DevSpezis #002: Entwickler-Interview mit Amir Salihefendic (Todoist-CEO)

Stammleser wissen, dass ich seit Jahren treuer -Nutzer bin und hier im Blog habe ich den Todo-Dienst auch schon mehrfach thematisiert – beispielsweise, indem ich euch meinen Todoist-Workflow zeigte. Wenn ich sage, dass Todoist die erste Aufgabneverwaltung ist, die mir effektiv bei meiner eigenen Produktivität hilft, ist das beileibe nicht gelogen.

Umso mehr freute es mich, dass ich die Gelegenheit hatte, ein E-Mail-Interview mit dem Todoist-CEO Amir Salihefendic zu führen. Er hat Todoist anno 2007 gegründet und ist nun Geschäftsführer eines Startups, bestehend aus über 40 Mitarbeitern aus der ganzen Welt. Wer er ist, wie es zur Todoist-Gründung gab, welche Tipps er im Umgang mit seinem eigenen Dienst hat und wie seine bisherigen Erfahrungen als Entrepreneur ausfallen, erklärt er in den folgenden Zeilen.

For you non-german readers: below my German translation you can find the English original of my interview with Todoist CEO Amir Salihefendic!

Jump to the English original →



Deutsche Übersetzung

Todoist ist einer der bekannteren consumer-orientierten Aufgabenverwaltungen. Viele Menschen nutzen den Dienst, kennen jedoch die Leute dahinter nicht wirklich. Lass uns daher mit einer fixen Vorstellung beginnen: Wer ist Amir Salihefendic?

„Ich wuchs in Bosnien während des Krieges auf, meine Familie migrierte nach Dänemark, als ich sechs Jahre alt war und ich startete Todoist, während ich noch zur Universität ging. Ich stamme aus einer unternehmerischen Familie – ich dachte also nie daran, mal für einen großen Konzern zu arbeiten. Ich wusste immer, dass ich mein eigenes Unternehmen starten würde.”

Seit wie vielen Jahren arbeitest Du bereits als Entwickler und an welchen Projekten hast Du vor Todoist gearbeitet?

Ich programmiere seit meinem 12. Lebensjahr, zunächst auf einem Commodore 64. Später studierte ich dann Informatik in Aarhus (Dänemark) und hatte nebenbei zwei Programmiertätigkeiten. Noch während der Studienzeit schloss ich mich mit zwei Partnern aus Kanada und Malaysia an, um ein soziales Netzwerk für den asiatischen Markt namens „Plurk” zu starten, welches bis heute noch immer existiert. Meine dortige Rolle als technischer Leiter (Todoist war damals noch immer nur ein Nebenprojekt) lehrte mich, wie man große Systeme auf die Beine stellt, welches mit Millionen von Nutzern und Milliarden von Datensätzen umgehen kann. Ich lernte auch viel über virales Marketing. Wege, dieses aufzubauen und ich konnte mit wirklich talentierten Menschen aus aller Welt zusammenarbeiten. Nicht zuletzt lernte ich dort auch, wie man mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen zusammenarbeitet (meine Mitgründer waren kanadisch-indischer und malaysisch-chinesischer Herkunft).

Du hast Todoist im Januar 2007 gestartet. Welche Gründe führten Dich dazu, eine eigene Todo-App zu entwickeln?

„Ich begann mit Todoist ohne den Hintergedanken an ein großes Unternehmen oder an einen großen Software-Dienst. Todoist ist tatsächlich ein Dienst, den ich für mich selbst entwickelte. Ich war in eine Menge Projekte involviert und brauchte daher einen Weg, um Arbeit und Produktivität effektiv zu verwalten. Ich schaute mir andere Alternativen auf dem Markt an, jedoch funktionierte keine auf die Art, wie ich es wollte. Niemals stellte ich mir vor, dass Todoist auf irgendeine Art und Weise bedeutend werden könnte – erst später realisierte ich das tatsächliche Potential.”

Todoist existiert nun seit über acht Jahren. Gab es in dieser Zeit als Todoist-CEO besondere Höhepunkte für Dich?

