LG G3 Testbericht

Mit dem G2 brachte im letzten Jahr ein insgesamt tolles Smartphone mit nur wenigen Macken auf den Markt und nachdem man 2013 positiv überraschen konnte, stand man nun natürlich unter Zugzwang, denn mit dem G3 will und muss natürlich noch einen drauflegen.

Unboxing-Video


Ausstattung

  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 801 Quad-Core 2,5 GHz
  • Display: 5,5” True HD-IPS+ LCD, 1.440 x 2.560 Pixel (534 ppi)
  • Speicher: 16 bzw. 32 GB intern / 2 bzw. 3 GB RAM / microSD bis zu 128 GB
  • Kamera: 13 Megapixel OIS Dual-LED-Flash mit Phas-Detection / 2,1 Megapixel Frontkamera
  • Akku: 3.000 mAh Li-Ion, austauschbar
  • Maße und Gewicht: 146,3 x 74,6 x 8,9 mm, 149 Gramm
  • Betriebssystem: Android 4.4.2 KitKat mit Optimus UI
  • Lieferumfang: , Akku, In-Ear-Kopfhörer, Kurzanleitung, Netzteil, Micro-USB-Kabel

Hardware und Design

Im Bereich der größeren mit Display rund um die 5,5” ist LG ein meisterliches Design geglückt. Das Gerät fühlt sich so kompakt an, dass das große Display kein Problem in der täglichen Nutzung mehr darstellt. Das liegt vor allem an den extrem kleinen Randmaßen, die Front besteht daher fast nur aus dem Display. Das alleine ist bereits extrem eindrucksvoll und während andere Hersteller Geräte mit größeren Randmaßen damit begründen, dass man die Hardware sonst nicht ins Gerät bekommen hätte, zeigt LG einfach mal, wie es richtig geht.

Insgesamt fühlt sich das LG G3 auch deutlich wertiger an, als das letztjährige G2. Hauptverantwortlich dafür ist die neue Rückseite, die nicht mehr im glänzenden Kunststoff daherkommt, sondern stattdessen eine dezent strukturierte Oberfläche aufweist, die optisch an gebürstetes Aluminium erinnert. Während das G3 somit nicht zu den hochwertigsten Smartphones gehört, ist es definitiv mehr als aushaltbar und generell vollkommen in Ordnung.

Stark verbessert wurden auch die Buttons auf der Rückseite. Diese sehen zum einen optisch besser aus und sind auch größer ausgefallen, sodass man blind leichter trifft. Des Weiteren steht der Power-Button nicht mehr heraus, sondern ist stattdessen leicht im Gerät eingelassen. Die Buttons haben einen klaren Druckpunkt und texturierte Oberflächen, wodurch sich die Bedienung sehr angenehm anfühlt.

Display

Das G3 gehört zur ersten Generation Smartphones, die über die 1080p-Auflösung hinaus gehen und ganze 1.440 x 2.560 Pixel auf ein 5,5” großes IPS-Display bringen. Dementsprechend ist das Bild auch extrem scharf – vergleicht man das Display des G3 direkt mit einem 1080p-Bildschirm, fallen Unterschiede aber nur minimal auf. Im Alltag macht sich der Unterschied aber nicht wirklich bemerkbar und insgesamt muss man einfach ehrlich sein, denn einen praktischen Vorteil bringt die Auflösung (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) eben nicht. Es ist viel mehr das typische Flaggschiff-Wettrüsten, was hier betrieben und ein Mal mehr auf die Spitze getrieben wird.

Nichtsdestotrotz konnte ich mich während meiner Zeit mit dem G3 nicht von dem Gedanken lösen, dass ein 1080p-Display auch locker ausgereicht und der Akkulaufzeit sicherlich positiv gestanden hätte, denn die Auflösung drückt bisweilen doch schon ein wenig auf die Laufzeit – mehr dazu im Akku-Abschnitt.

Interessanter sind beim Display dann doch schon andere Aspekte: Der Bildschirm des G3 glänzt mit tollen Blickwinkeln und gut abgestimmten Farben. Einige bemängeln die Farbkalibrierung, da sie zu “kühl” sei – mir persönlich ist die Kalibrierung allerdings nicht negativ aufgefallen. Auf mich wirkt das alles sehr akkurat und gefällig, sodass ich das Gesamtbild als sehr angenehm empfand.

