Gastartikel: Warum das Chromebook viel toller ist, als man denkt

Knapp ein Jahr ist es her, dass das Konzept des Netbooks zu Ende gedacht und seine Idee vom perfekten internetfähigen Endgerät für den mobilen Einsatz vorgestellt hat. Die Fachpresse hat seitdem kaum eine Gelegenheiten ausgelassen, das Chromebook-Konzept zu zerreißen. Hier mal eine etwas andere Sicht:

Was genau ist ein Chromebook?

Google hat mit Chrome OS sein eigenes Betriebssystem an den Start gebracht, das nicht mehr und nicht weniger als den bekannten Browser enthält. Kurz: Der Browser ist das Betriebssystem. Da die Produktpalette der mit Chrome OS ausgerüsteten Geräte derzeit noch sehr überschaubar ist, möchte ich es mir nicht nehmen lassen, ein kurzes Wort zur Hardware zu verlieren.

Samsung Chromebook XE500C21

[Bildquelle: RapidGeeks]

Das Gerät meiner Wahl ist das Samsung XE 500C21. Ausgestattet ist es mit einem auf auf 1,6 GHz getakteten Intel Atom Prozessor, einer 16 GB SSD und 2 GB RAM. Das Gerät hat einen matten 12,1 Zoll Bildschirm über dem eine Webcam mit 1,3 Megapixel schlummert. Schnittstellen sind 2 USB Ports, davon wird einer durch eine Plastikkappe verdeckt, während der andere offen zugänglich ist. Das Gerät hat einen Schacht für eine SIM-Karte, der angenehmerweise ebenfalls verschließbar ist. Bei meinem Modell wurden 3 Monate Internetzugang von Simyo gratis mitgeliefert. WLAN bietet das Chromebook natürlich ebenfalls und das subjektiv gemessen sogar sehr gut und zuverlässig. Der Speicherplatz lässt sich mit SD-Karten beliebig erweitern. Der Einschub dafür befindet sich gut erreichbar an der Vorderseite und kann bei Nichtbenutzung mit einem mitgeliefertem Dummy verschlossen werden.

Das Chromebook ist von Samsung wahlweise in titan-silber oder polarweiß erhältlich, wobei Innen- und Unterseite bei beiden Modellen schwarz sind. Ich habe mich für das Gerät in titan-silber entschieden und muss sagen, dass “dunkelgrau-glänzend” die Farbe besser beschreibt. Das Gerät ist sehr wertig verarbeitet, obwohl es komplett aus Plastik gefertigt ist. Positiv fallen die vier Gumminoppen an der Unterseite auf, die das Gerät sehr gut am Platz halten und etwas Raum zwischen Tischplatte und Gehäuse lassen, was der Kühlung sicher zu Gute kommt. Ein besonderes Lob verdient die große Tastatur. Weil das Chromebook die Grenze zum Netbook nicht unterschreitet, bleiben die Tasten gut erreichbar und ersparen dem Anwender netbooktypische Verränkungen.

Nun aber zum Chrome OS. Wie erledigt man Aufgaben effizient und sicher im Internet? Die Antwort darauf sind Apps. Google sieht hierfür den hauseigenen Chrome Web Store vor, in dem sich eine große Menge an Anwendungen finden lässt. Diese werden dem Betriebssystem hinzu gefügt und werkeln nach der Installation entweder als Shortcut, den es auf verschiedenen Wegen zu erreichen gilt, oder aber als Plug-In für den Browser. Diese Plug-Ins werden von Google passenderweise als Extensions bezeichnet. Beispielsweise lassen sich mit Extensions wie ProxTube die GEMA-Sperre umgehen. Großartig! Ebenso lassen sich Dienste wie Instapaper, Evernote oder Twitter als Widgets in die Browserzeile einfügen. Ohne eigenes Tab bleiben Nachrichten und Funktionen immer schnell und einfach klickbar. Von Anfang an war es möglich, dem Browser mittels Themes eine persönliche Note zu verleihen. Seit dem letzten Update im April bietet Chrome OS darüber hinaus die Möglichkeit, eine Desktop-Ansicht zu benutzen, die sich im Rahmen vorgegebener Hintergrundbilder weiter anpassen lässt. Von Vorteil ist dieses Update vor allem, weil sich nun mehrere Fenster gleichzeitig bearbeiten lassen. Über ein kleines Feld im rechten oberen Rand lassen sich diese intuitiv maximieren, minimieren oder arrangieren. Ähnlich wie bei Googles Smartphone OS Android gelangt man über ein ein Icon in der Menüleiste in eine Übersicht aller installierten Anwendungen. Die Menüleiste am unteren Rand des Bildschirms ist vergleichbar mit dem Dock im Mac OS und lässt sich nach Belieben mit den wichtigsten Apps ausstatten.

