iPhone 6 Plus Testbericht

Mit der Vorstellung der neuen iPhone-Generation hat sich endlich dem Markt angepasst. Dieser fordert seit Jahren zunehmend größere Geräte, während man in Cuppertino fast schon mantraartig am Grundkonzept der Einhandbedienung und somit auch entsprechend kleinen Geräten festhielt. Das ändert sich nun ein Stück weit – vor allem mit dem iPhone 6 Plus, welches ein komplett unbekanntes Gebiet für darstellt. Wie gut ist dieser erste Schuss nun aber gelungen?

Technische Ausstattung und Lieferumfang

Im iPhone 6 Plus arbeitet mit dem A8 die neueste Generation von Apples hauseigenem Prozessor, unterstützt wird dieser von einem GB Arbeitsspeicher. Der Akku hat dazu mit knapp 3.000 mAh eine mehr als annehmbare Kapazität, was bei vorigen Generationen, bedingt durch die kompakten Bodies, nicht der Fall war. Ich persönlich habe mir die Variante mit 64 GB internem Speicher in Space Gray gegönnt.

Spec-Nerds (vorzugsweise mit Vorliebe für Android-Geräte) bemängeln natürlich, dass Apple hier auf teilweise technisch veraltete Komponenten zurückgreift – mein Kommentar zu dem Thema: Hört nicht auf Spec-Nerds. Auch im Android-Lager zeigte das Moto X der ersten Generation, dass es nicht auf die größte technische Ausstattung ankommt, um ein super funktionierendes und performantes Smartphone zu bauen.

  • Display: 5,5” IPS-LCD, 1080p-Auflösung (401 ppi)
  • Prozessor: Apple A8 Dual-Core 1,4 GHz, M8 Co-Prozessor
  • Speicher: 1 GB RAM, 16/64/128 GB intern (nicht erweiterbar)
  • Kameras: 8 Megapixel Hauptkamera mit OIS, 1,2 Megapixel Frontkamera
  • Akkukapazität: 2.915 mAh
  • Maße und Gewicht: 158,1 x 77,8 x 7,1 mm, 172 Gramm
  • Betriebssystem: iOS 8
  • Konnektivität: LTE Cat.4 (Nano-SIM), WiFi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.0, A-GPS, NFC (Apple Pay)
  • Sensoren: Accelerometer, Gyro, Proximity, Compass, Barometer
  • Farbvarianten: Space Gray, Silber und Gold
  • Lieferumfang: iPhone 6 Plus, Lightning-Kabel, Netzteil, Earpods, Schnellanleitungen, SIM-Tool

Hardware und Design

Apple fokussierte sich beim Design auf die Benutzerbarkeit in der Hand

Das iPhone 6 Plus fühlt sich in der Hand einmal mehr sehr hochwertig an – Apple verbaute bei der neuen Generation so viel Aluminium, wie noch nie zuvor, sodass fast der ganze Body aus Metall besteht. Auch nach mehreren Wochen beeindruckt mich die Bauweise noch immer, denn die Ränder des Displays gehen so geschmeidig in den Body über, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe. Sicherlich haben bereits einige Hersteller derlei Bauweisen bei ihren Geräten verwendet, allerdings fühlte sich das bisher nie so nahtlos an, wie hier.

Apple achtete einmal mehr auf die kleinen Details: Die Buttons haben einen extrem guten Druckpunkt und geben bei Betätigung ein deutliches Geräusch ab. Bei so manch anderen Geräten sind die Buttons wackelig angebracht und fühlen sich bisweilen sehr matschig an, das ist hier definitiv nicht der Fall. Generell wirkt die Bauweise sehr überzeugend, sodass ich hier keinerlei Kritikpunkte habe.

Zwei Aspekte, die vielen Nutzern allerdings sauer aufstoßen, sind die Kunststoffstreifen sowie das herausragende Kameramodul auf der Rückseite. Ersteres dürfte bei der silbernen und goldenden Variante definitiv störend auffallen, jedoch hält sich das bei Ausführung in Space Gray meiner Meinung nach in Grenzen, sodass ich es bei meinem Exemplar nicht allzu schlimm und verschmerzbar finde. Auch das herausragende Kameramodul stört mich nicht. Ich nutzte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Geräten, deren Module herausragten, wodurch diese auf dem Tisch leicht wippen können und schon bei diesen Geräten störte es mich nie.

