Mein Umstieg zum MacBook Pro Retina 13” und OS X: Ein Fazit nach drei Monaten (Aus dem Nähkästchen)

Vor fast zwei Monaten bin ich nun von Windows auf umgestiegen. der Mac meiner Wahl war das MacBook Pro 13” mit Retina-Display. Nun ist es an der Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen und euch ein wenig davon zu erzählen, wie es ist, nach 15 Jahren umzuzsteigen.

Ich, der Windows-User

Bevor ich zum MacBook Pro griff, nutzte ich hauptsächlich ein ASUS A55VJ mit einem 15,6”-Display. Mobil griff ich zum Acer Aspire Switch 10 und im Job stellte man mir ein Lenovo Thinkpad X240 zur Seite. Vor dem ASUS-Notebook hatte ich mehrere Desktop-PCs, die allesamt mit Windows liefen – Ubuntu probierte ich nur zeitweise entweder per Wubi-Installation oder in einer virtuellen Maschine aus. Ich war also über die Hälfte meines bisherigen Lebens durch und durch Windows-User am Desktop.

Nun muss ich sagen, dass ich Windows in dieser Zeit beinahe nie frustfrei einsetzte – irgendwas war immer schief. Meist waren es Kleinigkeiten, selten ernsthafteres. Nervig war es aber immer, sodass ich nicht wissen will, wie viel Zeit ich in diesen Jahren mit Troubleshooting verbracht habe.

Neben dem OS nervten mich oftmals aber auch die Geräte, auf denen Windows lief. Das ASUS A55VJ, das ich gerade angesprochen habe, war der Gipfel meines Frusts. Während das System am Anfang noch einwandfrei lief, wurde es stetig langsamer, wie in besten Windows-XP-Zeiten. Das System regelmäßig neu aufsetzen bzw. zurücksetzen müssen, nur damit Arbeitsprozesse einwandfrei funktionieren? Im Jahr 2014? Alleine die Vorstellung finde ich abstrakt, um es diplomatisch auszudrücken.

Doch auch bei den Geräten immer das Gleiche: Nie funktionierte wirklich alles. Manchmal setzte das Trackpad aus, das man nur per Reboot wieder zum Leben bekam, beim Acer Aspire Switch 10 gab es Anfangs Probleme mit der Keyboard-Dockingstation und und und. Ich wiederhole es abermals: Irgendwas ist immer.

Das wiederum zieht sich auch bis zu den ganz teuren Vertretern der Ultrabook-Klasse durch. Da mal ein hochauflösendes Display, mit dem viele Anwendungen nicht umgehen und mitskalieren können, da mal ständig abschmierende Connection-Manager. Die Krönung dessen sind die Tastaturen und Trackpads, die ich persönlich bei fast allen Windows-OEMs unbrauchbar finde (mit Lenovo als großartige Ausnahme).

Gesucht: Ein funktionierendes Gesamtpaket

Ich hatte also irgendwann nach dem tausendsten sekundenlangen Warten auf das Erstellen eines Ordners die Schnauze gehörig voll. Ich brauchte einen Tapetenwechsel, um bei meiner täglichen Arbeit nicht endgültig einem Herzkasper zu erliegen. Folgendes wollte ich dabei:

  • Eine hervorragende Tastatur
  • Ein ebenso hervorragendes Trackpad mit vielen Gesten
  • Eine hohe Akkulaufzeit mit ca. acht Stunden
  • Eine schlanke Bauweise, wobei es nicht unbedingt ultradünn sein musste
  • Eine gute Gesamtperformance mit Luft nach oben für aufwändigere Aufgaben
  • Ein stabiles und potentes OS, das mir Möglichkeiten für Workflows gibt

Wenn man das alles zusammenzählt, war eines für mich klar: Ich muss den Wechsel zum MacBook und damit zu OS X endlich durchziehen, den ich bereits zwei Jahre zuvor plante und bis dato doch nicht vollzog. Dazu musste es unbedingt ein Laptop sein, da ich wieder zurück zu “einem Gerät für alles” will. Lange Zeit war das MacBook Air 13” dabei mein Favorit, allerdings bekam ich hierbei kalte Füße ob der Performance-Reserven und des Displays.