Ein Leben in der Cloud

Durch die permanente Einbindung aller Aufgaben ins Internet werden sämtliche Prozesse sofort in der Wolke gesichert. Google hat diese mit dem Dienst Google Drive gerade auf satte 5 GB erweitert. Die Devise lautet: Bilder zu Picasa, Dokumente zu Docs und alles andere findet auch seinen Platz. 16 GB Speicherplatz mögen erst einmal mau wirken. Hier mal eine kleine Rechnung, wie viel Speicherplatz sich ergibt, wenn man das Chromebook (nach Googles Meinung) richtig nutzt:

  • Interne Festplatte: 16 GB
  • SD Kartenslot: 4-64 GB
  • Google Drive: 5 GB
  • Dropbox: 2 GB
  • Google Music: 20.000 Songs
  • Summe: 27 GB + 20.000 Songs

Positiv fällt auf, dass durch dieses Verfahren alle Dokumente und Daten überall dort abrufbar sind, wo man einen Internetzugang hat. Die wichtigsten Daten lassen sich lokal abspeichern und auch offline bearbeiten. Das fällt schon bei der Erstinstallation auf, die im wesentlichen aus einem Log-In mit dem Google Account besteht. Stück für Stück wächst der Nutzer danach in die Cloud und fühlt sich dort in zunehmendem Maße wohl.

Apps im Chrome Webstore

Ganz klar ist das Chromebook ein Nischenprodukt für Nerds (aber das sind wir ja so langsam alle) und wird es auch noch eine Weile bleiben. Jedoch ist es für technikaffine Menschen in Bildungseinrichtungen ein großartiger Begleiter. Der Akku powert 7,5 Stunden zuverlässig durch den Tag, Dokumente sind immer dort, wo man sie braucht und die Verwendung von Google Docs erspart dem schmalen Geldbeutel teure Büropakete wie iWork oder MS Office. Darüber hinaus lassen sich Gruppenarbeiten gemeinsam in geteilten Dokumenten erstellen und bearbeiten. Wenn man sich vor Augen führt, dass jeder der ein Android-Handy, ein Youtube-Konto oder einen GMail-Account hat, dazu eingeladen werden kann, ist die Anbindung schnell, unkompliziert und meist leichter als man denkt. Schwierig wird es, wenn Mitglieder der Arbeitsgruppe sich nicht bei Google anmelden möchten.

Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung. Wem klar ist, dass weniger auch mehr sein kann und wer bereit ist, sich auf das Konzept des Cloud-Computings einzulassen, wird mit dem Chromebook sehr zufrieden sein.

Die in der Presse oft benannten Nachteile fallen nur im Vergleich mit herkömmlichen Betriebssystemen auf. Sie resultieren jedoch nicht aus der Benutzung eines Chromebooks. Als fehlend empfinde ich lediglich eine iTunes Implementierung, obwohl die iOS Geräte mehr und mehr eigenständig laufen. Auch die Möglichkeit, Musik direkt vom Chromebook in Google Music hochzuladen, fehlt bisher. Warum der Dienst von Mac, Windows und Linux unterstützt wird, aber nicht vom eigenen Betriebssystem, ist mir ein Rätsel. Jedoch wächst und wächst das System und ich blicke optimistisch in die “bewölkte” Zukunft.

  • Pingback: (@net_seo) (@net_seo)()

  • Pingback: (@JumpShoXX) (@JumpShoXX)()

  • http://www.ienno.de Enno

    Naaaah, ich weiß nicht. Ich mag den Gedanken ein Gerät zu besitzen, das auf das Wesentliche reduziert ist. Wirklich. Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen auf einem Chromebook produktiv zu arbeiten. Es ist sicherlich gut um Medien zu konsumieren. Und ja, ein bisschen bloggen könnte man damit auch. Aber regelmäßig darauf arbeiten? Eher nicht.

