Nokia Lumia 900 Review: Die Schöne und das Biest

Microsoft, Nokia und : Zwei große Unternehmen, die auf ein System setzen. Alternativ auch einfach: Drei Problemfälle. Microsoft hat gehofft und hofft immer noch, sich mit 7 zurück ins mobile Spiel zu bringen, , welches auch zwei Jahre nach dem ersten Release noch nicht wirklich durchstarten konnte und Nokia, die darauf hoffen, durch WP7- wieder an alte Erfolgsstories anzuknüpfen. Das Zauberwort heißt hier “Lumia”.

Den Anfang machte das Lumia 800 (das N9 lasse ich hier mal außen vor, da es kein WP-Gerät war), welches bereits sehr beliebt, aber kein typisches High-End-Phone war (z.B. wegen der kleineren Ausmaße). Einen Schritt weiter geht Nokia nun mit dem Lumia 900, welches äußerlich schon eher nach einem Device der Klasse “Aushängeschild” anmutet. Kann das Lumia 900 diesen Ansprüchen aber gerecht werden? Hat es das Zeug dazu, um Nokia, Microsoft und auch Windows Phone an die Spitze zu hieven? Das habe ich für euch herausgefunden.

Video-

Specs und Display: Nicht zeitgemäß für 2012

Das Lumia 900 bringt einen 1,4 Ghz-Single-Core-Prozessor mit einer Adreno 205 GPU, eine acht Megapixel große Kamera auf der Rückseite und 1,3 MP auf der Front, 512 MB RAM und 16 GB internen Speicher mit. Auf der Vorderseite dominiert das 4,3” große ClearBlack-AMOLED-Display aus Gorilla Glass mit einer Auflösung von 800×480 Pixeln. Als Betriebssystem werkelt inzwischen Windows Phone 7.5 vor sich hin, der Akku ist 1.830 mAh groß und andere übliche Features, wie WiFi, Bluetooth, GPS, und verschiedene Sensoren sind natürlich ebenfalls dabei.

Im Jahr 2012 ist das natürlich keine Technik, die wirklich beeindruckt. Das liegt weniger an Nokia selbst, als viel mehr an den derzeitigen Limitierungen durch Windows Phone. Die Bedienung selbst wird dadurch allerdings nicht negativ beeinflusst, denn das OS selbst läuft sehr flüssig, fühlt sich schnell an und macht Spaß – das ist einer der Vorteile von Windows Phone, welches sehr genügsam ist, wenn es um -Ressourcen geht.
Trotzdem muss da natürlich mehr kommen. Ich fühle mich bei diesen Dingen immer ein ganzes Stück weit an Symbian erinnert. Das benötigte auch keine atemberaubende Technik, um gut zu laufen. Dieser Umstand aber interessierte keinen und wo Symbian heute ist, wissen wir ja.

Wie die nackten techischen Details ist auch das Display nicht spektakulär und wieder ist Windows Phone der limitierende Faktor, da das OS schlichtweg keine höheren Auflösungen als WVGA zulässt. WVGA ist heutzutage im High-End-Sektor, wo Android-Geräte mit 720p und das iPhone mit 960×640 Pixeln bestechen, einfach nicht mehr konkurrenzfähig und diesen Rückstand merkt man insbesondere bei größeren Displays, wie das Lumia 900 eben eins hat. Texte und Grafiken sehen unscharf aus und teilweise sieht man sehr viele Pixel – vor allem bei der Schrift. Insbesondere kleinere Schrift ist beim Lesen ungewohnt anstrengend und resultiert nach kurzer Zeit in schmerzenden Augen. Ein Paradebeispiel hierfür ist die App GReadr, welche Feed-Items in kleiner Schrift auf dunklem Hintergrund darstellt. Das angenehme Lesen längerer Artikel ist so nicht möglich. Dass Windows Phone generell sehr häufig auf weiße Texte und schwarze Hintergründe setzt, verschlimmert das Ganze noch weiter.