Ich lies mich also von einem Arbeitskollegen sowie meinen werten Twitter-Followern zum MacBook Pro 13” mit Retina-Display überzeugen. Die Ausstattung umfasst dabei einen Intel i5 Dual-Core mit 2,6 GHz Takt sowie acht GB RAM und einer mit 128 GB für mich ausreichend dimensionierten SSD.

Ein neues Gefühl, Irritation und CMD+Q

Nachdem ich mein MBPr also endlich in den Händen hielt und zum ersten Mal hochfuhr, schossen mir gefühlt zig Fragen durch den Kopf. Es war nicht mein erster Kontakt mit OS X, ich kenne mehrere Freunde und Bekannte, die auf Macs setzen, aber: “Wie zur Hölle gehe ich das Ganze jetzt an? Wie mache ich was?”. Die drei Kombinationstasten CTRL, ALT und CMD irritierten mich zusätzlich und teilweise kann ich mir die zig verschiedenen Hotkeys noch immer nicht vernünftig merken.

Generell setzt OS X in vielen Bereichen auf Tastaturkombinationen und sich das alles zu merken, benötigt Zeit. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Die Enter-Taste löst im Finder die Umbenennen-Funktion aus, statt die jeweilige Datei auszuführen bzw. zu öffnen. Eines lernte ich aber ganz schnell und auf die schmerzhafte Art und Weise: CMD+Q fügt kein @-Zeichen ein.


Großartige Hardware

Nachdem ich die erste Umgewöhnungszeit hinter mir hatte, kam auch die Hardware des MacBook Pro immer besser zur Geltung: Persönlich empfinde ich Lenovo-Tastaturen zwar weiterhin angenehmer zum Schreiben, allerdings tippe ich am MacBook etwas fixer. Die Tasten sind, mit Außnahme der Enter-Taste sowie der seitlichen Pfeiltasten, ideal bemessen und haben einen knackigen Anschlag. Lenovo lebt ein ganzes Stück weit von der Qualität der eigenen Tastaturen und wenn sich nur gegenüber Lenovo geschlagen geben muss, ist das ziemlich gut, wie ich finde.


Ungeschlagen ist allerdings das Trackpad. Die Finger gleiten sehr geschmeidig über die Oberfläche, allerdings fühlt man einen minimalen Widerstand, sodass man immer die exakte Kontrolle über den Mauszeiger hat. Ebenso toll ist das Display. Ich hatte im letzten Jahr die Gelegenheit, das Samsung ATIV Book 9 Plus zu testen, welches mit 3.200 x 1.800 Pixeln sogar eine höhere Auflösung bietet, als die MacBook Pros mit Retina-Displays – ganz generell und abseits der Pixel gefällt mir das Gezeigte am MacBook aber besser, weil OS X in diesen Pixelregionen schlicht besser und optimierter aussieht, als es bei Windows der Fall ist. Schwarzwerte sind ausgezeichnet, Farben werden lebendig, aber nicht unnatürlich dargestellt, die Blickwinkelstabilität ist dazu ebenfalls ausgezeichnet.

Die Wertigkeit des Gerätes ist ebenfalls ausgezeichnet – schließlich wird hier auf Aluminium-Unibody und das Design ist ebenfalls gelungen, ohne aber Maßstäbe zu setzen – besagtes Samsung ATIV Book 9 Plus gefiel mir optisch doch dann doch besser, allerdings bewegen sich beide Geräte auf einem sehr hohen Niveau.

Insgesamt ist das MacBook Pro 13” mit Retina-Display also ein ausgezeichnetes Stück Hardware. Zusätzlich zu den genannten Aspekten kommt noch die ausgezeichnete Performance sowie Akkulaufzeiten im Bereich zwischen sieben und neun Stunden hinzu – je nach Nutzung des Laptops. Das Gesamtbild ist also rundherum stimmig und ein tolles Showcase für OS X 10.10 Yosemite.