In Sachen Design hat Apple mit dieser Generation sicher keine Maßstäbe gesetzt, wie es z.B. beim iPhone 4 der Fall war. Stattdessen fokussierte man sich bei Apple darauf, Geräte zu bauen, die in den jeweiligen Größen möglichst gut benutzbar sind. Deswegen verzichtete man beispielsweise auch das eckige Design und die dünnen Bodies waren ebenso eine Folge dieser Überlegungen. Als Nutzer, der inzwischen einiges an Erfahrung mit Geräten im Bereich der 5,5” und größer gesammelt hat, muss ich tatsächlich sagen, dass sich das iPhone 6 Plus – obwohl es größer ist, als viele andere Geräte mit 5,5”-Bildschirmen – verhältnismäßig einfach bedienen lässt, da es exzellent in der Hand liegt. Noch besser ist hier ausschließlich das LG G3.

Auch das OnePlus One lässt sich meiner Meinung nach nicht so gekonnt bedienen, wie das große iPhone, wenngleich mir auch das One keine Probleme machte. Das hat mich deutlich überrascht – ich hatte mir hier erwartet, dass die Bedienung des Gerätes deutlich komplizierter und aufwendiger sei, was aber eben nicht der Fall ist. Übrigens: Mein iPhone 6 Plus hat sich in der Hosentasche auch nach mehreren aufreibenden Konzerten noch nicht verbogen.

Display

Über das Display könnte ich tagelang schwärmen

Der Bildschirm fällt sofort auf, denn die Qualität ist ausgesprochen gut. Das Glas fühlt sich gut an, Inhalte werden knackig scharf angezeigt und die Farbgebung ist sehr natürlich kalibriert worden. Apple macht hier nichts falsch, allerdings kann sich das iPhone 6 Plus in diesen Aspekten auch nicht herausragend differenzieren und ist daher in diesen Punkten nicht essentiell besser, als andere Flaggschiffe.

Was das iPhone 6 Plus aber von der Konkurrenz unterscheidet, ist ein anderer Faktor, denn das Display ist optisch laminiert und erweckt das Gefühl, als wäre es direkt auf dem Glas angebracht worden. Es zeigt sich keine “Distanz” zwischen dem bedienenden Finger und der Displayfolie. Ein Display, welches so “nah” wirkt, habe ich bisher so noch nie gesehen und der Gesamteindruck, der dadurch erweckt wird, ist herrlich lebhaft. Das ist einer der Faktoren am neuen iPhone, über den ich tagelang schwärmen könnte, ohne, dass mir dabei langweilig wird.

Software

Mit iOS 8 ändert sich an der Oberfläche nur wenig, dafür hat Apple viel im Hintergrund gewerkelt und eine Vielzahl neuer Features eingebaut, die sich auf dem Blatt hervorragend lesen. Beispielsweise wären da Widgets, alternative Tastaturen, ein zentrales und erweiterbares Share-Menü, Continuity sowie Handoff zur weiteren Verzahnung zwischen iOS-Devices und OS-X-Geräten und mit Health gibt es nun eine zentrale Anlaufstelle für erhobene Fitness-Daten, in die Wearable-Hersteller ihre Daten hineinsynchronisieren können.

Des Weiteren wurden viele, bereits bestehende, Systemteile grundlegend verbessert. Die iOS-Tastatur bietet jetzt mittels QuickType automatische Korrekturen und Wortvorhersagen, iCloud wurde zu iCloud Drive und somit zu einem direkten Dropbox-Konkurrenten ausgebaut, Messages und Siri haben ebenfalls neue Funktionen bekommen und die Spotlight-Suche zeigt jetzt Suchergebnisse aus praktisch allen Orten (sowohl lokals, als auch webbasiert), wodurch sie jetzt endlich die universelle Suchfunktion ist, die sie so lange schon hätte sein müssen.