Software

Größtenteils wurden nette Funktionen eingebaut, aber…

Natürlich hat es sich LG nicht nehmen lassen und auch das G3 mit dem eigenen UI ausgestattet, das über Android 4.4 läuft. Optisch sieht das Ganze inzwischen sehr annehmbar und streckenweise sogar richtig hübsch aus, funktionell stehen vor allem Knock-Code und Dual-Window. Ersteres ermöglicht das Entsperren des Smartphones, indem man ein zuvor festgelegtes Muster auf das Display “klopft”, funktionierte bei mir in der Praxis aber nicht zuverlässig genug. Man muss sich hier schon durchaus ein bisschen Zeit nehmen und das Muster “mal eben schnell” ausführen, denn dann wird es nicht korrekt erkannt. Will ich also schnell auf etwas im Smartphone zugreifen, ist Knock-Code definitiv nicht die beste Anlaufstelle.

Dual-Window ermöglicht das gleichzeitige Betrachten zweier Apps, die in Fenster untereinander angezeigt werden und so echtes Multitasking ermöglichen, wobei man die Größe der Fenster anpassen kann. Das funktioniert bisweilen leider nur mit einigen Applikationen, ist auf einem Display dieser Größe aber nichtsdestotrotz ein interessantes Feature – jedoch habe ich persönlich es nie genutzt, ebenso wie QSlide-Apps und Co.

Das ist ein ganzes Stück weit meine persönliche Geschichte mit LGs eigenem UI: Größtenteils wurden nette Funktionen eingebaut, die aber entweder nicht gut genug funktionieren oder zunächst nett wirken und dann im Alltag doch ignoriert werden. Es ist nichts mit dabei, das meinen Alltag in einer bemerkenswerten Art und Weise bereichert hat – eher das Gegenteil ist der Fall.

Jenes Gegenteil nennt sich “Homescreen” und macht mich bis heute extrem sauer. Der Grund dafür ist der extrem ausgeprägte Ressourcen-Hunger (mehr dazu weiter unten). Ich für meinen Teil habe frustriert Action Launcher installiert, wodurch sich die Nutzererfahrung für mich direkt stark verbesserte. LG aber sollte eigentlich daran interessiert sein, dass das nicht nötig sei. Nettes Zusatzdetail: Nutzt man einen alternativen Launcher, fällt LGs Health-App flach, denn diese ist nur über die Zusatzzeite des Default-Launchers zugänglich – zumindest fand ich überraschenderweise kein entsprechendes Icon im App-Drawer.

Kamera

Mit keiner Smartphone-Kamera hatte ich bisher so viel Spaß, wie mit der vom G3

Die Kamera ist wohl die mit Abstand größte Stärke des LG G3, denn die Fotos, die das Gerät produziert, sind einfach nur beispielhaft. Die Koreaner verbauten beim diesjährigen Flaggschiff einen Phase-Detection-Laser neben der Kamera, der beim Fokussieren helfen soll und dass dieser Laser seine Arbeit verrichtet, merkt man sehr schnell: Motive sind unheimlich schnell fixiert, Fotos dadurch sehr fix und unkompliziert geschossen.

Die Bildqualität dann am Ende des Tages beeindruckend gut, wie ich finde. Die Fotos fallen sehr scharf aus, die Farben werden akkurat abgelichtet und Details sind ausgezeichnet zu sehen. Auch im Low-Light-Bereich muss sich das G3 überhaupt nicht verstecken: Rauschbildung ist meist mehr als überschaubar, die Motive werden über den Dual-LED-Blitz gut ausgeleuchtet.

Ich für meinen Teil muss definitiv sagen, dass ich bisher mit keiner Smartphone-Kamera so viel Spaß hatte, wie mit der vom G3. Im Alltag bin ich eigentlich nicht der Typ, der alle möglichen Szenen fotografiert – beim G3 habe ich das aber gerne gemacht, sodass ich mit dem LG-Smartphone über meinen Testzeitraum so viele Fotos geschossen habe, wie mit keinem anderen Gerät. LG zeigt der Konkurrenz um Nokia und Co. also, wie man Smartphone-Fotografie im Consumer-Bereich richtig macht mit einer tollen und schnellen Software und ebenso tollen Fotos.