Die Qualität der Apps

Ich zähle mich persönlich zu den Software-Freaks, was durch das Blog wenig überraschen sollte. Insofern war Windows für mich über alle Jahre hinweg in vielen Bereichen unbefriedigend. Consumer-gerichtete Anwendungen glänzen in den allermeisten Fällen bis heute mit schlechtem UI- und Layout-Design, die Einstellungsmöglichkeiten erschlagen einen immer wieder mit tausenden Checkboxen und Auswahlmöglichkeiten – intuitiv ist anders.


Dass es Entwicklern bis heute problemlos erlaubt wird, eigene Fensterstile zu nutzen und man aus verschiedensten Layout-Richtlinien wählen kann, kommt dann noch erschwerend hinzu. Windows-Liebhaber nennen das “Freiheit”, ich nenne es “inkonsistent”. Dazu frage ich mich, wieso es in einigen Software-Bereichen bis heute an einer guten App-Auswahl mangelt – seien es nun z.B. Markdown-Editoren, Feed-Reader, Kalender, zentrale Clients für mehrere soziale Netzwerke oder WordPress-Clients. Auch die inkonsistente oder oftmals schlecht umgesetzte Nutzung von Systemfunktionen – vor allem des zentralen Sharing-Menüs – treiben mich nahezu in den Wahnsinn.

Im Vergleich dazu ist OS X in jedweder Hinsicht das komplette Gegenteil: Die Auswahl an Applikationen ist insgesamt natürlich deutlich geringer, allerdings ist die Qualität der Anwendungen oftmals weit über dem Windows-Standard. Es gibt zig ausgereifte Markdown-Editoren und Notiz-Apps, viele Bildbearbeitungsanwendungen in jeder Coleur für jedes Anwendungsszenario, tolle ToDo-Apps und und und. Multiplattform-Apps sind dazu unter OS X deutlich ausgereifter. Evernote ist hier ein gutes Beispiel: Der Client funktioniert hier wesentlich besser, hat ein besseres Layout, eine einfachere Bedienungsführung und nutzt Systemfunktionen vorbildlich.

Evernote für OS X ist um ein vielfaches besser, als für Windows


Die Art und Weise, wie das Betriebssystem als zentraler Dreh- und Angelpunkt fungiert, um Apps miteinander kommunizieren zu lassen, ist in vielen Bereichen beispielhaft und etwas, das ich mir seit Jahren von Windows wünsche. Dazu kommt die einheitliche Gestaltung der App-Layouts, durch die ich immer weiß, wo ich etwas finde – wenn ich schnell und im Arbeitsstress von a nach b möchte, ist das Gold wert.

Das Zusammenspiel zwischen Hard- und Software

Ebenfalls sehr angenehm empfinde ich, wie Hard- und Software zusammen agieren. Die exzessive Nutzung des Trackpads zur Gestensteuerung ist da das offensichtlichste Beispiel: Mit drei Fingern zur Seite wischen, um zwischen den virtuellen Desktops zu wechseln macht diese auch in schnellen Situationen benutzbar. Vier Finger nach oben gewischt öffnet Mission-Control, eine Datei wird über drei Finger auf dem Trackpad verschoben und so weiter – alles kleine Dinge, die den Alltag einzeln betrachtet dezent angenehmer gestalten, in der Gesamtheit aber für eine starke Aufbesserung der Benutzbarkeit sorgen – sowohl am MacBook, als auch am Desktop via Magic-Trackpad.


Auch solche dedizierten Gesten fehlten unter Windows jahrelang, mit Windows 8 führte Microsoft die Voraussetzung verschiedener Trackpad-Gesten endlich ein, allerdings befindet man sich hier noch am Anfang. Windows 10, welches ich aktuell ebenfalls teste, macht da einen gewaltigen Schritt nach vorne – nach Jahren der kompletten Ignoranz dessen, wozu Trackpads imstande sind.

Der richtige Schritt für mich

Alles in allem bin ich also mehr als zufrieden mit meinem Wechsel zum MacBook Pro und damit zu OS X. Das Betriebssystem ist insgesamt deutlich konsistenter, die Apps weisen allgemein eine ungleich höhere Qualität auf und das Zusammenspiel aller Elemente ist ganz oft wirklich toll.

