Nokia Lumia 630 Testbericht

Bereits in meinem ersten Eindruck zum Lumina 630 stellte ich die Frage, ob es ein smarter Move von Microsoft Mobile sei, Windows Phone 8.1 zunächst mit einem Einsteiger-Gerät auf den Markt zu bringen. Über die vergangenen Wochen konnte ich mir nun einen genaueren Eindruck zum Gerät verschaffen. Besagte Frage werde ich nun also in diesem Testbericht klären.

Technische Ausstattung und Lieferumfang

Ganz klar ist natürlich, dass Microsoft Mobile bei der technischen Ausstattung einige Kompromisse eingehen musste, um den günstigen Preispunkt zu treffen. Dementsprechend wurden viele Aspekte, die bei einem Smartphone nicht unbedingt essentiell sind, von der Specs-Liste gestrichen. Die wichtigen Aspekte aber wurden nicht allzu stark angefasst, sodass das Specsheet davon ausgehen lässt, dass die Kernfunktionen des Smartphones problemlos funktionieren dürften.

  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 400 Quad-Core 1,2 GHz
  • Display: 4,5” IPS-LCD, 480 x 854 Pixel (218 ppi)
  • Speicher: 512 MB RAM / 8 GB interner Speicher / microSD-Slot für bis zu 128 GB
  • Kamera: 5 Megapixel, keine Frontkamera, kein LED-Blitz
  • Akkukapazität: 1.830 mAh
  • Ausmaße: 129,5 x 66,7 x 9,2 mm
  • Gewicht: 134 Gramm


Hardware und Design

Das Smartphone wird zum echten Lifestyle-Accessoir

Für ein Einsteiger-Gerät fühlt sich das Lumia 630 überraschend hochwertig an. Ich höre kein Knarzen, die Rückseite lässt sich nicht eindrücken und das Feeling in der Hand ist durch besagte matte Rückseite ebenfalls sehr gefällig, wenngleich sich der eingesetzte Kunststoff dieses Mal anders anfühlt, als bei allen bisherigen Nokia-Modellen, die ich in der Hand hatte. Es geht ein wenig in die Richtung des Lumia 620, fühlt sich aber doch noch ein bisschen besser an.

Überrascht hat mich das geringe Gewicht von lediglich 134 Gramm. Im Vergleich zum Lumia 720 ist der Unterschied vor allem gefühlt enorm. Es fühlt sich beinahe schon “zu leicht” an – ein Gefühl, dass ich bisher nur beim iPhone 5 hatte und welches schon ein wenig bemerkenswert ist.

Das Design ist meiner Meinung nach makellos gelungen. Die Rückschale passt perfekt um den Body herum und hinterlässt keine Spaltmaße, darüber hinaus ist auch das Abnehmen dieser nicht zu schwer, was mich seinerzeit vor allem beim Lumia 820 enorm störte – leichter, als beim Lumia 630 geht es nur noch beim Lumia 620.

Darüber hinaus bin ich großer Fan der grünen Farbvariante. Diese wirkt regelrecht “giftig” und schreit nach Aufmerksamkeit, das Smartphone wird so zum echten Lifestyle-Accessoir – während beinahe jeder heutzutage mit einem Smartphone auf der Straße zu sehen ist, verfolgen noch viel zu wenige Hersteller einen solchen Ansatz. Smartphones können mehr sein, als nur ein einfacher schwarzer Kunststoff- oder Metallblock und Nokia bzw. nun Microsoft Mobile geht hier seit Jahren mit gutem Beispiel voran und verbessert sich in diesem Aspekt zusehends von Modell zu Modell.

Display

Für den Alltagsgebrauch ist das Display definitiv ausreichend

Das Display löst mit 854 x 800 Pixeln (FWVGA) auf und misst 4,5” in der Diagonale. Während das Moto G diesen Vergleich durch das 720p-Display sicher für sich entscheiden kann, ist das Display des Lumia 630 keineswegs schlecht – für den Alltagsgebrauch ist das definitiv ausreichend. Schrift ist ausreichend scharf und das Gesamtbild wirkt auch nicht trist. Bereits beim Lumia 720 merkte ich an, dass Nokia es damals irgendwie schaffte, das Display so gut zu kalibrieren, dass die Displayqualität nicht negativ auffiel und auch hier konnte dies wiederholt werden.

Was mir allerdings negativ auffiel, ist die Displayfront – Microsoft Mobile setzt hier aus Kostengründen auf Kunststoff, statt auf Glas und das merkt man. Die Bedienung fühlt sich dadurch weniger “smooth” an und vor allem die Reinigung von Fettlecken und Fingerabdrücken ist weit arbeitssintensiver, als bei Glas. Der Einsatz von Kuststoff als solches ist sicher kein Beinbruch, man merkt hier allerdings tatsächlich, dass man definitiv ein preisgünstiges Gerät in der Hand hält.