„Zwischen 2007 und 2011 arbeitete ich als Nebenprojekt an Todoist. Mein größter Höhepunkt war dann die vollzeitige Fokussierung auf den Dienst. Ich denke, dass dies alles veränderte und, dass es eine meiner besten bisherigen Entscheidungen war.

Ein anderes Highlight passiert hingegen jeden Tag: Wir haben großartige Menschen aus der gesamten Welt, die jeden Tag zusammenarbeiten. Das ist wirklich inspirierend.”

Und auf der anderen Seite: Gab es irgendwelche negativen Erfahrungen, die für Dich herausstachen und Dich nachhaltig beeinflussten?

„Ich denke, einer der schwierigsten Aspekte meiner Arbeit ist es, Leute entlassen zu müssen. Glücklicherweise mussten wir das erst einige wenige Male in unserer bisherigen Geschichte tun. Emotional ist das wirklich anstrengend und etwas, das ich hasse.”

Laut der Doist-Webseite besteht Dein Unternehmen aktuell aus 42 Mitarbeitern aus der ganzen Welt. Welche Tools benutzt ihr, um miteinander zu kommunizieren und zu arbeiten?

„Heute arbeiten Menschen aus über 20 verschiedenen Ländern über vier Kontinente hinweg für Todoist. Wir waren schon immer stolz darauf, ein Remote-arbeitendes Unternehmen zu sein, denn ein Traum kann überall in der Welt gebaut werden, wenn man klug und motiviert ist und das ist die Wahrheit. Darüber hinaus zwingt es uns, dass wir uns besonders auf die Werkzeuge verlassen, die wir selbst bauen, was wiederum zur Folge hat, dass wir in einem ständigen Stand des Iterieren sind, um sie zu verbessern. Derzeit benutzen wir einen Mix aus Todoist for Business, Slack sowie einer Kollaborationssoftware, die wir derzeit selbst entwickeln.

Unser Team verlässt sich jeden Tag auf Todoist um Projekte sowie Dateien zu teilen, Aufgaben zu verteilen, Themen und Ideen zu diskutieren und um generell bei allen Dingen, die aktuell anstehen, auf aktuellem und synchronisierten Stand zu bleiben. Das Großartige ist dabei, dass wir dies auf jedem Gerät und jeder Plattform, auf der wir arbeiten, tun können (wir bieten derzeit native Apps und Erweiterungen für über 15 Plattformen an). Nicht zu vergessen sind dabei Todoists verschiedene E-Mail-Etweiterungen, die uns dabei helfen, dass kein Schriftverkehr vergessen wird. Ein globales Team, wie unseres, würde ohne das gar nicht erst funktionieren.”

Hast Du Dich gezielt dafür entschieden, Dein Unternehmen aus Mitarbeitern aus der ganzen Welt aufzubauen? Wenn ja, warum hast Du Dich für dafür entschieden – insbesondere, wo viele andere Startups auf einen zentralisierten Arbeitsplatz setzen?

„Ein internationales Team zu sein, ist aus mehreren wettbewerbstechnischen Gründen ein Vorteil. Hauptsächlich erlaubt es uns, Projekte und Aufgaben aus vielen einzigartigen Blickwinkeln zu betrachten – wir sind stolz darauf, Weltklasse-Produkte zu kreieren, ohne an einen einzelnen Ort gebunden zu sein. Das gibt unserem Team die Flexibilität, um dort zu arbeiten, wo sie es möchten und sich trotzdem als Mitglied einer engen Gruppe zu fühlen. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein riesiger Vorteil im Wettbewerb ist und es hat sich seit 2007 für Todoist ausgezahlt.”

Kurz zusammengefasst: Wie arbeitest Du denn mit Todoist, um das für Dich Beste aus dem Dienst herauszuholen? Welche sind Deine besten Hinweise an andere Todoist-Enthusiasten?

„Die Tatsache ist: Todoist verwaltet mein Leben; sowohl privat, als auch professionell. Das reduziert meinen Stress, da ich mich nicht an alles erinnern muss, was in meinem Kopf ist.

