OnePlus One Testbericht

“Never settle” – das ist das Motto von , den selbsternannten Flaggschiff-Killern. Mit dem One veröffentlichte man dann auch ein Smartphone, welches dem Motto gerecht werden sollte. Die Rezeptur ist dabei denkbar simpel: High-End-Hardware zum günstigen Preis mit schnellen System-Updates und reichlich Zubeör – ähnlich, wie man es von der Nexus-Reihe kennt. Kann das One den dadurch entstandenen Erwartungen aber gerecht werden?

Unboxing-Video


Ausstattung

  • Display: 5,5” LCD, 1080p-Auflösung (401 ppi)
  • Prozessor: Snapdragon 801 Quad-Core 2,5 GHz
  • Speicher: 3 GB RAM, 16/64 GB intern (nicht erweiterbar)
  • Kameras: 13 Megapixel Hauptkamera, 5 Megapixel Frontkamera
  • Akkukapazität: 3.100 mAh (nicht austauschbar)
  • Maße und Gewicht: 152,9 x 75,9 x 8,9 mm, 162 Gramm
  • Betriebssystem: CyanogenMod 11S (Android 4.4.4 KitKat)
  • Konnektivität: LTE Cat.4 (Micro-SIM), WiFi 802.11 a/b/g/n/ac, A-GPS, Bluetooth 4.1
  • Sensoren: Accelerometer, Gyro, Proximity, Compass
  • Lieferumfang: , Netzteil, Micro-USB-Kabel, SIM-Tool mit Schlüsselanhänger

Hardware und Design

Die Rückseite beigeisterte mich von der ersten Sekunde an

Der Body ist wohl einer der wenigen Kritikpunkte am One, denn der ist vergleichsweise groß ausgefallen. Das LG G3 (mit dem es im Verlaufe des Beitrags noch weitere Vergleiche geben wird), ist insgesamt deutlich kompakter. Durch die Abrundung auf der Rückseite liegt das One trotzdem gut in der Hand und die Sandstone-Black-Rückseite verleiht dem Gerät eine sehr gute Griffigkeit.

Ob die Ausmaße nun stören, ist natürlich ein sehr subjektiver Faktor. Mich stört es z.B. überhaupt nicht, denn mit dem Nokia Lumia 1520 und dem ASUS Fonepad Note 6 habe ich auch schon größere Phablets in der Alltagsnutzung erlebt – insofern ist mir der Formfaktor also nicht neu. Nichtsdestotrotz ist es natürlich verständlich, wenn einem der Body des One zu groß ist.

Einige Worte muss ich außerdem noch zur Rückseite verlieren, denn die beigeisterte mich von der ersten Sekunde an vollkommen. Natürlich hat OnePlus hier einen Kunststoff verbaut, allerdings fühlt sich dieser tatsächlich so an, wie er auch genannt wurde. Dieses Feeling sucht man bei jedem anderen Smartphone vergebens. Es ist schlichtweg einzigartig und ein ganzes Stück weit innovativ – etwas ganz anderes eben.

Daraus folgend fühlt sich das Material aber auch sehr ungewohnt an. So mancher, dem ich das One in die Hand gedrückt habe, war vom Material nicht überzeugt, da es weniger angenehm zu halten sei, da es dieses gewisse Schmiergelpapiergefühl hervorruft. Während mich das persönlich überhaupt nicht stört, kann ich das natürlich aber nachvollziehen. Sofern es also möglich ist, sollte man das One vor dem Kauf mal probeweise in die Hand nehmen.

Beim Design des Gerätes hat OnePlus ebenfalls nicht geschlampt: Die Rückseite ist zwar abnehmbar, fühlt sich aber an, als würde sie extrem gut auf den Body passend – eben so, als wäre sie gar nicht abnehmbar. Das wiederum führte bei OnePlus im Gegenzug zu Problemen mit der Produktion der austauschbaren Rückseiten, die laut offizieller Aussage auch deswegen eingestellt wurden.

Etwas weniger gut gefällt mit der Übergang vom Display zum Body. Während andere Hersteller, wie z.B. Nokia hier versuchen, einen fließenden Übergang zu schaffen, merkt man beim One deutlich, dass der Body leicht überstehend ist im Übergang zum Display. Das wiederum fühlt sich nicht ganz so großartig und nahtlos an, was dezent schade, aber zu verkraften ist.

Display

Das Display macht “trotz” 1080-Auflösung einen sehr guten Eindruck

OnePlus entschied sich, das erste eigene Smartphone mit einem 1080p-Display auszustatten. Als Gründe gab man hierfür an, dass ein QHD-Display in der Praxis lediglich einen höheren Akkuverbrauch nach sich ziehen würde und die Bildqualität dabei nicht nennenswert besser sei. Das sind beides plausible Gründe, die ich nachvollziehen kann und ich sehe das Ganze derzeit sehr änlich.