    Ist also eher so ein Luxus-Device. Nett, wenn man’s hat, muss man aber nicht. Und da ziehe ich ein Tablet wohl doch eher vor.

    Was mich verwirrt hat: die Rechnung mit dem Speicherplatz ist ein bisschen Augenwischerei, oder? Dropbox-Daten beispielsweise sind doch auf der Platte noch einmal gespiegelt, oder nicht? Zumal der Zugriff auf Daten in der Cloud immernoch länger dauert, als ein Zugriff über interne Datenträger.

    Mein Fazit: wenn ich mal zu viel Geld hab, ok. Aber ansonsten eher nicht.

  • Pingback: HiGHLiNe6x6 (@Anonym6x6)()

  • http://www.timotime.de Timotime

    Also erstmal: ein wirklich ausführlicher und gelungener Artikel. Sehr gut =)
    Zum Chromebook:

    Das hört sich ja alles schön und gut an. Mir wird aber immer noch nicht klar, wieso ich 400€ für ein Gerät ausgeben soll, was ich eigentlich nur “richtig” nutzen kann, wenn ich online bin. Für 400€ bekomme ich genauso gut einen Laptop/oder auch ein Netbook was mit einem normalen Betriebssystem läuft und wenn ich lust habe, kann ich da genauso Google Chrome, Docs, Drive, Mail usw drauf benutzen und alles in die Cloud packen. Ich MUSS aber es nicht…könnte aber.
    Damit ein Chromebook für mich Sinn macht, müsste es preislich WEIT unter einem normalen Laptop liegen.

    Gruß

  • Georg

    Ich sehe da keinen nennenswerten Vorteil drin. Ein Netbook mit Ubuntu und LibreOffice drauf ist auch ein Ersatz zu MS Office ohne nennenswerte Mehrkosten. Ich möchte nicht die Cloud nutzen nur um die Cloud selbst als Positivpunkt zählen zu können. Und die Sache mit dem Speicher ist eine Milchmädchenrechnung. Auf meiner Festplatte kann ich Dateien herumschieben wie ich will, aber um .Zb. etwas von Dropbox zu GDrive zu übertragen brauche ich mindestens einen weiteren Dienst, etwa Wappwolf oder iftt. Inwiefern das mein Lebe erleichtern soll…

    Und wenn ich mal kein Internet habe, weil z.B. der Sendemast ausfällt oder einfach das Wlan- od. UMTS-Modul ausfällt? Dann ist die Wirkung dieselbe wie bei einem Festplattencrash, meine Daten sind nicht mehr verfügbar. Wieso 400 Euro ausgeben nur um ein paar Abhängigkeiten gegen neue einzutauschen?

  • Jan Michael Schult

    Vielen Dank für die sehr gute Kritik. Preislich stehen die Chromebooks meiner Meinung nach noch ganz gut da, SSDs sind eben sauteuer. Zum Thema Internetausfall – Es bleibt die Möglichkeit beim Nachbarn oder sonst wo online zu gehen. Am Linux habe ich mich gestern auch schon versucht, einfach um es mir mal anzusehen, werde die Tage noch ein deutschsprachiges Tutorial zur Installation einstellen. Gibt noch ein paar Schnitzer.

  • Pingback: Warum das Chromebook viel toller ist, als man denkt()

  • Pingback: (@Achisto) (@Achisto)()

Kommentarrichtlinien

Kommentare sind immer gern gesehen, allerdings haben wir einige wenige Richtlinien. Wir bitten euch diese einzuhalten, um eine möglichst niveauvolle und respektvolle Diskussion zu den Themen zu gewährleisten. Folgendes gibt es beim Kommentieren zu beachten:

  • Achtet auf einen sachlichen und respektvollen Ton
  • Die Meinung anderer ist stets zu respektieren
  • Beleidigungen werden nicht geduldet, wenn sie gegen geltendes Recht verstoßen
  • Links zu anderen Webseiten/Artikeln/Beiträgen sind erlaubt, sofern sie zum Thema passen (keine SEO-Links)
  • Keywords als Kommentatorname sind nicht erlaubt
  • E-Mail-Adressen sind freiwillige Angaben