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Akkulaufzeit und Performance

Über die ersten Wochen meiner Testzeit war ich von der Akkulaufzeit dezent enttäuscht. Durchschnittlich hielt der Akku bei meiner normalen Nutzung lediglich etwas länger als einen Tag. Nach mehreren Software-Updates konnte LG die Laufzeit aber wieder erhöhen, sodass ich ca. anderthalb Tage geschafft habe. Bedenkt man das QHD-Display und die nicht gewachsene Akkukapazität im Vergleich zum Vorgänger, ist das dann wieder in Ordnung.

Ein viel größeres Problem ist beim G3 aber die Performance. Der Default-Launcher läuft dermaßen schlecht, dass es ständig zu Minirucklern und des Öfteren auch zu größeren Ruckeleinlagen kommt. Bedenkt man die Power, die in dem Smartphone steckt, ist es schon beinahe frech, dass es die Software-Entwickler nicht schaffen, ihre Entwicklungen auch halbwegs gut zu optimieren.

Der Launcher ist darüber hinaus nicht nur für Ruckler auf dem Homescreen verantwortlich, sondern zieht die Peformance systemweit merklich herunter. Nachdem ich beispielsweise Action Launcher installierte, verbesserte sich die Performance des gesamten Gerätes teilweise deutlich, sodass ich keine Ruckler mehr hinnehmen durfte. Das allerdings stimmt mich nicht milde, denn ein Flaggschiff mit dieser technischen Ausstattung muss auch out of the box einwandfrei funktionieren können und das war hier schlichtweg nicht der Fall.

Sonstiges

Verbaut ist zwar nur ein Mono-Lautsprecher auf der Rückseite des Gerätes, allerdings kann der Medien sehr laut wiedergeben und bleibt selbst in hohen Lautstärkeregionen konstant gut ohne den Klang zu verzerren. Die Position auf der Rückseite kann für die nächste Generation zwar gerne überdacht werden, allerdings ist das Ganze insgesamt definitiv in Ordnung, hebt sich dadurch aber eben auch nicht von der Konkurrenz ab.

Mit dabei im Lieferumfang sind auch die LG QuadBeat 2 In-Ear-Kopfhörer, die selbstbewusst mit dem Zusatz “Premium Earphone” auf der Verpackung betitelt werden. Während der Begriff “Premium” hier sicherlich nicht hundertprozentig zutreffend ist, sind diese Earbuds doch merklich besser als das, was man üblicherweise bei einem Smartphone als Zubehör bekommt. Ich bin kein Fachmann im Audiobereich, allerdings hört sich der Sound, der hier rauskommt, recht ausgewogen an – ich stellte beispielsweise keine basslastigkeit fest. Trotzdem hätte das Gesamtergebnis durchaus etwas kräftiger und “runder” sein können. Letzten Endes sind es aber eben doch Kopfhörer für rund 30 Euro – Grenzen und Limitationen sind da wenig überraschend.

Fazit

Insgesamt ist das LG G3 ein sehr gutes und vergleichsweise extrem kompaktes Smartphone geworden, dessen Body außerordentlich praktikabel ist. Dazu ist die Qualität der Kamera (sowohl in Sachen Software, als auch bei der Bildqualität) großartig und das Software-Design wirkt endlich ebenfalls gefällig. Das alles wird aber von der wirklich unbefriedigenden Performance der Oberfläche und Software-Funktionen, die deutlich besser hätten ausfallen können, unnötig heruntergezogen.

Für den Endnutzer ist das ein eher kleineres Problem, denn der kann einfach einen alternativen Launcher benutzen und sich dann an den vielen Vorteilen des G3 erfreuen. Mich persönlich frustriert es allerdings so sehr, dass ich damit hadere, es weiterzuempfehlen, denn speziell dieses Problem darf gerade bei einem Flaggschiff aus Prinzip einfach nicht mehr existieren.

Letztlich würde ich es so ausdrücken: Wer sowieso davon ausgeht, einen anderen Launcher zu nutzen, wird mit dem G3 viel Spaß haben. Völlig unbedarfte Nutzer, die ihr Gerät ohne große Anpassungen nutzen, werden bei der Konkurrenz insgesamt aber wohl besser aufgehoben sein, denn knappe 500 Euro sind schon ein recht stolzer Preis und dafür erwartet man definitiv einiges, sodass man hier enttäuscht werden könnte. Positiv abheben kann sich das G3 lediglich durch die kompakte Bauweise und die hervorragende Kamera – ob das im Highend-Bereich des Jahres 2014 aber ausreichend ist, wage ich zu bezweifeln.