Wie gesagt: Das hört sich auf Papier alles wunderbar an, in der Praxis fehlt es aber oft an der finalen Politur. Die meisten der neuen Features werden aktuell von Bugs geplagt, sodass Tastaturen des Öfteren mal nicht auftauchen oder abstürzen, die Anordnung im Share-Menü oft auf den Standard zurückfällt, das Teilen von Inhalten über jenes Menü nicht immer funktioniert und und und. iOS 8 befindet sich diesbezüglich auf fast einem Stand mit iOS 7, insofern wird es wohl bis zur Veröffentlichung von iOS 8.1 dauern, bis mit der Ausmerzung der verschiedenen Fehler zu rechnen ist.

Nichtsdestotrotz ist iOS 8 ein deutliches Zeichen seitens Apple, denn man öffnete Teile des Systems für Drittentwickler, was wiederum ein dringend nötiger Schritt war. Nicht umsonst halfen sich viele Entwickler damit, Sharing-Optionen direkt in ihre Apps einzubauen. Idealerweise wird das in Zukunft nicht mehr nötig sein, allerdings dürfte es noch etwas dauern, bis wir an diesem Punkt ankommen werden. Der Grund dafür ist ein recht verwunderlicher, denn iOS 8 ist die erste Systemversion, auf die Entwickler verhältnismäßig langsam reagieren. In der Vergangenheit ist iOS auch dafür bekannt geworden, dass Entwickler ihre Applikationen umgehend an die jeweils neuen Gegebenheiten anpassten. Dass sieht man zwar auch dieses Jahr wieder, allerdings ist das Tempo, in dem die Entwicklergemeinschaft ihre Apps aktualisieren und anpassen ein sehr viel gemächlicheres, als in vergangenen Zeiten.

In der Praxis fehlt es oft an der finalen Politur

Das wiederum mag beim iPhone 6 eine fast schon untergeordnete Rolle spielen, fällt aber vor allem bei der Plus-Ausführung negativ auf, denn die typische Skalierung nicht angepasster Apps sieht hier schlicht unschön aus. Der größere Bildschirm wird dann oft nicht richtig zur Darstellung weiterer Inhalte ausgenutzt und die Skalierung selbst sieht etwas unscharf aus, was man vor allem an der Statusleiste merkt, denn selbst die wird mitskaliert.

Speziell für das iPhone 6 Plus hat Apple einige weitere Software-Features eingeführt. Beispielsweise lässt sich der Homescreen nun im Landscape-Modus nutzen und auch die Tastatur sowie verschiedene Apple-Apps haben ein Landscape-Layout bekommen. Die Tastatur zeigt dann z.B. viele weitere Buttons zur Formatierung und Navigation im Textfeld an, wirkt dadurch aber auch unnötigerweise überladen. Verschiedene Apps, wie z.B. Mail und Messages zeigen sich im Landscape-Modus in einer zweispaltigen Ansicht.

Am Kontroversesten dürfte aber definitiv Reachability sein: Per Double-Tap auf dem Home-Button wird der Bildschirminhalt auf die untere Bildschirmhälfte heruntergeholt, sodass sich die oben angeordneten Bedienelemente besser treffen lassen. Das funktioniert im Endeffekt relativ gut (dann und wann mal erkennt iOS einen Double-Tap nicht korrekt), fühlt sich aber genau so sehr auch einfach nur nach einer großen Faulheit seitens Apple an. Es ist ein einfacher Ausweg, aber längst kein eleganter. Samsung mag im Software-Bereich in der Vergangenheit viele Fehler gemacht haben, jedoch kann man beim Galaxy Note 4 aktuell sehen, wie gekonnt einige Ideen zur besseren Einhandbedienung umgesetzt wurden. Das fehlt beim iPhone 6 Plus abseits von Reachability völlig. Ich persönlich komme damit klar und benötigte Reachability bisher überhaupt nicht, da ich größere Bildschirme ohne entsprechende Software-Hilfen gewohnt bin, jedoch dürfte es für einige Nutzer, die noch das kleine iPhone-4-Display gewohnt sind, eine weitere Zugänglichkeitshürde darstellen.

