Mein letzter Beitrag als Tech-Blogger

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, ist es auf diesem Blog zunehmend sehr ruhig geworden. Nun möchte ich euch endlich mal darüber informieren, weshalb das der Grund ist und auch für mich persönlich möchte ich einen klaren Strich ziehen. Ich zögere es schon seit längerem hinaus, weil ich nicht wirklich weiß, wie ich dies bestmöglich und passend in Worte fassen soll, deswegen halte ich es nun ganz einfach: Das ist mein letzter Beitrag als Tech-Blogger.

Warum?

Seit mittlerweile fünfeinhalb Jahren bin ich nun im Techblogging-Bereich unterwegs. Dieses Blog war mein erstes Projekt in diesem Bereich und ist im Grunde aus reiner Blauäugigkeit heraus entstanden. Seitdem blogge ich hier fast täglich, in den besten Zeiten wurden hier pro Tag sieben bis acht Beiträge veröffentlicht. Für eine Sache, die man neben dem Beruf ausübt, ist das eine wirklich ordentliche Zahl. Wenn ich dann noch den ein oder anderen Beitrag hinzuzähle, der innerhalb der Tech-Blase „viral” ging – es ist schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich mit Herz und Leidenschaft an diesem Blog hing.

Darüber hinaus hat mir AppSpezis.de eine Menge Türen geöffnet. Ich hätte niemals die Chance bekommen bei mobiFlip.de zu schreiben, wo ich das Blog zwei Jahre lang an den Wochenenden fast im Alleingang beschrieben habe. Auch dort habe ich einiges erreicht, auf das ich stolz bin und das Team ist das wohl beste, das ich mir im Tech-Bereich vorstellen könnte. Ähnlich verhält es sich auch beim sparmag: Ohne AppSpezis wäre das nicht möglich gewesen für mich.

Aber…

Bei vielen Menschen kommt jedoch irgendwann der Punkt, an dem sich Interessen verschieben. Oft ist es gar kein Punkt, den man genau terminieren kann, eher ist es ein schleichender Prozess. Bei mir äußerte sich dieser insofern, als dass ich über die Jahre hinweg den Spaß am Tech-Blogging verloren habe.

Tech-Blogging im Allgemeinen wurde in den letzten Jahren immer gleichgeschalteter. Weniger sei damit gemeint, dass „alle das Gleiche schreiben”, was so definitiv nicht stimmt. Viel eher meine ich die Gleichschaltung beim Schreiben der Texte: Ob nun Testberichte, einfache News oder How-to-Beiträge: Als Blogger entwickelt man irgendwann seine eigenen Standardprozedere, seine eigenen Standardphrasen. So fühlt sich dann jedes Thema irgendwie gleich an. Die Abwechslung, das gewisse Ungewisse, das Dynamische – alles geht verloren und das beobachte ich seit langem nicht nur an mir selbst, sondern an ganz vielen, insbesondere in der deutschen Tech-Szene.

Für mich wiederum ging das mit dem Verlust der schreibenden Kreativität einher. Praxisbeispiel gefällig? Schaut euch meine Beiträge der letzten Monate hier im Blog an: Standardphrasen in App-Vorstellungen, standardisierte Unterteilungen der Testberichte in festgelegte Sektionen; Kreativität gleich null. Ich wollte zunehmend etwas anderes, um mich als Autor schlichtweg weiterzuentwickeln; um aus dem sicheren Umfeld der vorgefertigten Inhaltsstrukturen herauszubrechen. Das sparmag kam da zur genau richtigen Zeit, denn dort gab man mir eine Spielwiese, auf der ich mich austoben konnte. Da hatte ich mein zweites Kernproblem aber noch gar nicht so wirklich erfasst: Tech ist für mich langweilig geworden.

Jene Aussage steht konträr zu dem, was ich mal in einer sparmag-Kolumne schrieb und ich stehe auch weiterhin zu dieser Aussage. Das Problem für mich ist aber folgendes: Der Markt ist spannend, wie lange nicht mehr, Consumer-Technik als solches ist es für mich ganz persönlich aber einfach nicht mehr. Ich war zuletzt froh darüber, keine Smartphones mehr zu testen und stattdessen eher im Audio-Bereich zu schreiben. Insbesondere Smartphones zwingen mir mittlerweile nur noch ein unterkühltes Lächeln ab – wenn überhaupt. Über ein Thema zu bloggen, an dem man kein Interesse mehr hat, ist ganz offensichtlich nicht die beste Grundlage für Selbstmotivation und längerfristigen Erfolg. Vor allem ersteres leidet dann ungemein und das war bei mir auch der Fall.

Der Wendepunkt

Der zuvor beschriebene schleichende Prozess kam dann in einer kurzen Zeit, in der ich aus zeittechnischen Problemen nicht mehr jeden Tag Beiträge veröffentlichen konnte. In der Vergangenheit hat es mich unheimlich genervt, wenn ich an einem Tag nicht publizieren konnte, allerdings traf mich das beschriebene Gefühl dieses Mal in keiner Weise. Es war mir schlichtweg egal. Spätestens hier wusste ich, dass ich etwas ändern musste. Nach und nach arbeitete ich mich also selbst auf mit dem Ergebnis, dass ich einen Schlussstrich unters Tech-Blogging ziehen muss.