In Todoist speichere ich E-Mails, auf die ich antworten muss (über das Gmail-Plugin) und Artikel, die ich lesen möchte (mit dem Chrome-Plugin). Darüber hinaus. Tägliche Aufgaben, wie das Erreichen von „Inbox Zero”, laufen genauso über Todoist, wie das Abspeichern von Bug-Reports etc. Auch inspirationale Dinge, wie Postings bei Product Hunt, speichere ich in Todoist.

Ich würde empfehlen, Todoist auf eine solche Art zu nutzen und ich denke, dass es gleichermaßen eure Produktivität steigern und das Stressniveau sinken wird.”

Und welche Dienste nutzt Du persönlich eigentlich noch neben Todoist?

„Wir nutzen Github. Sofern ihr das nicht bereits nutzt, ist das meine Empfehlung!”

Abschließende Frage: Welche Ratschläge würdest Du angehenden Entrepreneuren geben bzw. jemandem allgemein, der den Launch einer eigenen App und/oder eines eigenen Dienstes plant?

„Ich kenne viele kluge Menschen und ihr größter Fehler ist, dass sie ausschließlich in einer Angelegenheit gut sind. Als Gründer sollte man in vielen Bereichen gut sein inklusive Entwicklung, Design, produkt- und kaufmännischen Aspekten, Teambildung, Führung etc. In mehreren Bereichen gut zu sein, macht einen viel wertvoller und hilft auch dabei, bessere Entscheidungen zu treffen (zum Beispiel bei der Einstellung neuer Mitarbeiter).

Außerdem: Es ist wichtig, dass man an etwas arbeitet, für das man wahre Leidenschaft empfindet.”

Vielen Dank für das Interview!

Amir im Web: Blog / Twitter / Github


English version

I am a professing Todoist enthusiast and over the years I covered this productivity service multiple times – for example, I showed my readers how I work with Todoist on a daily basis (german article). It is the truth that Todoist is the first and until today the only task management service that helps me in a big way with my productivity.

With this getting out of the way, I was very stoked about the opportunity to have an email interview with Todoist CEO Amir Salihefendic. He launched Todoist in 2007 and is now the CEO of a startup with more than 40 employees around the globe. Who he is, how he came to launch Todoist, which advices he has for working with his own tool and how his experiences as a entrepreneur are, are some of the topics we talked about in this interview.


Todoist is one of the better known consumer-faced task management apps. Many people use it but don’t really know about the people behind it. So let’s start with a quick introduction of yourself: Who is Amir Salihefendic?

“I grew up in Bosnia during the war. My family left to Denmark when I was 6. I created Todoist while in university. I’m from an entrepreneurial family–my parents owned their own business in Bosnia and later in Denmark–so I never envisioned myself working for a big company. I always knew I would start my own business.”

How many years do you already work as an developer and what projects did you work on before Todoist?

“I have programmed since I was 12, I did my first work on a Commodore 64. Later I studied computer science in Aarhus (Denmark) and had two programming jobs on the side. During studies I joined two other partners in Canada and Malaysia to start a social network in Asia called “Plurk”, which is actually still around. It was in my role as CTO at Plurk (when Todoist was still just a side project) that I learned how to build a big system that could handle millions of users and billions of data items. I learned a lot about viral marketing and ways to construct it and I worked with really talented people from all around the world. I learned how to work with people from very different cultures (my co-funders were Canadian-Indian and Malaysian-Chinese.”

You launched Todoist in January 2007. Which reasons drove you to create a todo app yourself?

“I didn’t initially start Todoist with a big company or big service in mind. The step of creating a company just came naturally. Todoist was actually a tool I made for myself. I had a lot of projects going on and I needed to effectively manage my work and my productivity. I looked at the other tools on the market and none worked the way I wanted them to work. When I started Todoist, I never imagined it would become anything significant– it’s only later that I released its true potential.”

Todoist now exists for more than eight years. Were there specific highlights you experienced as Todoist CEO?

