbeiten konnte.


Software

Gemäß dem Namen läuft das C200 natürlich mit Chrome OS – Googles Vorstellung eines Online-Betriebssystems – zumindest war es das mal, denn seitdem es Packaged-Apps gibt, ist es offensichtlich, dass Google die generelle Ausrichtung des Betriebssystems dahingehend ändert, dass man auch die Möglichkeit haben soll, offline arbeiten zu können.

Während es inzwischen doch so einige Packaged-Apps gibt, wurden viele Chrome-Apps bisweilen noch immer nicht um derlei Features erweitert, sodass sie weiterhin ausschließlich bei aktiver Internetverbindung funktionieren. Das finde ich persönlich nicht weiter schlimm, da ich sowieso immer online bin, allerdings merkt man bei der Benutzung natürlich, dass hier einiges an Potential vorliegt und hier möchte man natürlich auch, dass das System hier das Optimum herausholt.

Wer davon abgesehen bereits mit einem Chromebook gearbeitet hat, findet hier keinerlei Überraschungen: Googles Aura-Desktop für Chrome OS wirkt weiterhin wie eine Mischung aus OS X und Windows, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Die Bedienung geht leicht von der Hand, das System ist definitiv intuitiv, da einfach gehalten. Nützlich finde ich, dass man inzwischen auch die Position der Taskleiste vorgeben kann, sodass sie ihren Platz z.B. an der linken oder rechten Seite findet. Vor allem auf einem Gerät dieser Größenordnung kann ich mir gut vorstellen, dass vertikaler Platz vielen Nutzern wichtiger ist und so kann man eben noch ein paar weitere Pixel herausholen.

Es ist offensichtlich, dass Google die generelle Ausrichtung des Betriebssystems ändert

Ebenfalls sehr schön ist auch das ausgeprägte Fenster-Management der Desktop-Oberfläche, denn jene Fenster lassen sich sehr detailliert verteilen und in unterschiedlichen Größen an den Seiten andocken. Die Twitter-Timeline kann man so beispielsweise wunderbar an der rechten Bildschirmseite als schmalen Stream andocken, während man den restlichen Platz weiterhin für andere Aufgaben zur Verfügung hat.

Wo aber Licht ist, kann auch Schatten nicht weit sein und so ist es natürlich auch unter Chrome OS: Besonders sauer stößt mir der Dateimanager auf, der noch immer furchtbar rudimentär und weitgehend ohne nützliche Funktionen auskommen muss. Die linke Seitenleiste, die Speichermedien und Cloud-Dienste auflistet, ist weitgehend leer, denn außer Google Drive wird noch immer kein weiterer Online-Dienst unterstützt. So wird dort eine Menge Platz verschwendet und, dass Integrationen von Dropbox und Co. auf dieser Systemebene definitiv nützlich wären, liegt wohl auf der Hand.

Sonstiges

Die Stereo-Lautsprecher-Einheit ist qualitativ überraschend gut. Die Lautstärke ist angenehm ausgeprägt und auch in den hohen Stufen zerreißt es den Ton nicht – generell wirkt der Ton sehr klar. Im Vergleich zu anderen Laptops dieser Preisklasse muss sich das C200 also keinesfalls verstecken – ganz im Gegenteil sogar.

Ein Aspekt, den ich immer wieder speziell an Chromebooks kritisiere, sind fehlende SIM-Slots. Die internationale Variante des C200 hat sogar einen solchen Slot, allerdings wurde dieser für den hiesigen Markt offenbar schlichtweg wegrationalisiert, denn an meinem Testgerät findet sich kein besagter SIM-Slot. Gerade zum mobilen Arbeiten ist es unheimlich angenehm, nicht jedes Mal einen Hotspot zu eröffnen oder einen UMTS-Stick einzustecken. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man das C200 Chromebook auch hierzulande mit einem solchen SIM-Slot bekommen würde.

Bemerkenswert finde ich übrigens den verbauten HDMI-Port. Den sieht man an solchen Geräten vergleichsweise selten, was ich schade finde, denn mit einem solchen Port wird ein Netbook natürlich um einiges vielseitiger. So lässt sich das Gerät zwischendurch problemlos und ohne mit Adaptern hantieren zu müssen an einen externen Monitor anschließen, was ich definitiv als Pluspunkt empfinde.

Fazit

Chromebooks entwickeln sich weiter und das in teils großen Schritten. Vergleicht man die erste Generation mit dieser neuen, merkt man das an allen Ecken und Enden: Das System läuft deutlich problemloser und performanter, die Akkulaufzeiten sind spürbar länger und das Betriebssystem hat nützliche Features hinzugewonnen. Vor allem durch letzteren Aspekt merkt man gleichermaßen aber auch, dass Chrome OS noch ein wenig in den Kinderschuhen steckt.

Ein rundum solides Gesamtpaket, das nirgendwo völlig enttäuscht

Während das C200 ein insgesamt sehr rundes Paket abgibt und natürlich trotzdem ein paar Schwachpunkte vorhanden sind, wie z.B. die Tastatur und ein paar kleinere Details bei der Touchpad-Bedienung, ist es vor allem noch der Software-Aspekt, der die Geräte ein Stück weit zurückhält. Das kann und wird bestimmt besser werden, wobei das noch etwas Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Nichtsdestotrotz: Wer sich darüber bewusst ist, was Chrome OS bietet und dementsprechend eben auch nicht kann, findet im ASUS C200 Chromebook ein rundum solides Gesamtpaket, das nirgendwo völlig enttäuscht. Ich persönlich würde dann auch übrigens direkt die Variante mit vier GB RAM empfehlen. Diese wiederum gibt es ab 299 Euro und der Aufpreis im Vergleich zum kleinsten Modell lohnt definitiv. Im Bereich der bezahlbaren Chromebooks würde ich das C200 zum jetzigen Zeitpunkt sogar als das beste Paket bezeichnen.