Des Weiteren war das Musik-Blog noisiv.de nach dem Relaunch im November 2014 wieder in vollem Gang. Dort wiederum hatte ich das, was mir beim Tech-Blogging fehlte: Kreativität beim Schreiben! Jedes Album, das ich rezensiere, erfordert eine andere Herangehensweise. Jedes Konzert, über das ich berichte, will anders und dadurch möglichst passend beschrieben werden. Diese Dynamik in den Texten und im eigenen Kopf, während man jene schreibt – sie war da! Und überhaupt: Schaut euch mal an, welch geile Session-Videos wir raushauen!

Ich wusste somit ziemlich eindeutig, wohin die Reise für mich als Bloger gehen würde: Ich entferne mich vom Techblogging-Bereich und schreibe in Zukunft nur noch über das, was mich schon mein gesamtes Leben über mehr interessierte, als alles andere: Alternative Musik.

Ein Kapitel schließt sich, ein anderes öffnet sich

Am Ende des Tages ist die Sache also eine ganz einfache: Ich schreibe nun nur noch über das, was mich wirklich bewegt, wofür ich ein extremes Maß an Leidenschaft empfinde. Es hat ein Stück weit was von einem Buch, bei dem man nach langer Zeit ein Kapitel abschließt und mit der nächsten Seite direkt ins nächste Kapitel startet. Sofern euch mein nächstes Kapitel auf meiner „Reise” als Blogger ebenfalls interessiert, solltet ihr definitiv mal bei noisiv.de vorbeischauen. Ich bin unheimlich stolz auf das, was wir im Verlaufe der Zeit nach unserem Relaunch auf die Beine gestellt haben!

Andernfalls bedanke ich mich bei jedem von euch Lesern für die Aufmerksamkeit, die ihr mir und meinen Beiträgen in den letzten fünfeinhalb Jahren gewidmet habt! Darüber hinaus: Vielen Dank an die wenigen Tech-Blogger, die für mich nicht nur irgendwelche Blogger sind, die ich nicht leiden kann, sondern mit der Zeit auch Freunde wurden. Danke an alle PR-Kontakte, mit denen man entspannt und auf Augenhöhe zusammenarbeiten konnte. Danke an alle App-Entwickler, mit denen ich über die Jahre hinweg sehr interessante Gespräche führen durfte. Danke euch alle!

  • http://themetro.de/ Chris_themetro

    Ich wünsche dir alles gute auf deinem weiteren Weg ,egalb ob es beim Bloggen ist oder Privat!! Vielen Dank für die tolle Zeit mit CocasBlog.de (an der ich auch kurz Teilhaben durfte) und später Appspezis!

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Danke Dir! :)

  • http://www.mobiflip.de/ Benno

    Wie unendlich gut ich dich verstehe. Auch ich habe erst dieser Tage unter alles Techblogging einen dicken Strich gezogen. Ich bin der Sache irgendwie entwachsen. Tech reizt, aber die Geräte selbst sind alle auf einem Stand wo sie mehr oder minder tun, wofür ich sie brauche und der “Reiz des Neuen” ist weg. Die Gier ist weg. Alles nur noch Fotografia. Dir wünsche ich für einen meiner Lieblingsblogs – noisiv.de -total viel Erfolg und alles gute. Du machst das Locker!

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Ich danke Dir! Ist schon ein „komischer”, dass wir beide nach offensichtlich längerem Nachdenken fast zeitgleich den Schlussstrich gezogen haben. Dir wünsche ich mit Blendstufe und der Fotografie im Allgemeinen auch alles erdenklich Gute und ich hoffe, dass wir noch das ein oder andere Bier miteinander trinken werden!

      • http://www.mobiflip.de/ Benno

        Ich bestehe sogar darauf ^^

  • http://markus-arlt.de Markus Arlt

    Immer schade wenn ein Blog den mal liest “stirbt”, aber ich kann die Entscheidung nachvollziehen. Viel Glück weiterhin.

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Vielen Dank! Wenn Du auf der Suche nach einer guten Alternative für App-Tipps bist, kann ich Dir BlogToGo.de wärmstens ans Herz legen. :)

      • http://markus-arlt.de Markus Arlt

        Danke hab ich mir mal gespeichert.

  • http://www.mobiflip.de/ René

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für deine zukünftigen Projekte. War eine tolle Zeit.

    Zum Glück kann ich deine Sicht der Wende im Techbereich für mich so gut wie nicht nachvollziehen, ich feier jedes noch so kleine neue Gadget weiterhin ab und finde es spannend, wie sich die Interessen von Phones auf Uhren, Autos und Haushalt verschieben und sich der Markt entwickelt. Schwein gehabt, sonst müsste ich mich auch mal neu orientieren.

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Danke Dir und ich kann es nur ebenso zurückgeben! Ich hab die Zeit mit euch sehr genossen, das sagte ich ja schonmal.