Akkulaufzeit und Performance

Eine bekannte Schwäche des iPhones ist praktisch seit jeher die durchwachsene Akkulaufzeit. Das iPhone 6 Plus jedoch ist das erste Apple-Smartphone, das auch in diesem Bereich punkten kann, was angesichts des 2.915 mAh großen Akkus wenig überraschend ist. In meinem Akkutest schaffte es das 6 Plus auf knapp über 11,5 Stunden Benutzung (hierbei wird übrigens auch die Hintergrundaktivität der Apps addiert – siehe z.B. Dropbox und Facebook). Insgesamt schaffte es das Gerät dabei auf 38 Stunden mit einer Akkuladung.

Das wiederum ist ein hervorragender Wert und bedeutet im Umkehrschluss zwei Dinge: Was auch immer man mit dem iPhone anstellt, es hält definitiv einen und ausnahmslos einen kompletten Tag durch. Darüber hinaus sorgt die hohe Akkulaufzeit, die noch besser, als beim ohnehin schon hervorragenden OnePlus One ist, dass man sehr viel entspannter in den Tag geht und man sich (etwas übertrieben ausgedrückt) nicht ständig nach einer Spannungsquelle umschauen muss, was – hier wird mir garantiert jeder zustimmen – sehr befreiend wirken kann. Zumindest bei mir ist genau das der Fall.

In Bezug auf die Performance lässt sich nichts negatives sagen, denn das iPhone rennt und rennt und rennt. Jede Animation läuft flüssig ab (sogar die beim Aufruf der Spotlight-Suche), ich fühlte mich bei der Benutzung nie durch die Geschwindigkeit ausgebremst. Ja, in der neuen iPhone-Generation arbeiten “lediglich” ein Dual-Core-Prozessor und ein GB RAM – das aber ist völlig unwichtig, wenn Soft- und Hardware optimal aufeinander abgestimmt sind und das war bei Apple schon immer der Fall. Wer sich über die angeblich fehlende Fortschrittlichkeit der Innereien beschwert, hat noch nie Geräte, wie ein iPhone oder das Moto X der ersten Generation benutzt. Im Endeffekt ist die technische Ausstattung völlig egal, so lange das Gerät performant und flüssig funktioniert – sofern man nicht gerade mit eben jener angeben will.

Kamera


Apple ist seit jeher dafür bekannt, sehr potente Smartphone-Kameras zu verbauen und das ist hier so sehr der Fall, wie bei bisher keinem anderen iPhone. Weiterhin lösen die Fotos der iSight-Kamera mit acht Megapixeln auf, dazu kommen digitale, wie auch optische Bildstabilisierung. Letzteres hilft in der Theorie nicht nur bei Videoaufnahmen, sondern auch beim Schießen von Fotos im Lowlight-Bereich. In diesem Bereich hat mich das iPhone 6 Plus so sehr beeindruckt, wie es zuvor nie der Fall war: Fotos in der Nacht sind durch die Bank weg frei von Rauschen, die Szenerien werden scharf und sehr detailliert eingefangen. Auch nach mehreren Wochen Benutzung komme ich nicht drumherum, jedes Mal beeindruckt zu sein und das ist definitiv keine Übertreibung meinerseits.

Auch bei Tageslicht bin ich schwer beeindruckt. Das Farbbild ist sehr natürlich und akkurat, die Details sowie die Schärfe sind herausragend gut. Dazu werden Objekte gefühlt genau so schnell fokussiert, wie beim LG G3 und die Möglichkeit, die Helligkeit der Wischgeste zu verändern, ist ein recht nettes Detail, wenngleich es von mir in der Praxis komplett ignoriert wurde – ich benötigte es schlichtweg nicht.