Performance und Akkuleistung

Windows Phone ist generell seit jeher dafür bekannt sehr schonend mit den gegebenen Ressourcen umzugehen. Dadurch ergeben sich auch beim Lumina 630 keinerlei Performance-Probleme, ich hatte nie das Gefühl, zu lange auf etwas warten zu müssen. Umgekehrt darf man aber auch keine Wunder erwarten. Das System läuft einwandfrei, Bäume ausreißen kann das Lumina 630 aber nicht. Dafür jedoch sind die Flaggschiffe à la Lumia 930 und Lumina 1520 da und bei 130 Euro erwarte ich das auch gar nicht.

Einen gewissen Flaschenhals aber stellt der verbaute Arbeitsspeicher dar, denn wie beim Lumina 720 wurden hier lediglich 512 MB RAM verbaut. Das reicht für den Alltagsbetrieb, allerdings fordern manche Apps und vor allem Spiele einen GB Arbeitsspeicher, wodurch diese Applikationen beim Lumina 630 nicht ausgeführt werden können.

Dass Microsoft Mobile hier darauf verzichtet, einen GB RAM zu verbauen, finde ich überaus ärgerlich – ich mag kein Experte im Bereich der Preispolitik sein, kann mir aber vorstellen, dass auch ein GB RAM noch im Bereich des preislich möglichen gewesen wären und hierdurch wäre das Lumina 630 auch ein ganzes Stück weit zukunftssicherer, denn die Applikationen, die dies voraussetzen dürften in Zukunft sicher nicht weniger werden und wer gerne am Smartphone spielt, muss hier definitiv aufpassen.

Die denkbar genügsame Hardware hilft natürlich auch bei der Akkuleistung des Gerätes und so kam ich auf beinahe zwei Tage Nutzung ohne das Gerät zwischenzeitlich aufladen zu müssen. Mit inbegriffen sind hier zwei Stunden Tethering pro Tag sowie natürlich Twitter, Instagram, Facebook, MetroMail und und und. Dazu nutzte ich das Display immer in der höchsten Helligkeitseinstellung – insofern ist das Ganze mit dem 1.830 mAh großen Akku schon mehr als ordentlich, wie ich finde.


Kamera

Die Kamera ist die wohl größte Schwachstelle dieses Gerätes. Die maximale Auflösung der geschossenen Fotos beträgt fünf Megapixel, eine Frontkamera wurde komplett wegrationalisiert, ebenso wie ein LED-Blitz. Die Bildqualität der Kamera lässt darüber hinaus arg zu wünschen übrig.

Geschossene Fotos fehlt es fast durch die Bank weg an Details, es wirkt matschig, unscharf und leichtes Bildrauschen stellt sich durchaus auch bei guten Lichtverhältnissen dann und wann mal ein. Für die typischen schnellen Schnappschüsse reicht das Ganze zwar dennoch aus, allerdings ist mehr dann eben doch nicht drin.

Ehrlich gesagt habe ich mir besseres aber auch gar nicht erwartet. Die Kamera ist zumeist der Aspekt eines Einsteiger-Smartphones, an dem man den niedrigen Preis am Stärksten erkennt und hier bildet auch das Nokia Lumia 630 keine Ausnahme.

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Software

Das Lumia 630 ist das erste Gerät, welches mit Windows Phone 8.1 auf den Markt kommt. Das die neueste System-Version eine Menge, teils sehr wichtige, Neuerungen mitbringt. Das neue Action-Center z.B. als zentrale Anlaufstelle für alle eingegangenen Benachrichtigungen ist ein Feature, auf das Nutzer seit den Anfangszeiten von Windows Phone 7 warten – Live-Tiles sind dahingehend eben doch kein vollwertiger Ersatz und das hat Microsoft nun endlich auch erkannt.

Auch die neuen Möglichkeiten, die Microsoft App-Entwicklern an die Hand gibt, sind gern gesehene Additionen. So gibt es nun erste Videoschnitt-Apps, jede Menge Applikationen zur Anpassung des Start-Screens und und und. Eine Auswahl über Apps, die speziell auf die neue Systemversion zugeschnitten sind, findet ihr ebenfalls hier im Blog.

Nichtsdestotrotz ist auch Windows Phone 8.1 nicht perfekt: Einzelne Benachrichtigungen im Action-Center können beispielsweise nicht gelöscht werden, das Ganze funktioniert nur app-weise, wie es im Notification-Center von iOS der Fall ist. Liegen dort darüber hinaus Benachrichtigungen, sieht man in der Statusleiste lediglich ein Icon, welches signalisiert, dass Benachrichtigungen eingegangen sind – wie viele oder gar von welchen Apps wird daraus aber nicht ersichtlich.

