Discographic für iOS: Musiksammlung bei Discogs verwalten und erweitern (Gastbeitrag)

Wer sich auch in Zeiten der unbegrenzten digitalen Verfügbarkeit dem Hören und Sammeln von auf haptischen Tonträgern verschrieben hat, wird sie kennen: Discogs, die weltweit größte Plattform für Vinylnerds und Artverwandte.

Bei Discogs finden sich etliche Informationen über eine riesige Menge an Schallplatten, CDs und sonstige Medien, die irgendwann einmal den Weg vom Presswerk in die Musiksammlung eines Liebhabers gefunden haben. Die große Community pflegt akribisch so ziemlich alles ein, was je auf einem Tonträger veröffentlicht wurde. Nicht zu vernachlässigen ist zudem der Discogs Marketplace – von manchem zwar als preistreibendes Hölleninstrument verschrien, doch auf der Suche nach gebrauchten und auch neuen Platten aller Art noch immer die erste Anlaufstelle.

Dass Plattensammler keineswegs nur aufgrund ihres Interesses am althergebrachten Tonträger auch fortschrittsverweigernde Wählscheibentelefonbesitzer sind, ist hoffentlich bekannt. Vinyl erfreut sich in der heutigen Zeit wieder größter Beliebtheit und so ist es auch vollkommen klar, dass App-Entwickler an mobilen Lösungen für Discogs arbeiten, denn Discogs selbst bietet zwar mittlerweile eine ansehnliche, mobil optimierte Version ihrer Webseite, aber auf eine offizielle App der amerikanischen Firma wartet man seit Jahren vergeblich. So wurden in der Vergangenheit bereits kostenfreie und kostenpflichtige Lösungen in Apples AppStore angeboten. Bisher konnte sich die für 2,99 € erhältliche „MilkCrate“ als Lösung der Wahl durchsetzen, doch besonders die mangelhafte Darstellung von Diskografien einzelner Künstler oder verschiedener Varianten einer Veröffentlichung enttäuschten mich hier zu häufig und so verstaubt MilkCrate mittlerweile in den Tiefen der Ordner meines iPhone-Homescreens.

Nun aber blinkte mir aus dem AppStore ein Fünkchen Hoffnung entgegen: „Discographic“ von einem Entwickler namens Oscar Adan wurde vor knapp einem Monat gelauncht und stellt sich abermals der Aufgabe einer guten Lösung für die mobile Umsetzung von Discogs‘ riesiger Datenbank und dem beliebten Marketplace. Wie auch für MilkCrate muss der geneigte User hier zunächst knappe drei Euro springen lassen, ehe der Download beginnen kann. Über eine Schnittstelle zu Discogs lässt es sich anschließend beim Startup einfach mit den bestehenden Logindaten einloggen.

Schon auf dem ersten Bildschirm zeigt sich, welche Discogs-Funktion die englischsprachige App in den Vordergrund stellt: Das Einsortieren der eigenen Musiksammlung in selbst bestimmte Kategorien. Alphabetisch ordnen sowohl Discogs als auch Discographic natürlich selbst, aber bei einem gewissen Umfang der eigenen Sammlung verliert man doch schnell den Überblick, was man eigentlich so alles im Regal stehen hat. Daher lassen sich auch in der digitalen Form eigene „Regalfächer“ anlegen, die ihr selbst benennen und anschließend verwalten könnt. Wer es gern nach Genres sortiert hat, legt sich also z.B. die Kategorien „Punk“, „Schweinerock“ und „Post-Witchhouse-Mathcore-Crossover“ an. Oder aber ihr sortiert die Alben und Singles in ihr Erscheinungsjahrzehnt ein. Oder steht ihr auf farbiges Vinyl und sortiert nach Schattierungen? Der Fantasie sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt, trotzdem entscheide ich mich zunächst recht simpel für die Benennung der Kategorien mit den drei Standardformaten von Schallplatten, um die Funktion der App zu testen.

Hübsch aufbereitet könnt ihr euch durch die Cover und Titel eurer Collection scrollen und mit einem Fingerstreich das Menü zur Einsortierung in eure Kategorien öffnen. Wer diesen Schritt zuvor nie bei Discogs vorgenommen hat, wird damit erstmal eine Weile zu tun haben und natürlich ist es nicht ganz so befriedigend, wie das echte Einräumen der echten Platten, aber immerhin sieht man mal wieder, was man eigentlich so alles rumstehen hat und nach getaner Arbeit ist auch viel mehr Übersicht gegeben.

Den zweiten Reiter der App bildet das Pendant zur Collection: Die Wantlist. Wer auf der Releaseseite bei Discogs anklickt, dass er diesen Tonträger gern sein Eigen nennen würde, findet die entsprechenden Veröffentlichungen in diesem Bereich wieder. Und à propos Releaseseiten – diese sind ebenfalls sehr chic in Discographic dargestellt und enthalten in übersichtlicher Form alle Infos, die die Discogs-Community zur jeweiligen Platte eingepflegt hat. Besonders hübsch: Die bannerartige Darstellung des Covers im oberen Bereich.

Die Suchfunktion der App lässt euch anhand von Plattentiteln, Interpreten, Labels und einigen weiteren Möglichkeiten den Datenbankeintrag finden, den ihr euch gerade genauer ansehen wollt – zum Beispiel im Plattenladen, um den Preis einer dort ausgestellten Platte grob gegenzuchecken. Noch viel fixer geht das mit dem eingebauten Barcodescanner, der zuverlässig und schnell den Strichcode auf der Plattenrückseite scannt und das Gefundene direkt anzeigt – vorausgesetzt, jemand hat den Barcode bei Discogs hinterlegt. In etwa 80% der Fälle hat man Glück.

Wenn die gewünschte Platte nun sehr viel günstiger online zu haben ist, könnt ihr direkt die Angebote der vertrenen Händler anschauen und gegebenfalls eine Bestellung platzieren – letzteres hat leider bis heute noch keine App ermöglichen können, ohne auf die Discogs-Webseite zu wechseln. Discographic tut das immerhin app-integriert und öffnet die Seite nicht in Safari, was zwar nur ein Detail ist, die Sache aber dennoch vereinfacht.

Mit einigen weiteren Spielereien wie der Auswahl verschiedener Farb-Templates bietet die App dann noch ein paar nette Extra-Optionen. Wichtig ist aber, dass Discographic wirklich gut funktioniert, es mangelt der App eigentlich an nichts. Ihr könnt eure bestehende Sammlung einsehen und verwalten, neue Käufe hinzufügen oder direkt dort tätigen. Alles läuft stabil, ist absolut intuitiv nutzbar (sofern man ansatzweise mit dem Prinzip von Discogs vertraut ist) und bietet so endlich eine rundum genießbare Lösung für Discogs auf dem iPhone. Die 2,99 € ist sie also allemal wert für jeden, der Liebe für das schwarze Gold oder auch die kleinen Silberlinge hat!

Discographic for Discogs
Entwickler: Oscar Adan
Preis: 3,49 €

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