Fotos und Videos sind großartig, das User-Interface aber nicht

Ebenfalls eindrucksvoll ist die Möglichkeit, Slowmotion-Videos mit 240 Bildern pro Sekunde bei 720p-Auflösung aufzunehmen. Das sieht im Endeffekt äußerst smooth und eindrucksvoll aus. Die digitale und optische Bildstabilisierung hilft hier auch dabei, das Bild angenehm ruhig zu gestalten, sodass der Slowmotion-Effekt noch stärker zur Geltung kommt. Ein solches Feature fehlt bisher bei jedem Konkurrenzgerät und ist geradezu eine Demonstration der schieren Kraft, die in Kamera und Prozessor steckt.

An der Kamera und den Fotos habe ich also nichts auszusetzen, wohl aber beim User-Interface, denn das ist furchtbar beschränkt. Hier hat man im Standard-Modus lediglich die Möglichkeit, HDR, Blitz, Zoom und Aufnahmeverzögerungen festzulegen bzw. zu nutzen. Während ich persönlich Regler für Kontrast, manuellen Fokus und dergleichen nicht benötige und das bei 95 Prozent der Nutzer ebenfalls der Fall sein dürfte, geht es mir unheimlich auf die Nerven, dass ich nicht die Möglichkeit habe, Fotos im 16:9-Format aufzunehmen. Hierfür sind Drittanbieter-Apps nötig und das ist ein Feature, dessen Fehlen ich mir nicht sinnvoll erklären kann. Ebenfalls etwas nervig ist die Positionierung der Kamera, die man gerne mal mit dem Finger überdeckt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sonstiges

Der Mono-Lautsprecher ist so gut, wie ein Mono-Lautsprecher eben sein kann. Auch in höheren Lautstärkeregionen zerreißen die Höhen nicht und die allgemeine Qualität ist mehr als annehmbar. Im Vergleich zu den BoomSound Stereo-Lautsprechern von HTC kann sich das iPhone sicherlich nicht behaupten, das Hauptproblem ist aber ein anderes – nämlich schlichtweg die Positionierung, denn will man im Landscape-Modus beispielsweise ein YouTube-Video schauen, überdeckt man mit den Fingern oft den Lautsprecher.

Als wirklich nervig empfinde ich aber die Umsetzung des Tethering-Features via WiFi unter iOS 8. Ich bin jeden Tag auf dieses Feature angewiesen und keines der drei großen mobilen Betriebssysteme macht hier auf Dauer einen wirklich guten zum zuverlässigen Job, allerdings fällt iOS hier besonders negativ auf, da ich hier verhältnismäßig oft mit Verbindungsproblemen an meinen beiden Laptops zu kämpfen hatte. Ein weiteres, beliebig reproduzierbares Problem ist übrigens folgendes: Aktiviere ich Tethering kurz, bevor ich z.B. in den Bus steige, um dort direkt loszuarbeiten, wird der Hotspot am Laptop nicht mehr erkannt. Das wiederum funktioniert ausschließlich dann, wenn ich die Verbindung direkt nach Tethering-Aktivierung durchführe. iOS scheint hier mit einem viel zu straffen Timeout-Wert zu arbeiten (oder es handelt sich schlichtweg um einen Bug), was im Alltag wertvolle Zeit kostet, die mir letztlich zum mobilen Arbeiten fehlt.

Touch ID funktioniert auch am iPhone 6 Plus an und für sich sehr gut – so lange sich keine Fettflecken auf dem Home-Button befinden, denn dann kann der Fingerabdrucksensor den Fingerabdruck nicht mehr einwandfrei erkennen. Das ist natürlich nicht unlogisch, führt aber in der Alltagsnutzung oftmals dazu, dass das Entsperren des iPhones lange dauert, was vor allem dann nervt, wenn man zwischendurch fix etwas am Smartphone machen will.

