Aus dem Nähkästchen: Phablets sind gar nicht so schlimm

Jeder von uns dürfte inzwischen kennen – diese riesigen Smartphones mit Displays zwischen 5,5 und 6,x Zoll Displaydiagonale und dem maximalst beknackten Namen. Samsung hat diese Geräteklasse vor zwei Jahren mit dem ersten Galaxy Note geschaffen und einen unerwarteten Erfolg damit gefeiert. Da ist es doch ganz klar, dass auch andere Hersteller ein Stück vom Kuchen abhaben wollen und so bringen nun neben LG auch HTC, Sony, und ihre eigenen auf den Markt.

“Das ist doch viel zu groß!”

Neben den vielen Nutzern, die offenbar auf diese Art von Geräten stehen und Samsung jedes Jahr diese hohen Verkaufszahlen bescheren, gibt es noch viel mehr Nutzer, die von Phablets nichts wissen wollen. Diese Geräte seien doch generell viel zu groß, viel zu unhandlich und würden auch nicht in die Hosentaschen passen. Darüber hinaus sieht man doch total blöd aus, wenn man sich so einen Knochen ans Ohr hält zum Telefonieren.

Auch ich gehörte zu dieser Gruppe und konnte mit den Geräten um die sechs Zoll nichts anfangen. Ganz im Gegenteil: Ich wollte immer Geräte haben, die “handlich” sind – Geräte, die Displaydiagonalen um ca. 4,5” bis 4,7” möglichst kompakt verpacken.


Passend dazu nutze ich seit drei Wochen das ASUS Fonepad Note 6 in meinem Alltag, welches ich für mobiFlip teste. Dazu war ich dann letzten Donnerstag auch auf dem Nokia-Bloggertreffen in Düsseldorf, auf dem unter anderem das Nokia Lumia 1520 und das Lumia 1320 gezeigt wurden. In den letzten Tagen und Wochen hatte ich also mehr als genug Kontakt mit dieser, mir bisher außerirdisch erschienenen Produktgruppe.

Doch nicht so außerirdisch

Hat sich meine Meinung gegenüber diesen Phablets in dieser Zeit geändert? Ja, in der Tat und das nicht zu knapp. Eigentlich hat sich mein Bild um 180 Grad gewendet. Sicherlich benötigte ich erst einmal eine Woche Eingewöhnungszeit, um mich an dieses doch verdammt große Gerät zu gewöhnen.

Ist das aber erst einmal vorüber, verpufften viele der Vorurteile, die ich gegenüber diesen Geräten hatte, man sieht viel eher die Vorteile: Das große Display eignet sich besser zum ausgiebigen Browsing, Texte sind schneller getippt (6” und SwiftKey sind wirklich ein Heidenspaß), vor allem aber habe ich endlich damit aufgehört, mir ständig Gedanken über meinen Akku zu machen. Mit Ausnahme des LG G2 hat jedes “normalgroße” aktuelle Smartphone einen Akku, mit dem man sich einschränken muss. Mit dem Fonepad Note 6 habe ich kennengelernt, wie es ist, diese “Angst” vor dem sterbenden Akku endlich abzulegen. Daran gewöhnt man sich so schnell, dass man es nicht mehr missen möchte.

Darüber hinaus habe ich mich auch nach etwa einer bis anderthalb Wochen an den Formfaktor gewöhnt – man sagt ja nicht umsonst, dass man sich an alles gewöhnen kann und das ist hier ebenfalls der Fall, zumindest bei mir.

Woher kommt die Abneigung?

Wieso habe ich Phablets zuvor nie etwas abgewinnen können? Die Antwort auf diese Frage ist denkbar einfach: Ich habe es nie wirklich ausprobiert. Sicher habe ich immer mal wieder ein Galaxy Note in der Hand gehabt – das aber für maximal fünf Minuten. Der erste Gedanke ist dann oftmals, dass es eben einfach zu groß ist. Eine wirkliche Aussage kann man aber eigentlich gar nicht auf Basis von fünf Minuten Hands-On treffen, dafür braucht es definitiv länger Zeit.