      Mich würde ja schon interessieren, in welchem Bereich Du Dich dann orientieren würdest. Katzenblogs? :D

      • http://www.mobiflip.de/ René

        Fertigessen- und Katzen-Blog

        • http://www.mobiflip.de/ Benno

          dosenflip.de? ^^

  • MartySchellman

    Jammerschade. Ich hab hier immer gerne mitgelesen und meine Infos mitgenommen. Aber ich verstehe dich gut und danke dir, dass du uns dies auch weitergibst und nicht einfach “in der Versenkung” verschwindest. :-) Auf alle Fälle kann ich mich nur anschließen und dir weiterhin alles Gute wünschen. Und dass dein Spaß an der kreativen Arbeit dauerhaft bleibt!

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Vielen Dank!

  • http://www.mobilelifeblog.de Dominik

    So ist das im Leben, ich kann das zu 101% verstehen. Auch wenn “derdiedas” Blog nur ein Hobby war/ist, investiert man doch Herzblut in das Projekt und damit kommt dann auch die selbst auferlegte Pflicht einher, sich täglich damit zu beschäftigen bzw. auch Content zu produzieren und veröffentlichen.

    Und warum? Nur damit man nicht in Vergessenheit gerät und Leser verliert, man lässt vieles schleifen und fokussiert sich nicht mehr so auf andere Interessen/Hobbys.

    Das ist die wohl beste Entscheidung, die du getroffen hast, ich wünsche dir nur das Beste und ja, die Sessions von euch sind der HAMMER.

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Danke Dir für die warmen Worte! :)

  • http://blog.schlapa.net Dtrieb

    Auch ich möchte dir erst einmal DANKE sagen, du hast mir bei einigen Problemen geholfen! Danke.

    Natürlich verstehe ich deine Entscheidung auch wenn wieder ein guter Tech-Blog verschwindet.

    Charles – Alles gute auf deinem zukünftigen Weg!

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Vielen Dank für Deine Worte! :)

  • Wolfgang D.

    Ich wünsche Dir im nächsten Tätigkeitsfeld viel Freude, muss aber gestehen, dass ich mich aus dem Musikbereich schon vor Jahrzehnten aus denselben Gründen verabschiedet habe. Es gibt immer irgendwelche nervigen Routinen. Ob als Rosenveredler oder Computerschrauber. Man muss eben den Bereich finden, wo man diese Nervigkeiten am ehesten ertragen kann. Viel Erfolg!

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Vielen Dank! :)

  • TheGaladras

    Schade, dass du als Techblogger aufhörst. Ich kann deine Entscheidung vollkommen nachvollziehen und ziehe auch den Hut vor der Konsequenz, mit der du die jetzt auch durchziehst. Nichtsdestotrotz ist das mit AppSpezis nun wieder ein Blog weniger, der wirklich guten Stoff produziert hat, und genau das nimmt in der deutschen IT-Medienlandschaft ja leider sehr stark ab in den vergangenen Monaten und Jahren. Merke ich gerade mal wieder selber, weil ich genau wegen Bananenpresse und Co. den Nachrichtenbereich bei mir momentan komplett auf links drehe. Es ist deutlich schwieriger geworden, gute News zu finden.

    Aber gut… ich wünsch dir echt alles Gute. Auf das “Machs gut” verzichte ich aber mal. Da sich Noisiv ebenfalls in meinen Bookmarks befindet, gehe ich einfach ne Tür weiter. :)

    In diesem Sinne… :)

  • http://netzexil.de/ Horst Schulte

    Danke und alles Gute für die Zukunft.

  • http://www.mirkoschubert.de Mirko Schubert

    Hi Charles,
    Durch diesen Beitrag hab ich gerade Deinen Blog entdeckt – schade ;)
    Ich bin selbst freier Journalist im Ressort IT & CE und kenne das »Problem« auch ein wenig. Irgendwann stellt sich eine gewisse Routine ein und man ist irgendwie mit allen Phrasen durch. Es gibt ja schließlich auch nur eine begrenzte Anzahl an Synonymen – und wenn man in einem abgegrenzten Gebiet arbeitet, an dem im Grunde immer das Gleiche vorgestellt wird, wird das immer schlimmer. Wobei ich es tatsächlich eher als Routine sehe und gar nicht so sehr als Problem.
    Insofern habe ich auch eher eine gegenteilige Meinung. Was mir immer mehr aufstößt, ist nicht etwa die eigene Schreibe, sondern eher die immer wiederkehrenden Vorstellungen. Klar, es wird ständig irgend ein Smartphone vorgestellt und die Hersteller überbieten sich immer wieder mit den Specs, aber wirkliche Neuerungen oder gar Innovation gibt es momentan kaum noch. Insofern finde ich, dass die Spannung für den Autor und den Leser immer weiter verloren geht. In anderen Bereichen wiederum kommen Hersteller nicht voran, weil es keine eindeutigen Standards gibt, wie etwa bei 4K oder Home Automation. Selbst auf den sonst so kreativen Crowdfunding-Projekten wird es irgendwie immer langweiliger, wenn man mal wieder über den hundersten 3D-Drucker oder den tausendsten Akku-Pack liest.

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