Fazit

Apple macht bei diesem Gerät wenig falsch

Das iPhone 6 Plus ist insgesamt genau das Smartphone geworden, dass ich mir erwartet habe: Exzellent verarbeitet mit hoher Wertigkeit, dazu ein umfangreiches App-Ökosystem, ausgezeichnete Performance und Akkulaufzeiten sowie die mit Abstand beste Kamera im Bereich der aktuellen Flaggschiffe und ein insgesamt deutlich potenteres Betriebssystem. Apple macht bei diesem Gerät wenig falsch, schließlich setzt man ein ganzes Stück weit auf altbekannte Stärken und spielt das sichere Spiel. Wirklich etwas getraut hat sich Apple lediglich bei zwei Aspekten: Der schieren Größe des Displays und dadurch der des Bodies sowie bei iOS. Ersteres wird in gewisser Weise aber auch durch letzteres zurückgehalten, da wirklich bedeutende Optimierungen oder Features für diese Displaygröße fehlen.

Mit iOS 8 sendet Apple aber auch ein deutliches Zeichen, denn nie zuvor war man im mobilen Software-Bereich so offen, wie jetzt. Alternative Tastaturen sowie ein zentrales Share-Menü anzubieten sind zwei Features, die ein mobiles Betriebssystem heutzutage einfach vorweisen muss. Dennoch gibt es noch viele weitere Bereiche, in denen Apple ebenso offen hätte sein können – beispielsweise, wenn es um die Festlegung von Default-Apps für Browser und E-Mail bzw. generell Standard-Apps geht. Hier hoffe und denke ich, dass Apple mit iOS 9 weitere Pforten öffnen wird, insofern ist iOS 8 erst der Startschuss.

Trotzdem bietet das iPhone 6 Plus ein sehr stimmiges Gesamtpaket, bei dem, wie gesagt, sehr viel stimmt. Die Hauptkritikpunkte sind bei den Bugs in iOS 8 zu finden und diese werden nach und nach ausgemerzt. Bereits jetzt überwiegen die positiven Aspekte aber schon die negativen Details, sodass ich als Liebhaber großer mehr als zufrieden bin.

Würde man mich danach fragen, ob ich das iPhone 6 oder das iPhone 6 Plus empfehlen würde, würde ich definitiv letzteres favorisieren – alleine die Akkulaufzeit rechtfertigt für mich die ersten Tage, an denen man sich an die Größe des Gerätes gewöhnen muss. Sicher ist die neue iPhone-Generation im Vergleich mit älteren iPhones nicht die Hübscheste, allerdings ist es die insgesamt bisher Stimmigste.

Über die letzten beiden Jahre hinweg sagte ich stets, dass ein iPhone für mich erst dann in Frage kommt, wenn es größer als vier Zoll ist und das Betriebssystem potenter wird. Beides ist jetzt der Fall, sodass das iPhone 6 Plus für mich eine einwandfreie Empfehlung wert ist.

  • Wolfgang D.

    Danke für den Test. Für mich ist es auch das erste Iphone, gerade wegen der Größe.

    Die Hardware ist das beste, was ich je erlebt habe. Laut, klar verständlicher Hörer, Bluetooth mit richtig Power für mein Headset, heller Bildschirm im Sonnenlicht, mit matter Folie immer noch schärfer als alle anderen ohne Folie, eine deutlich bessere Akkulaufzeit als bei Oneplus, Nokia 1520 oder Note 3. Ich liebe die Entsperrfunktion per Finger.

    Wenn IOS nicht wäre. Ich vermisse einfach drei Homescreens mit je einem Widget. Dieser Benachrichtigungsbildschirm ist kein annähernder Ersatz für einfache Zugriffe. Einstellungen sind unübersichtlich organisiert. Positiv ist, wie Zugriffe auf Kontakte und andere persönliche Daten geregelt sind. Nämlich wie es sich gehört, erst auf Nachfrage.

    Jetzt schwanke ich immer, soll man für einfachere Bedienbarkeit auf die tolle Hardware verzichten, oder sich mit den Einschränkungen und Macken abfinden?

    Das Nexus 6 hat keinen Fingersensor, das Mate 7 wird Android 5 eher nicht bekommen, ähnliches mit Folge-Updates beim Note 4. Und wie gut dort die Sensoren funktionieren, steht in den Sternen. Nach fünf oder sechs Androiden hat es erst der Kompass vom 6 Plus geschafft, hier die Himmelsrichtungen korrekt zu zeigen.

  • http://www.mobiflip.de/ René

    Sehr schöner Test, danke.