Aus dem Nähkästchen: Die seltsame Anziehungskraft des Chromebooks

Chromebooks sind so eine Sache. Ein völlig anderes Prinzip, um am Notebook und Desktop-PC zu arbeiten. Nach Möglichkeit ist man immer online und Chrome-Apps ersetzen die Desktop-Apps von Windows, Mac OS X und Linux. Chrome? Ja, richtig. Der Untersatz ist Googles Browser Chrome mit einem extra für Chrome OS entwickelten Windows-Manager. Das kann seine Vorteile haben, hat aber auch immense Nachteile, denn für viele Dinge, die man vom Desktop her kennt, gibt es keine adäquaten Äquivalente für Chrome. Noch dazu ist die für ein Notebook nicht die Stärkste. Tatsächlich ist sie sogar höchstens durchwachsen.

Trotzdem wird das Begehren nach einem Chromebook in mir immer größer. Vor allem Samsungs Series 3 Chromebook mit dem Exynos-Prozessor hat es mir dabei angetan. Mit elf Zoll ist das Gerät handlich genug für den mobilen Einsatz und auch das Design des Gerätes ist weit von der Hässlichkeit bisheriger Chromebooks entfernt. Der Preis von gerade einmal 249 US-Dollar ist dazu ein weiteres Argument, dass groß in mein Begehren hineinspielt.

Aber warum will ich eigentlich ein Chromebook? Das hat zum Großteil skurile Gründe. Wie ich bereits geschrieben habe, ist das Chromebook nicht allzu leistungsfähig und auch Chrome OS hat noch teilweise arge Beschränkungen. Aber genau das ist der Punkt, wegen dem ich das Chromebook so interessant finde. Ja, richtig: Es sind die Beschränkungen, die mich anziehen. Gerade habe ich von skurilen Gründen geschrieben – ich habe euch nicht zu wenig versprochen, oder?

Aber gehen wir doch mal ein wenig ins Detail: Als Blogger bin ich gefühlte 30 Stunden pro Tag im unterwegs. Lese viel, schreibe viel – ich arbeite. Mindestens genauso sehr, wie ich arbeite, lenkt mich das aber auch ab. Twitter, Facebook, YouTube, Tumblr und vor allem auch meine Email-Inbox sind horrende Ablenkungsmöglichkeiten, die jede Minute versuchen, mich von meiner eigentlichen Aufgabe abzubringen. Jeder dürfte das kennen.

Ich hege seit einiger Zeit den Traum der “perfekten digitalen Schreibmaschine”. Mich einfach zurückziehen und schreiben, ohne abgelenkt zu werden. Möglichst störungsfrei schreiben. Ich versuche das schon an meinem Desktop-PC und am Notebook durchzuziehen und setze beim Schreiben ausnahmslos auf sogenannte Distraction-Free-Writing-Editoren, von denen ich im Blog schon eine Menge vorgestellt habe. Das hilft schon sehr gegen die Ablenkungen, kann diese aber doch nicht ganz ausmerzen, da sie ja immer noch im Hintergrund da und aktiv sind.

Die Nachteile und Beschränkungen, die die Chromebooks zweifellos haben, werden hier zu Vorteilen: Dadurch, dass die Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, erzieht man sich automatisch dazu, weniger gleichzeitig zu machen, sich stärker auf das gerade Laufende zu konzentrieren. Dann bleiben Twitter, YouTube usw. geschlossen. Das ist auch schon der Knackpunkt an der ganzen Sache: Durch die fehlende Performance hat man weniger Dinge gleichzeitig offen. Ansonsten würde das Chromebook ja sofort in die Knie gehen und das will keiner bei seinem Gerät, damit man wenigstens noch etwas machen kann.

Was wäre die Auswirkung dabei auf mich? Ich könnte mich mehr aufs eigentliche Schreiben konzentrieren, die Worte fließen lassen, längere Texte besser schreiben, Gedanken besser ausformulieren und überlegter argumentieren. Ich bin immer auf der Suche nach dem Quäntchen “mehr” beim Bloggen und das Chromebook wäre hier diese perfekte digitale Schreibmaschine, die ich schon so lange suche.

Seltsame Gelüste, oder?

Aus dem Nähkästchen” ist eine Artikelserie, in der ich zur Abwechslung mal Abstand von Software und Apps-Alltag nehme, um technische Themen aus privater Sicht zu beleuchten. Wie ticke ich? Was tickt hier? Was will ich? Was will ich nicht? Das erfahrt ihr alles hier.
  • http://www.smartdroid.de Denny Fischer

    Mir geht es genauso, wie du beschreibst. Hab das erste Chromebook von Samsung, mit Intel Atom-Prozessor. Die Leistung ist im Prinzip unterirdisch, doch so habe ich wirklich nur die nötigsten Tabs offen, weshalb ich hier viel effektiver arbeiten kann. Facebook und Co. bleiben geschlossen, wenn ich an dem Teil arbeite.