Das (beinahe) beste Hardware-Design überhaupt

All das befindet sich beim Lumia 900 im wohl besten und schönsten Gehäuse, das die Smartphone-Welt bisher gesehen hat – nämlich dem Design, dem das N9 Pate stand. Besagtes Gehäuse ist ein Polycarbonat-Unibody und fühlt sich im Zusammenspiel mit dem Gewicht von 160 Gramm extrem wertig an. Tatsächlich habe ich bei diesem Kunststoff-Gebilde hinsichtlich der Wertigkeit einen besseren Eindruck, als bei einem typischen Aluminium-Unibody. Hier beziehe ich mich vor allem auf das HTC Desire HD, welches ich vor meinem Samsung Galaxy Nexus besaß. Das Lumia 900 fühlt sich einfach sehr stabil an. Nichts knarzt, nichts steht irgendwo unschön über. Durch das hohe Gewicht und die generellen Ausmaße des Gerätes wirkt es sehr groß und klotzig. Allerdings liegt es durch die Rundungen sehr angenehm in der Hand – man fasst es einfach unheimlich gerne an.

Auch der optische Aspekt stimmt beim Lumia 900. Bis auf das kleine Metallplättchen für die Kamera und den Unternehmensschriftzug, sowie dem Doppel-LED-Blitz ist die Rückseite beispielsweise komplett frei von störenden Elementen und Schriftaufzügen. Diese wiederum befinden sich übrigens auf der Unterseite des Gerätes, wo auch der Lautsprecher angebracht ist. Das Gerät sieht im matten Cyan-Look (welches ich zum Testen hatte) dabei auch in der nun dritten Inkarnation noch unheimlich frisch und sexy aus. Generell ist die Optik schlichtweg beispielhaft für großartiges Hardware-Design, bei dem sich die Verantwortlichen etwas trauen und nicht das tausendste Modell designen, das zu allen anderen Modellen der Konkurrenz beinahe identisch ist. Ebenfalls stimmt das Design vom Ansatz der Philosophie her mit dem von Windows Phone überein, welches vor allem simpel sein soll. Das spiegelt sich dann eben beim Hardware-Design des Lumia 900 wider und das macht sich bezahlt. Freunden und Bekannten gefiel das Lumia 900 in den meisten Fällen sehr gut. Vor allem die Farbe meines Testgerätes sei hier ein ausschlaggebender Punkt gewesen, so der Tenor.

Tatsächlich gibt es derzeit eigentlich nur ein einziges Gerät, das hier mit dem Lumia 900 konkurrieren könnte: Das HTC One X. Auch dieses Gerät besteht aus einem Polycarbonat-Unibody und geht ebenfalls neue Wege in Hinsicht auf das Design. Allerdings geht HTC hier, meiner Meinung nach, nicht den entscheidenden weiteren Schritt und sieht im Kern noch wie andere Smartphones aus. Das Lumia 900 spielt hier einfach in seiner ganz eigenen Liga, für die derzeit kein Konkurrent die Lizenz zum Eintreten hat.

Vier Dinge allerdings haben mich beim Hardware-Design des Lumia 900 dan doch gestört: Zum Einen ist es der Kamera-Button, welcher viel zu lose angebracht ist. Dann wäre da noch die Vorrichtung für die Micro-SIM, welche sehr fummelig und umständlich in der Bedienung ist, sowie immer mit kleinen Spaltmaßen zwischen Abdeckung und Gehäuse zu kämpfen hat, in denen sich Schmutz furchtbar gerne ansammelt. Das Fummelige an dieser Konstruktion hat mich dabei schon bei meinem iPad 2 gestört.


Der dritte Punkt ist ein eigentlich winziges Detail, was mir jedoch recht schnell aufgefallen ist: Die Sensoren rechts neben der Frontkamera (bzw. deren Bausteine) sind nämlich mehr als deutlich zu sehen. Das sieht etwas unschön aus – vor allem im Vergleich zum tollen Rest. Beim Galaxy Nexus hat es Samsung z.B. geschafft, diese sehr effektiv zu verstecken.