In der Tat macht das Display einen sehr guten Eindruck. Die Schärfe ist auch mit 1080p auf 5,5” ausgezeichnet. Das Display bleibt bei hohen Blickwinkeln gleichbleibend gut lesbar, ebenso bei direkter Sonneinstrahlung. Farben werden darüber hinaus sehr akkurat, aber dezent wärmer dargestellt, als beim LG G3. Einige Nutzer klagten beim One über einen ungewöhnlich ausgeprägten Gelbstich. Dies war bei meinem Exemplar nicht der Fall, darüber hinaus sich dieser nach einigen Tagen Benutzung legen.

Akkulaufzeit und Performance

Die Entscheidung für ein 1080p-Display sowie der Einsatz von drei GB RAM machen sich in der Performanz sichtlich bemerkbar

Die Akkulaufzeit war zu Beginn meiner Zeit mit dem Gerät reichlich problematisch, denn zu diesem Zeitpunkt kämpfte CyanogenMod 11S mit einem Standby-Bug, durch den sehr viel Akkulaufzeit verloren ging. Dieses Problem wurde aber recht fix behoben, sodass man inzwischen wieder mit der vollen Leistungsfähigkeit des Systems rechnen kann.

Die Akkulaufzeit des One ist insgesamt ausgezeichnet. Ich für meinen Teil komme mit meiner Nutzung zwei “normale” Arbeitstage von sieben Uhr morgens bis ca. ein Uhr nachts am nächsten Tag durch, ohne größere Probleme zu haben oder mich einschränken zu müssen. Das wiederum bedeutet auch, dass es mit dem OnePlus One problemlos möglich ist, auch einen sehr intensiven Tag durchstehen zu können, ohne Angst um die Akkulaufzeit haben zu müssen.

Diese Sicherheit wiederum beruhigt ungemein – ich für meinen Teil möchte darauf inzwischen nicht mehr verzichten. Das wiederum ist übrigens auch ein Aspekt, der meiner Meinung nach beim LG G3 leider nicht stark genug ausgeprägt war. Hier allerdings stimmt das Paket absolut und enttäuscht zu keinem Zeitpunkt.

Auch die Performance weiß definitiv zu überzeugen. Man merkt deutlich, dass sich die Entscheidung für ein 1080p-Display sowie der Einsatz von drei GB RAM in der Performanz sichtlich bemerkbar machen – positiv natürlich. Im Vergleich zum G3 fühlt sich das OnePlus One noch einmal ein Stück smoother an. Alles läuft ein wenig fixer, alles lädt auch ein Stückchen schneller. Das wiederum erwarte ich aber auch von einem aktuellen Flaggschiff und das One liefert genau das, was ich mir erwartet habe.

Software

Das OnePlus One ist das erst zweite Smartphone, welches ab Werk mit einem vorinstallierten CyanogenMod daherkommt. Genauer gesagt wird hier CyanogenMod 11S, also eine an das Gerät angepasste Version der berühmten CustomROM, genutzt. Oberflächlich orientiert sich dieses stark am Look & Feel von Stock-Android, die einzige Ausnahme stellt hierbei der Lockscreen dar, den man optional aber auch auf den Stock-Default umstellen kann.

Geht man etwas tiefer ins System, bieten sich dem Nutzer eine ganze Menge Einstellungsmöglichkeiten. Beispielsweise können System-Themes aus dem Play Store heruntergeladen und eingesetzt werden, darüber hinaus lassen sich die Buttons in der Energiesteuerung anpassen und in der Reihenfolge verändern und sogar das Umschalten zwischen kapazitiven Navigations und Software-Buttons ist möglich.

Je tiefer man in den Einstellungen gräbt, desto mehr Möglichkeiten zeigen sich und das ist schlichtweg beeindruckend. Kaum ein vorinstalliertes Android-System anderer Hersteller bietet derartige und detaillierte Möglichkeiten zur Anpassung des Systems. Alleine die Designs beherbergen ein schier riesiges Potential zum Customizing, da es extrem viele Themes gibt, mit denen sich die verschiedensten Looks erzielen lassen. Hierbei können sogar mehrere Themes miteinander kombiniert werden, indem man einzelne Bestandteile dieser aktiviert.

Meiner Meinung nach ist CyanogenMod 11S das Android, das es zu schlagen gilt – so sollte ein Android-System daherkommen: Stock-Feeling und -Optik mit zig optionalen Möglichkeiten zur Anpassung. Es müssen nicht unendlich viele, teilweise nutzlose, Features sein, wie es vor allem Samsung und LG handhaben – es geht auch anders.

Kamera

Der Clear-Image-Modus funktioniert exzellent im Lowlight-Bereich

Die Hauptkamera macht einen insgesamt sehr guten Job. Der Fokus sitzt genau so schnell, wie beim LG G3 und iPhone 6 (Plus), die Fotos machen einen insgesamt guten Eindruck, wenngleich die Bildqualität nicht ganz an die der beiden genannten Konkurrenten heranreicht. Nichtsdestotrotz können sich die Fotos definitiv sehen lassen.