“From 2007 to 2011 I worked on Todoist as a side project. The biggest highlight is going full-time. I think this changed everything and was one of my best decisions yet.

The other highlight is happening each day. We have these amazing people from all around the world working together remotely. That is really inspiring.”

And on the other side: Any specific negative experiences that stood out to you and had a certain influence on you?

“I think one of the most difficult parts of my job is having to lay people off. Luckily we have only done this a few times in our history. Emotionally this is really stressful and something I hate doing.”

According to the Doist website, your company consists of 42 people around the whole world. Which tools do you use to communicate and work with each other?

“Today, we have people working in over 20 different countries across four continents. We have always prided ourselves on being a remote company because the truth is that a dream can be built anywhere in the world if you are smart and motivated. This also forces us to rely heavily on the tools we build ourselves which means that we’re in a constant state of iteration to make things better. Currently, we use a mix of Todoist for Business, Slack and a collaboration software that we’re currently developing.

Our team depends on Todoist every day to share projects and files, delegate tasks, discuss issues and ideas, and stay up-to-date and in sync on everything that’s going on. And the great thing is, we can do it on every device and platform we work from (we currently have native apps and extensions on over 15 different platforms). Not to mention, Todoist’s various email client extensions help us make sure that no correspondence falls through the cracks. A global team like ours couldn’t function without it.”

Did you specifically decide to employ people around the globe? If so, why did you decide in favor of remote work places since many other startups prefer to have a centralized “headquarter”?

“Being an international team is a competitive advantage for several reasons. Mainly, it allows us to see projects and tasks in many unique points of view– we are proud of being able to create world-class products without being tied to a single location. This gives our team the flexibility to work from where they desire yet to still feel part of a tight group. We feel that this is a major competitive advantage and one that has worked for Todoist since 2007.”

In a nutshell: How do you work with Todoist to get the most out of it? What is your best advice for us Todoist enthusiasts?

“The truth is: Todoist manages my life, both personal and professional. I use it as a system to store all the things I need to do. This helps reduce my stress since I don’t need to remember everything inside my head.

In Todoist I store emails I need to respond to (using the Gmail plugin), I store articles I want to read (Chrome plugin), I store daily chores such as reaching Inbox Zero, I store bug reports etc. I also store inspiration stuff such as checking out Product Hunt.

I would recommend using Todoist in this way. I think it will improve your productivity and reduce your stress levels.”

And which services do you use personally besides Todoist?

“We use Github. I would recommend it if you aren’t using it already!”

Closing question: Which advices would you give an aspiring entrepreneur or in general someone who wants to launch his own app and/or service?

“I know a lot of smart people and their biggest mistake is that they are only good at one thing. As a founder you should be good at a lot of things, including development, design, product, marketing, business, team building, leadership etc. Being good at multiple things makes you much more valuable and you can make much better choices (for example, when hiring other people).

Another thing: it’s important you work on something that you are truly passionate about.”

Thank you very much for the interview!

Find Amir: Blog / Twitter / Github


Find Todoist

Todoist: To-Do | Aufgabenliste
Entwickler: Doist
Preis: Kostenlos+
Todoist: Dinge erledigen
Entwickler: Doist
Preis: Kostenlos+
Todoist: Dinge erledigen
Entwickler: Doist
Preis: Kostenlos+

Kommentarrichtlinien

Kommentare sind immer gern gesehen, allerdings haben wir einige wenige Richtlinien. Wir bitten euch diese einzuhalten, um eine möglichst niveauvolle und respektvolle Diskussion zu den Themen zu gewährleisten. Folgendes gibt es beim Kommentieren zu beachten:

  • Achtet auf einen sachlichen und respektvollen Ton
  • Die Meinung anderer ist stets zu respektieren
  • Beleidigungen werden nicht geduldet, wenn sie gegen geltendes Recht verstoßen
  • Links zu anderen Webseiten/Artikeln/Beiträgen sind erlaubt, sofern sie zum Thema passen (keine SEO-Links)
  • Keywords als Kommentatorname sind nicht erlaubt
  • E-Mail-Adressen sind freiwillige Angaben