Der vierte Kritikpunkt betrifft dann das Display. Im Gegensatz zum Lumia 800 und dem N9 ist dieses nämlich nicht mehr übergangslos in das Gehäuse eingelassen. Stattdessen setzt Nokia hier auf eine klar fühlbare und mitunter sogar leicht scharf anmutende Abgrenzung. In der Benutzung entsteht dabei ein etwas “kantigeres” Gefühl, da die Übergänge nicht mehr nahtlos ineinander übergehen. Die beiden Vorgänge haben hier einen etwas besseren Job gemacht. Trotzdem sei nochmals gesagt, dass das Lumia 900 im Vergleich zur Konkurrenz in einer ganz anderen Liga spielt! Das hier ist also Kritik auf sehr hohem Niveau.

Die pinke Kamera

Kommen wir als nächstes zur Kamera des Lumia 900 und den Fotos, die diese schießen kann. Die Kamera mit der Carl Zeiss Optik schießt Fotos mit den erwähnten maximalen acht Megapixeln und denkt man daran, dass das Gerät von Nokia kommt, dürfte man erwarten, dass die Kamera wirklich gute Fotos machen kann. “Wirklich gut” sind diese zwar leider nicht, für eine Smartphone-Kamera sind die letztlichen Aufnahmen aber allemal brauchbar. Die Farben sind in Ordnung und die Schärfe geht auch noch ok. Vergisst man aber für eine Sekunde, dass “Nokia” mit seinem guten Ruf hinsichtlich Kameras auf dem Gerät steht, macht die Kamera, im Vergleich zu anderen Smartphones, immer noch überdurchschnittlich gute Fotos.




Unschön wird es allerdings, wenn man helle bzw. weiße Objekte ablichten will. Dann nämlich sieht man in der Mitte des Ausschnittes einen großen pinken Kreis. Das liegt klar am Sensor der Kamera und fällt, wie gesagt, vor allem bei hellen Objekten auf und ist dann umso nerviger. In den meisten Fällen schafft es der pinke Kreis glücklicherweise nicht auf das geschossene Foto, allerdings konnte ich auch Fotos mit pinkem Kreis produzieren, was umso unschöner ist.

Bedenkt man generell, dass Windows Phone sich vor allem damit brüstet, wichtige Momente schnell und genau auf Bild festhalten zu können, werden die etwas schwächere Bildqualität und der pinke Kreis noch einmal verheerender. Alleine die Philosophie, die Microsoft hier vorgibt, hätte Nokia dazu bewegen müssen, hier größere Kanonen aufzufahren.

Die Video-Aufnahmen sind ebenfalls eine etwas zwiegespaltenes Angelegenheit. Während auch hier Farben und Schärfe völlig in Ordnung gehen, wirkt das Bild sehr wackelig. Ich bin mir absolut sicher und habe wirklich Acht darauf gegeben, dass ich das Lumia 900 so ruhig wie möglich halte, was sich in der Aufnahme selbst allerdings nicht wirklich zeigt. Ich vermute also mal, dass hier ein gewisses Problem mit dem Bildstabilisator vorliegt.

Auch klasse: Akkulaufzeit, Lautsprecher und Telefonie

Die Akkulaufzeit des Lumia 900 war in meinem Test wirklich klasse. Nun kann ich keine kruden und “genauen” Laufzeiten bzw. Werte vorzeigen und das will ich auch gar nicht. Was ich sagen kann ist, dass ich das Lumia 900 als primäres Smartphone eingesetzt habe und daher auch Dinge, wie RSS, Twitter, Emails, Telefonie und Messaging hauptsächlich über dieses Gerät bearbeitete. Vor allem in meinem Urlaub, in dem ich das Gerät getestet habe, habe ich fast alles über das Smartphone gemacht und ich bin trotzdem wirklich problemlos über den Tag gekommen. Der 1.830 mAh große Akku macht seinen Job also ausgesprochen gut.

Ebenso hat mich auch der Lautsprecher beeindruckt. Ich muss dazu sagen, dass der Lautsprecher meines Samsung Galaxy Nexus wirklich sehr, sehr leise ist. Was Anfangs kein großes Problem für mich darstellte, wird genau dann eins, wenn es in den Arbeitsalltag geht und man dann auf das Smartphone angewiesen ist. Und dort passierte es echt ständig, dass ich Anrufe von Kollegen verpasste, weil der Lautsprecher zu leise war und ich den Klingelton aus der Hosentasche heraus gar nicht mehr hörte. Ein solches Problem wird man beim Nokia Lumia 900 glücklicherweise nicht haben. Die Lautsprecher sind hier schön laut und auch bei höheren Lautstärken klingen diese vergleichsweise immer noch sehr gut.