Wenn es dann auch noch daran geht, sich ein neues Gerät anzuschaffen, hat man diese kurzen Erfahrungen entweder gar nicht gemacht oder eben diese negativen, oftmals weil viel zu kurzen, Eindrücke im Hinterkopf. Man möchte einfach die bestmögliche Wahl treffen und weil man den “normalen” Formfaktor kennt, bevorzugt man diesen oder maximal ein etwas größeres Gerät. Der Sprung auf sechs Zoll ist mit unbekannten Risiken verbunden.


Für mehr “selbst testen” und weniger “nur drüber lesen”

Sicherlich bin ich als jemand, der die Möglichkeit hat, an Testgeräte zu kommen, in einer “besonderen” Position. Trotzdem möchte ich im Kern auf folgendes hinaus: Traut euch auch mal ins Ungewisse! Wenn euch ein Gerät prinzipiell gefällt (z.B. wegen verschiedener Software-Funktionen oder wegen des Hardware-Designs), dann traut euch und greift auch mal zu.

Wenn euch das Phablet nicht gefällt, könnt ihr es immer noch zurückgeben, denn ihr habt zwei Wochen Zeit, um euch mit dem Formfaktor vertraut zu machen und in denen ihr im Ernstfall vom Widerrufsrecht Gebrauch machen könnt. Gefällt euch der Formfaktor nicht, dann wisst ihr das aus erster Hand, denn ihr habt dann viel Zeit mit dem Gerät verbracht und müsst euch nicht auf Meinungen Dritter, kurze Hands-Ons und Eindrücke aus der Ferne verlassen. Darüber hinaus kommen diese Geräte nun auch zunehmend in günstigere Preisregionen: Das Fonepad Note 6 geht bei Amazon z.B. für 349 Euro über die virtuelle Ladentheke und das Lumia 1320 wird eine UVP von 399 Euro haben, wenn es im nächsten Jahr hierzulande verfügbar sein wird.

Gefällt euch das Gerät aber, habt ihr gewonnen! Vielleicht entdeckt ihr bei der Nutzung Use-Cases, die ihr vorher so nicht bedacht habt, vielleicht ist das Gerät gar nicht so schlimm in eurer Hosentasche, wie ihr es euch zuvor gedacht habt. Vielleicht wollt ihr dann auf verschiedene Aspekte nicht mehr verzichten. Es gibt viele Gründe, warum einem ein Gerät erst nach ausgiebiger Nutzung gefallen könnte.

Ich muss dazu auch sagen: Wir Blogger und Schreiberlinge schreiben uns die Finger wund, um euch möglichst gute Eindrücke von Geräten verschiedenster Formfaktoren zu geben. Letzten Endes sind das aber alles nur Meinungen des jeweiligen Autoren, nie eure eigenen. Jeder Mensch ist unterschiedlich, auch in den Bedürfnissen nach Smartphones und Phablets. Idealerweise sollte man seine eigene Erfahrungen sammeln, um die für sich beste Entscheidung zu treffen.


Ich möchte es nicht mehr missen

Wie bereits gesagt: Ich dachte bis vor ein paar Wochen auch noch, dass ich Phablets nichts abgewinnen kann. Sie erschienen mir zu groß, zu unhandlich. Dann bin ich einfach über meinen Schatten gesprungen, habe angefangen, das Fonepad Note 6 als Alltagsgerät zu nutzen und wurde positiv überrascht. Vielleicht passiert euch ja ähnliches und werdet überrascht. Ich wurde überrascht und will es nicht mehr missen. Nehme ich nun mein Nexus 4 in die Hand, erscheint es mir winzig – zu winzig. Das gehört wohl auch zum Dran-Gewöhnen dazu.

Wie seht ihr das? Habt ihr auch schonmal “einfach ein Phablet ausprobiert”? Wie waren eure Erfahrungen? Und sind die Geräte prinzipiell für euch interessant (wenn nicht: Warum nicht?)?