Windows Phone 8.1 ist eine immense Verbesserung

Ein weiterer Umstand mit dem ich ein prinzipielles Problem habe, ist die Hierarchie der Systemstruktur. Befinde ich mich in einer App, kann ich über den Back-Button zum Start-Screen zurückkommen – so weit, so gut. Dort aber reicht ein weiterer Druck des Buttons aus, um zur vorigen App zurückzukommen. Der Start-Screen ist somit hierarchisch gesehen nicht die grundlegendste Ebene des System, sondern ordnet sich auf einer Stufe mit den Apps ein, was ich seit jeher als unsinnig erachte.

Zwei weitere Ärgernisse taten sich mir im Testzeitraum ebenfalls auf, denn Glance und Double-Tap-to-Wake fehlen komplett. Dass Microsoft Mobile diese Features beim Lumia 630 entfernte, steht im Zusammenhang mit dem eingesetzten Display und wenngleich das wohl nachvollziehbar ist, finde ich es ärgerlich, hier auf diese beiden Features verzichten zu müssen, an die ich mich beim Lumia 720 so sehr gewöhnt habe.

Trotzdem gilt ganz generell: Windows Phone 8.1 ist eine immense Verbesserung, das Betriebssystem macht in der Bedienung mehr Spaß, denn je und ist funktionsreicher sowie stimmiger, als es bisher der Fall war. Insgesamt vermisse ich beinahe nichts mehr, was ich unter nur Android oder iOS nutzen könnte. Dazu muss man auch sagen, dass Windows Phone schlichtweg hochstabil und fix läuft, wofür ich Microsoft noch immer großen Respekt zolle und auch die Implementation des Systems beim Lumia 630 macht hier keine Ausnahme.

Sonstiges

Der Mono-Lautsprecher gibt nur sehr dünnen, kraftlosen Sound aus, was sehr wahrscheinlich der niedrigen Preisklasse geschuldet ist. Ich persönlich finde das verschmerzbar, denn weder höre ich Musik über Smartphone-Lautspreccher, noch schaue ich dort gerne Videos oder gar Serien/Filme.

Telefonie funktioniert einwandfrei. Ich hatte keine Probleme beim Verstehen meines Telefonpartners und auch umgekehrt habe ich keine negativen Bemerkungen über Sprachqualität und Co. bekommen.

Obwohl das Lumia 630 auf Software-Buttons zur Systemnavigation setzt, ist der Bereich unter dem Display recht groß ausgefallen. Das ging wahrscheinlich nicht anders, da die verbaute Technik schlicht ihren gewissen Platz braucht – trotzdem finde ich es leicht unschön, das Gehäuse wird dadurch noch einmal um einiges höher, was zwar nicht weiter schlimm ist, vielleicht aber dennoch etwas besser gelöst hätte werden können.

Fazit

Insgesamt ist das Nokia Lumia 630 ein großartiges Einsteiger-Gerät, mit dem man viel für derzeit 130 Euro bekommt, denn das System läuft einwandfrei und flüssig, Windows Phone entwickelt sich spürbar weiter, die Apps werden immer besser, machen ebenso immer mehr Spaß und letztlich ist auch die verbaute Hardware vom Body bis hin zur technischen Ausstattung fast makellos. Eine sonderlich starke Kamera bekommt man hier zwar nicht, das aber sollte man zu diesem Preis auch nicht erwarten und für Schnappschüsse reicht das Ganze dann doch immer noch.

Windows Phone 8.1 zuerst auf einem Low-End-Gerät zu veröffentlichen, war die wohl beste Entscheidung

Letztlich war die Entscheidung, Windows Phone 8.1 zuerst auf einem Low-End-Gerät zu veröffentlichen, die wohl Beste, die man hätte treffen können, denn das Lumia 630 ist ein grundsolides Gerät, welches viele Freunde finden dürfte und so kann man das neue System wirklich vielen Nutzern schmackhaft machen. Ein Flaggschiff hingegen ist erstmal für Presse, Blogs und Fans schön und spannend – die meisten Leute aber werden sich diese Geräte dann eben doch nicht kaufen, da sie zu teuer sind. Es muss günstiger sein und so schafft Microsoft Mobile es nicht nur Einsteiger-Geräte zu verkaufen, sondern die Nutzer auch direkt an die neue Systemversion zu binden.

  • FGM

    “Dafür jedoch sind die Flaggschiffe à la Lumina 930 und Lumina 1530 da und bei 130 Euro erwarte ich das auch gar nicht.


    was weißt Du, was wir nicht wissen? Lumia 1530? Da sehe ich mit meinem Lumia 1520 alt aus :'(
    UND WIESO LUMINA? DAS HEIßT LUMIA!
    Sonst guter Artikel!