Genauso problemlos war in meinem Test auch die Telefonie mit dem Smartphone. Ich telefonierte dabei testweise über den Anbieter Netzclub, welche auf das o2-Netz zurückgreifen. Auf Nachfrage konnten mich meine Gesprächspartner dabei problemlos und klar verstehen und auch ich hatte keinen Grund zur Beschwerde.

Der limitierende Faktor: Windows Phone 7.5


Nun kommen wir zu dem Punkt, auf den ich am Gespanntesten war: Windows Phone 7.5, dem Betriessystem, welches das Lumia 900 nutzt. Hierzu sei gesagt, dass ich Windows Phone seit dem Launch Oktober 2010 (bzw. schon in den Monaten davor) ausgesprochen sympathisch finde und den Ansatz, den Microsoft geht, mehr als gut heiße. Ich habe mich also darauf gefreut, das OS mal über mehr als nur ein paar Minuten selbst testen und selbst erforschen zu können.

Im Kern macht es Spaß…

Kommen wir erstmal zu den positiven Dingen. Windows Phone an sich macht (oft) Spaß. It’s as simple as that. Das System und die Core-Apps laufen allesamt sehr flüssig und lassen sich zumeist flott und effektiv bedienen. Besonders gefällt mir dabei die Tastatur von WP7. Die automatische Korrektur arbeitet meistens sehr zuverlässig und das Tippen geht schnell von der Hand. Und was ich ganz wichtig finde: Die Tippgeräusche hören sich klasse an! Zugegebenermaßen ist das Platzieren des Cursors zum schnellen Korrigieren eines Buchstaben etwas frickelig und erinnert dabei ein wenig an iOS – darüber kann ich persönlich aber hinweg sehen, da ich mich mit der Tastatur sowieso fast nie verschrieben habe.

Mir gefällt auch die Kontakte-App recht gut. Die schaut sehr aufgestyled und modern aus, fasst Neuigkeiten der Kontakte aus Twitter, Facebook und Co. zusammen und macht einen sehr “präsenten” Eindruck, wenn ihr wisst, was ich meine.

Hinsichtlich der Software hat der User bei Nokia-Geräten mit Windows Phone natürlich auch die Vorteile, dass man das App-Angebot von Nokia nutzen kann. Diese umfassen bspw. Nokias Maps-, eBooks-, Musik- und Navigations-Apps. Über allem steht dabei natürlich Nokias Offline-Navigation, die auch in meinem Test in beiden durchgeführten Versuchen sehr gut funktionierte. Hier kann die Lumia-Serie, im Vergleich zu anderen Windows Phones, derzeit also einige Pluspunkte sammeln und diese Pluspunkte sind mehr, als nur nette Dreingaben, wie ich finde, da sie das Software-Angebot sinvoll aufwerten.

…aber

Diesen guten Bestandteilen des OS stehen andere gegenüber, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. Windows Phone bietet beispielsweise, ähnlich Android, zwei verschiedene grundlegende Farbgebungen für Apps: Einmal schwarz und dann eben noch Weiß. Es ist nicht das Problem, das diese beiden Themes existieren, das will ich gar nicht behaupten. Es ist die Umsetzung dessen, die nervt. Office ist hier das beste Beispiel. Hier wird das weiße Theme genutzt, was sich sogar bis zur Farbgebung der Tastatur hin durchschlägt. Statt, dass die Tastatur – wie sonst auch – in dunklen Farben gehalten ist, ist sie hier komplett weiß. In anderen hell gehaltenen Apps (z.B. in Evernote) ist die Tastatur dann wieder dunkel.


Das nervt zum Einen optisch und vor allem beim Schreiben einfach fürchterlich und ist mir äußerst negativ aufgefallen. Im Falle von Office ist das schade, weil die App ansonsten an und für sich ziemlich gut ist und auch viele Features bietet.