Aus dem Nähkästchen” ist eine Artikelserie, in der wir zur Abwechslung mal Abstand vom Software- und Apps-Alltag nehmen, um technische Themen aus persönlicher Sicht zu beleuchten. Wie ticken wir? Was tickt hier? Was wollen wir? Was wollen wir nicht? Das erfahrt ihr alles hier.
  • http://scriptogr.am/rantanplan1980 Daniel

    Ich habe schon öfters Phablets in der Hand gehabt. Sowohl das alte Note 2 als auch das neue Note 3. Und das Problem ist nicht, dass es zu groß wäre. Okay, beim telefonieren käme ich mir sicher blöde vor, mit einem 6″ Gerät zu telefonieren.
    Aber für das was ich möchte (unter anderem Comcis lesen) sind Phablets eigentlich zu klein. Die 7″ Tablets sind schon gerade an der Grenze.

    Ich möchte mit meinem Tablet nicht telefonieren. Wahrscheinlich bin ich in der Minderheit damit, dass mir wahrscheinlich ein feature Telefon und ein Tablet ausreichen würde. Also inzwischen.

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Interessante Meinung, da sieht man auch mal, wie unterschiedlich Ansprüche sind. :) Ich persönlich find das völlig in Ordnung, mit der Kiste “normal” zu telefonieren, aber da bin ich wohl schmerzresistent, weil ich testweise schon mit dem 7”er-Fonepad telefoniert hab…

  • Torti_78

    Hm, mir gehts genau wie dir, ich hab im Elektronikfachmarkt schon mehrfach das Note 3 oder andere Phablets in der Hand gehabt, und bei diesem sehr kurzen anfassen habe ich auch immer den Eindruck, dass mir die Dinger zu groß sind.
    Irgendwie würde mich so ein Gerät aber auch doch reizen, ich bilde mir ein, dass es irgendwie doch was für mich wäre.
    Ich hatte seit seit dem Nexus One schon diverse Smartphones, sowie ein iPad, danach ein iPad Mini und momentan ein Nexus 7.
    Ich bin Pendler und nutze das Smartphone jeden Tag in der U-Bahn zum Musik hören, das Nexus 7 in der U-Bahn und im ICE zum Feeds lesen. Das “große” iPad war mir unterwegs zu unhandlich, das Nexus 7 finde ich hier optimal. Allerdings ist mir das Nexus 7 zuhause auf der Couch ehrlich gesagt wieder zu klein.
    Für mich könnte es evtl. Sinn machen, das Smartphone und 7″ Tablet durch ein Phablet und ein 10″ Tablet für zuhause zu ersetzen.
    Irgendwie trau ich mich aber nicht, weil mich die Phablet Größe für ein Gerät zum immer dabei haben doch abschreckt.
    Da wird man oft schon neidisch auf die Blogger, die die Möglichkeit haben immer die aktuellesten Geräte zu Testen. Neben dem Note 3 würde ich auch wahnsinnig gerne mal ein Lumia 1020 mit Windows Phone testen! Ich muss doch auch mal einen Blog starten… Ich weiß, so einfach ist das nicht ;)
    mehr “selbst testen” und weniger “nur drüber lesen” – hört sich super an, aber in dem was du dann schreibst, stimme ich im Gegensatz zum gesamten Rest des Artikels nicht mit dir überein. Du schreibst: Man soll einfach mal bestellen, man hat ja 2 Wochen Widerrufsrecht, in dieser Zeit kann man testen. Ich bin ansonsten weiß Gott kein Korinthenkacker, aber dafür ist das Widerrufsrecht nicht da. Es ist dafür da, die Nachteile des Onlineshoppings auszugleichen, die entstehen, da der Kunde die Ware nicht wie im Laden sehen und anfassen kann. Auspacken und genauer anschauen ist OK, aber ein Gerät mehrere Tage bis zu einer oder gar zwei Wochen zu nutzen und dann zurückzuschicken (Widerruf) find ich nicht in Ordnung.

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