  • http://www.ienno.de Enno

    Ich finde deine Gelüste nur auf den ersten Blick seltsam. Denn wie du schon sagst: bei deiner Schreibumgebung achtest du auch auf wenigst Ablenkung.

    Ganz abwegig finde ich diesen Gedanken also nicht und ein gewisser Reiz besteht da schon – auch bei mir. Ich versuche aber an dieser Stelle eher mich selbst zu disziplinieren und Do-Not-Disturb-Funktionen zu benutzen, um mich weniger ablenken zu lassen. Klappt bei weitem nicht immer, ist aber günstiger als 250€ :D

  • http://fubar.ath.cx/weblog Florian

    Ich hätte hier ein paar Alternativen zum Chromebook für dich, die kosten keine 249USD/EUR:
    1. Userspace Governor + niedrigste Taktstufe
    2. Installier dir dein Linux in ner VM, in ner VM, in ner VM, in ner VM, kann je nach gewünschter Restleistung weitergetrieben werden. Nachteil; wirkt sich evtl auf die Akkulaufzeit/Stromverbrauch aus.
    3. Bastel dir ein paar Dauerschleifen in beliebigen Programmiersprachen zusammen, hier beispielhaft für Python:
    x = 1; while True: x = x * -x;
    4. stress kann dein System sehr gut verlangsamen, damit könntest du auch spielen http://weather.ou.edu/~apw/projects/stress/
    5. cat /dev/zero > /dev/null
    6. das könnte man bis ins unendliche weiterführen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

    Also ehrlich, der erste Vorschlag ergibt noch am meisten Sinn und ist vielleicht auch garnicht so blöd ;)

  • http://www.timotime.de Timotime

    Hm…. also das kann ich nun nicht so wirklich nachvollziehen. Du magst es, weil du denkst, das du mit dem Gerät weniger abgelenkt wirst.

    Wer abgelenkt werden will, der wird es auch. Ich zweifel stark dran, dass das Chromebook nicht genug Leistung hat um im Hintergrund Facebook offen zu haben, oder die online Variante von Tweetdeck. Beim recherchieren im Internet kannst du weiterhin genauso abdriften wie bisher.
    Deine Email box wird dich, wenn du es willst, weiterhin genauso nerven. Dafür gibt es ja die Chrome Apps. So kannste dir im Browser direkt neue Email anzeigen lassen.

    Also ob das so gut durchdacht ist… ich weiß nicht. Wenn ich mir das Gerät holen würde, wäre ich vlt die ersten Wochen weniger abgelenkt. Irgendwann will ich dann aber auch Twitter nutzen, Email lesen usw. und das lässt sich auch mit nem Chromebook wunderbar einrichten.

    Es gibt auch Möglichkeiten am normalen Rechner nicht abgelenkt zu werden. Schließ doch ein Email tool, setz Facebook auf ne do not disturb Liste und blockier Youtube…

    Gruß

    • http://CocasBlog.de Coca

      Ich merke es bei meinem Ubuntu-Notebook schon zu einem Teil, dass einige Sachen einfach konsequent dicht bleiben, weil das Ding sonst abraucht. Ob nun Chrome-Apps, Web-Apps, oder klassische Desktop-Apps – alles zieht Leistung und davon gerne einiges. Darum blogge ich sehr gerne am Notebook. Um zwei Tabs in Chrome + Zen-Editor offen zu haben, reicht die Leistung aus. Ich weiß, dass das nicht der Fall ist, wenn weitere Dinge laufen, also bleiben die aus, denn nichts ist so nervig, wie ein langsames Gerät. Das ist quasi gezwungene Selbsterziehung. Und mein Notebook hat im Laptop-Umfeld immer noch eine bessere Performance, als die alten Intel- und die neuen ARM-Geräte.

      Am Desktop habe ich das Performance-Problem nicht. Da kann ich auch die Tabs schließen, klar – aber wenn mir der Gedanke kommt, dass ich doch mal meine Emails checken könnte, übermannt mich das wieder und schon bin ich raus. Da helfen auch zig Tools nicht. Ich hab im Hinterkopf, dass ich es problemlos laufen lassen kann und das reicht schon aus, zumindest bei mir.

      Wie gesagt, an meinem Notebook funktioniert es in einigen Teilen schon und Denny arbeitet ebenfalls mit dieser Methode. Da ist also etwas dran. :)

  • http://www.lordysweblog.net Lordy

    Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, mir ein Chromebook zuzulegen. Ähnliche Gründe. Allerdings nutze ich eh sehr viel Chrome und andere Programme kommen eher selten zum Einsatz. Somit wäre das Umsteigen für mich kein Problem. Zumal ich es auch nur als zusätzliches Gerät nutzen würde. Also nicht als Ersatz für mein leistungsstarkes Notebook, sondern eben unterwegs. Im Zug, an der Uni… naja, mal sehen, wie ich darüber im neuen Jahr denke… denn es soll schon eine 3G Variante sein und so ^^

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