Ein anderes Problemkind ist (immer noch) der Internet Explorer. Während mir das Layout mit der unten angebrachten Adressleiste sehr gut gefällt und der Browser auch recht flott ist, schafft es IE immer noch nicht, Webseiten korrekt darzustellen. Bei meinem Blog z.B. werden die Google Webfonts nicht dargestellt und stattdessen auf die jeweiligen Standardschriftarten zurückgegriffen. Ebenso nervig ist die Email-Integration im System. Nutzt man Gmail, hat man praktisch schon verloren – vor allem, wenn man gelesene Emails konsequent archiviert. Diese Option bietet die Email-App nämlich erst gar nicht. Das sorgt bei mir für eine selten unübersichtliche Inbox und/oder mehr Aufwand, wenn man die Emails manuell archiviert. Natürlich ist mir klar, dass die App primär auf die Bedürfnisse von Windows Live Mail Nutzern zugeschnitten ist – bietet man darüber hinaus aber auch die Integration von Gmail populär an, kann man auch erwarten, dass gewisse grundlegende Funktionen schlicht und ergreifend vorhanden sind.

Mich nervt auch das sogenannte Multitasking. Ruft man eine App aus dem Multitasking-Menü heraus auf, laden viele Apps gerne komplett neu und begrüßen einen dann demnach mit dem Splashscreen der App. Ebenfalls auffällig: Jedes Mal, wenn man eine App über den Homescreen startet, begrüßt einen erst einmal besagter Splashscreen – Rowi ist hier ein tolles Beispiel. Das heißt im Umkehrschluss, dass die App in der Zwischenzeit nicht im Hintergrund lief und auch kein Abbild der App in den Zwischenspeicher geladen wurde. Multitasking ist derzeit prinzipiell also nur optisch und nicht funtkionell vorhanden und das ist in heutigen Zeiten, in denen iOS und Android zumindest das Gefühl von funktionierendem Multitasking vermitteln können, nicht akzeptabel.

Der Kern des OS hat darüber hinaus noch ein weiteres Problem, welches mir sauer aufstößt. Ist man in einer App und betätigt den Back-Button so oft, bis man auf dem Homescreen landet, reicht ein weiteres Betätigen des Back-Buttons, um eine zuvor benutzte App aufzurufen. Das ist insofern irrsinnig, als dass der Homescreen durch dieses Verhalten nicht den Status als “grundlegende Ebene der Benutzeroberfläche” hat, sondern hierarchisch auf einer Ebene mit allen Apps steht. Das ist deswegen problematisch, als dass es verwirrend ist und gegen den Homescreen als solches spricht. Es passiert mir außerdem auch mal gerne, dass ich bei Betätigung des Back-Buttons aus der App-Liste heraus nicht auf dem Homescreen lande, sondern in der zuvor geöffneten App.


Neben diesen, für mich elementaren, Problemen von Windows Phone 7 gibt es noch ein paar andere. Als nächstes Beispiel könnte ich hier die App-Liste nennen. Sind mehr als 45 Apps installiert, werden dort plötzlich Buchstaben zwischen den Apps eingeblendet.
Das soll zwar für mehr Ordnung und Übersicht sorgen, endet aber im kompletten Gegenteil und ist darüber hinaus nicht einmal optional abstellbar. Ebenfalls ist es ein Unding, dass man die automatische Rotation nicht global deaktivieren kann und auch lange Ladezeiten vieler Apps sind mir negativ aufgefallen. Dadurch, dass letzteres bei vielen, von mir getesteten, Apps auftritt, denke ich, dass diese Problematik eher etwas mit Windows Phone als solches, als mit den einzelnen Apps, zu tun hat.

Trotzdem irgendwie magisch

Es mutet dabei ein wenig komisch an, dass ich eingangs erwähnte, dass mir Windows Phone oft Spaß macht. Ich kann es nicht genau beschreiben, denn die angesprochenen Probleme sind teilweise recht elementar. Allerdings ist Windows Phone 7 auch zwei Jahre nach dem ersten Release immer noch frisch und fühlt sich einfach “anders” an. Microsoft hat insgesamt Initiative und Innovationen gezeigt, die man in Zukunft noch viel stärker ausbauen wird. Windows Phone hat irgendwie etwas fast schon “magisches”. Trotz der Probleme, die das System eindeutig hat, kann man also Spaß damit haben, wenn man sich den Schwächen bewusst ist, sie innerlich ausblendet und sich auf die Core-Experience besinnt, die Microsoft bieten will.