Sicherlich vermisse ich aber auch einige Dinge aus der Windows-Welt: Spontan fallen mir da z.B. Lenovos Laptop-Tastaturen ein. Die des Thinkpad X240, welches ich im Job einsetze, ist meiner Meinung nach noch eine Klasse besser, als die des MacBooks. Des Weiteren hat mich das Gerät gelehrt, dass ein Fingerabdrucksensor durchaus sehr angenehm sein kann – auch das gibt es in der Mac-Welt bisher nicht. Die Touch-Bedienung meines Acer Aspire Switch 10 hat mir darüber hinaus vor allem mobil immer gut gefallen.

An den aufgezählten Punkten merkt ihr bestimmt: Wenn mir etwas fehlt, dann sind es gewisse Hardware-Features. Im Software-Bereich vermisse ich an und für sich überhaupt nichts aus Windows – tatsächlich bin ich sogar ziemlich froh drum, einen ausgiebigen Teil meines Tages nicht mehr mit dem Microsoft-Betriebssystem verbringen zu müssen.

Sicher: OS X ist in einigen Bereichen sehr gewöhnungsbedürftig und am Anfang nicht ganz so trivial, allerdings legt sich dieses Gefühl mit der Zeit natürlich auch wieder. Im Großen und Ganzen bin ich, bis auf wenige kleine Details, also auch nach drei Monaten wirklich rundum zufrieden mit dem Laptop sowie dem Betriebssytem und das ist das erste Mal, dass ich das von einem PC oder Laptop so sagen kann.

Aus dem Nähkästchen” ist eine Artikelserie, in der ich zur Abwechslung mal Abstand vom Software- und Apps-Alltag nehme, um technische Themen aus persönlicher Sicht zu beleuchten. Wie ticke ich? Was tickt hier? Was will ich? Was will ich nicht? Das und mehr erfahrt ihr alles hier.

  • fixxel

    Auch ich bin sehr zufrieden mit dem Umstieg.
    Was viele bei den höheren Kosten of Apple Produkten vergessen: Updates sind kostenlos, die Untestützung geht über Jahre und der Wartungsaufwand ist wesentlich geringer. Einmal im Jahr onyx drüber laufen lassen reicht meist. Bei Windows darf man mit CCleaner monatlich ran…

    Jedoch gibt es zwei Punkte, die ich sehr an Windows vermisse:
    – MediaMonkes, das einzig wahre Musik-Programm ;)
    – der Kopiedialog von Windows. Einfach zwei ordner unter Mac abgleichen geht nicht, es kann nur alles ersetzt werden. (Da hilft muCommander)

  • http://kontrabaesser.de Johannes

    Bin auch rundum glücklich mit meinem Pro und OS X. Habe mir allerdings die Mission-Control-Geste auf vier Finger gelegt, um mit dreien ein Fenster verschieben zu können!

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      So meinte ich das eigentlich auch. Muss ich gleich mal korrigieren…

  • Wolfgang D.

    Hier stand ein längerer Text. Aber weil Glauben nicht den Fakten folgt, lasse ich das Argumentieren lieber.

    Nur so viel: OSX und Windows funktionieren beide problemlos, wenn man sie denn lässt. Nur kann ich unter Windows ‘zig Dinge mehr und besser erledigen. Wer nur Browser, Texte und Mail benutzt, wird unter jedem System glücklich werden, z.B. ChromeOS.

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Windows funktioniert so lange zufriedenstellend, wie man keinen Anspruch an Workflows oder Usability-Features hegt. Wenn Du mit Windows besser arbeiten kannst, dann ist das so – jedem das seine. Ich hab jetzt keinen Bock auf einen Streit, denn Deinen Kommentar interpretiere ich als Versuch in diese Richtung. Also belassen wir es dabei: to each their own.

      • Wolfgang D.

        Ja, so fängt es bei den Leuten immer an. Ich folge da eher einem Zitat von Robert Frost. Aber trotzdem, schöne Feiertage!

      • gast

        Diese Arroganz, die du im Umgang mit deinen Lesern an den Tag legst… Meine Fresse…

  • lx4r

    Ein sehr schön geschriebener und interessanter Meinugs-Artikel, der für mich persönlich sehr interessant war weil ich gerade auch über einen Wechsel zu OS X nachdenke.
    Danke für den Artikel und frohe Weihnachten!

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