Warum gehe ich eigentlich so detailliert auf Windows Phone als solches ein, werden sich manche vielleicht fragen (und ich sehe diese Fragen bereits kommen). Man könnte ja argumentieren, dass Nokia als Hersteller des Lumia 900 da nicht viel mit zu tun hat. Das ist im Grunde richtig, allerdings sehe ich das hier aus Sicht des potentiellen Kunden. Demnach ist meine Antwort eine ganz einfache: Der Käufer kauft sich beim Kauf eines Smartphones üblicherweise für zwei Jahre in das jeweilige Ökosystem ein, widmet dem jeweiligen System also zwei Jahre Aufmerksamkeit und natürlich auch sein Geld. Zum Kauf eines Smartphones gehört viel mehr bedacht, als nur das Gerät als solches. Inzwischen muss man das große Ganze sehen und daher ist es einfach nötig, auf das Ökosystem einzugehen.

Fazit: Die Schöne und das Biest

Wenn ihr mein Review komplett durchgelesen habt, habt ihr praktisch zwei Welten gesehen: Nokia und Windows Phone. Ich bin ehrlich gesagt hin- und hergerissen, was das Gerät als Ganzes angeht. Nokia hat beim Lumia 900 einen Weltklasse-Job gemacht hat und ein tolles Gerät auf die Beine gestellt. Beim Lumia 900 hat man bei einer ganzen Menge Acht gegeben – ein schönes Beispiel sind die Hardware-Buttons an der rechten Seite des Gerätes, die sowohl für Links-, als auch Rechtshänder perfekt bedienbar sind. Das Gerät selbst ist also um Klassen besser als alles andere, was es bisher auf dem Markt gibt – einschließlich des iPhone 4s. Ich kann nur ein Wort wiederholen: Weltklasse!

Man könnte beinahe meinen, dass das Lumia 900 durch Windows Phone ausgebremst wird – sowohl in Sachen Spezifikationen, als auch beim Software-Aspekt. Nokia hat, meiner Meinung nach, eine Menge richtiger Entscheidungen beim Lumia 900 gemacht, allerdings kann Nokia wenig an den Hürden ändern, die Windows Phone 7 einem in den Weg legt. Sowohl die technischen Details, als auch die Software sind im Jahr 2012 nämlich nicht mehr konkurrenzfähig, wenn man ein Aushängeschild sein will. Da kann Nokia aber eben herzlich wenig für, denn das ist schlichtweg das, was Microsoft vorgibt. Windows Phone 8 Apollo wird hier eine Menge geradebiegen können und ich warte dieser Tage fast darauf, mich komplett in ein Lumia-Gerät mit WP8 zu verlieben. Leider aber ist das nicht das “hier und jetzt” (und dem Thema möchte ich auch nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen, da es in der kürzeren Vergangenheit bereits ausgiebig diskutiert wurde), denn derzeit muss sich Nokia eben mit Windows Phone 7 herumschlagen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Genau das versucht Nokia ja bereits mit den eigenen Software-Angeboten, die mir auch gut gefallen haben und sinnvolle Erweiterungen des Software-Angebots von Windows Phone 7 sind. Microsoft sieht das ja auch ähnlich, denn Nokia Maps wird ab Apollo die Standard-Anwendung des Systems für Karten sein. Nokia kann man in diesem Bezug also absolut nichts vorwerfen – schließlich versuchen sie tatsächlich, das Beste draus zu machen.

Kommen wir zur obligatorischen Kaufempfehlung. Seid ihr Anwender, die ein großartiges Gerät in den Händen haben wollen, sich in ein Hardware-Design verlieben wollen und tagtäglich daran erinnert werden wollen, wie gut das Gerät als solches eigentlich ist? Kauf euch das Lumia 900, dann gibt es keinen Weg daran vorbei.
Ihr seid bereits Windows Phone Nutzer, wollt beim System bleiben und sucht nach einem entsprechenden Upgrade? Kauf euch das Lumia 900, es gibt dann wieder keinen Weg vorbei. Euch ist ein Betriebssystem wichtig, dass sich “fertig” anfühlt und präzise ausgedacht ist? Hier wird es schwierig – leider.

Bevor hier Leser anfangen, mir etwas anderes zu unterstellen: Es geht mir nicht darum, Nokia, Windows Phone, oder Microsoft schlechtzureden. Es geht mir nicht darum, grundloses Bashing zu betreiben. Es geht mir auch nicht darum, Android oder iOS in den Himmel zu loben. Es geht mir darum, ehrlich zu sein. Ich bin sowohl mit Nokia und Microsoft aufgewachsen und ich wünsche beiden, dass Windows Phone und die dazugehörigen Geräte ein Erfolg werden. Allerdings sehe ich diesen Erfolg mit Windows Phone 7 und dem derzeitigen Stand des OS einfach nicht. Das System hat Einschränkungen und Probleme, die es selbst einem Premium-Hersteller wie Nokia schwer machen, daraus ein Ganzes zu machen, welches wirklich atemberaubend gut ist. Ich wollte das Lumia 900 aus zwei Gründen unbedingt testen. Der erste Grund war der, dass ich bereits das Lumia 800 sehr ansprechen fand und der Gedanke von einem etwas größeren Gerät mit diesem Design hat mich schwärmen lassen. Außerdem wollte ich das Lumia 900 testen, um den Stand von Nokia und dem Betriebssystem mit eigenen Augen zu sehen und ich habe gesehen. Ich habe gesehen, wie der beste Hardware-Designer unter den Smartphone-Herstellern von einem Betriebssystem in übelster Art und Weise ausgebremst wird und das stimmt mich traurig.

  • http://twitter.com/madphone madphone

    tolles review!
    bin was windows phone angeht der gleichen meinung, es bremst nokia aus! im grunde ist es richtig gut, aber windowsphone 8 hätte bereits da sein müssen. so verkauft nokia geräte mit hardware specs aus dem jahr 2010.

    multitasking ist echt komisch gelöst. die funktion muss erst mal von den app entwicklern eingebaut werden. diese hatten seit juni 2011 zeit und haben es oft immer noch nicht aktualisiert. auch komisch: ist eine app im hintergrund, wie zum beispiel whatsapp, öffnet sie sich ohne komplett neuzuladen, wenn man sie über den appverlauf aufruft. im hintergrund laufende apps laden aber dennoch komplett neu, wenn man sie von startscreen oder aus der appliste öffnet. so ein schwachsinn, wozu hat man sie dann vorher im hintergrund geparkt?

    • http://CocasBlog.de Coca

      Dein Punkt bzgl. des Multitaskings ist mir ebenfalls so aufgefallen und es nervt extrem. Da können weder Nokia, noch Microsoft was dafür, allerdings muss man eben das System als Ganzes bewerten und da zieht WP Nokia dann runter.

  • http://twitter.com/ejcyrax Danijel Jakovljevic

    Gutes Review.
    Aber da sieht man mal, wie die Geschmäcker auseinander gehen. Ich hatte mir ja dein Testgerät auch angeguckt und finde, es ist eines der grässlichsten Gehäusedesigns, die mir bisher unterlaufen sind(und dabei war ich früher eigentlich immer Nokia-Fan)

    • http://CocasBlog.de Coca

      Es ist frisch, modern, gewagt, anders. Vor allem, dass sich Nokia beim Design etwas getraut hat, finde ich bewundernswert. Aber Recht hast Du, Geschmäcker sind unterschiedlich. :)

  • Pingback: Windows Phone in der Presse Seite 44 - Windows Phone 7 Allgemein - Windows Phone Forum()

  • https://www.google.com/profiles/103272113634089552852 Michael Kupfer

    Ein Hammer-Testbericht, Du gehst ja auf alles genau ein, klasse. Man merkt, wie Du hin- und hergerissen bist zwischen dem Gerät und dem System, Du hast alles genauestens beleuchtet. Danke Dir für diesen umfangreichen Bericht

  • http://www.ouya-forum.de Martin

    Ein wirklich sehr ausführlicher Bericht. Kann man nicht anders sagen.
    Bin gespannt ob sich Windows generell noch stärker auf dem Markt verbreitet. Gerade jetzt mit denen ihrer Windows 8 Geschichte.

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