Sehr cool ist vor allem das Camera-UI und hier ganz speziell die Art und Weise, wie man zwischen den verschiedenen Modi hin- und herschaltet. Das geschieht nämlich per Wischgeste von nach oben oder unten. In den Optionen kann man dann auch auswählen, welche Modi man dort haben möchte und welche man nicht benötigt. Generell ist das UI sehr minimalistisch gehalten und der gesamte Bildschirm steht als Viewfinder zur Verfügung, wenn man Fotos im 16:9-Format schießen möchte.

Die Lowlight-Performance ist eher unterdurchschnittlich. Man muss recht schnell mit rauschenden Ergebnissen auskommen, die Schärfe ist nicht herausragend, aber halbwegs in Ordnung. Diese Ergebnisse bekommt man vor allem im automatischen Modus, weshalb es, sofern das abzulichtende Objekt es zeitlich erlaubt, ratsam ist, unter schlechteren Lichtverhältnissen auf den Clear-Image-Modus auszuweichen.

Besagter Clear-Image-Modus, der nachträglich per Software-Update hinzugefügt wurde, ist besonders nennenswert. Hierbei werden mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen geschossen und sozusagen übereinander gelegt, sodass das Ergebnis möglichst viele Details enthält. Das Beeindruckende: Der Modus funktioniert tatsächlich prächtig und bewirkt einen beträchtlichen Unterschied in der Bildqualität im Vergleich zum automatischen Modus. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen bemerkt man so eine starke positive Verbesserung der Fotos. Bei guten Lichtverhältnissen bemerkt man ebenfalls ein insgesamt dezent besseres Ergebnis, allerdings ist der Einsatz dieses Modus hier vernachlässigbar, denn eine solch starke Verbesserung, wie im Lowlight-Bereich, ist nicht auszumachen.

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Sonstiges

Nicht jede Applikation kommt mit den optionalen Software-Buttons zurecht

Ein interessanter Aspekt ist sicherlich die 800-MHz-LTE-Frequenz, die beim One fehlt. Somit fällt die LTE-Verfügbarkeit vor allem in ländlichen Gegenden flach, wo diese Frequenz sehr häufig genutzt wird. Wer also unbedingt auf LTE setzen und dieses nutzen will, sollte sich dessen vor dem Kauf bewusst sein.

Zwar wurden auf der Unterseite des Gerätes zwei Lautsprecher-Öffnungen ausgefräst, allerdings handelt es sich hier trotzdem um einen Mono-Lautsprecher. Dieser ist allerdings sehr gut, sodass Audiosignale sehr laut wiedergegeben werden, ohne, dass es unangenehm zischt.

Ganz offensichtlich kommt nicht jede Applikation mit den optionalen Software-Buttons zurecht. Das Dock in Action Launcher liegt dadurch direkt unter den Software-Buttons kann daher nicht einwandfrei genutzt werden. Mir ist bisher zwar nur diese App negativ aufgefallen, allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass es weitere Applikationen gibt, die hier Probleme verursachen könnten.

Ebenfalls sollte man hier definitiv das Invite-System ansprechen, über das das OnePlus One vertrieben wird. Wer nämlich eines kaufen möchte, muss zunächst über einen solchen Invite verfügen und diesen für sich beanspruchen, sodass man anschließend 24 Stunden Zeit zur Bestellung hat. Während dieses System anfänglich definitiv zum Hype um das Gerät beitrug, nervt es die potentiellen Käufer zunehmend.

Jedoch sollte ebenfalls angemerkt werden, dass es zunehmend einfacher wird, an Invites zu kommen. Wer beispielsweise bereits eines gekauft hat, bekommt ca. vier Wochen nach dem Kauf mehrere Invites zugesprochen, die verteilt werden können. Auch ich hatte bereits drei Invites, die recht schnell vergriffen waren. Man muss also nicht mehr zwingend über die OnePlus-Contests und dergleichen gehen und hoffen, einen Invite abzustauben.

Fazit

Insgesamt ist das OnePlus One ein beeindruckendes Smartphone, welches zu einem absoluten Killerpreis von 300 Euro für die 64-GB-Variante verfügbar ist. Praktisch alles überzeugt bei dem Gerät: Angefangen beim System, über das Display bis hin zur Akkulaufzeit gibt es kaum etwas zu bemängeln am Smartphone selbst.

Einzig und allein OnePlus selbst lieferte in den letzten Monaten einige negative Nachrichten, sodass man sich so langsam fragt, ob es das Startup langfristig schaffen kann, zu überleben. Das Invite-System verärgert bereits seit der Ankündigung viele Nutzer, sodass diese sich der etablierten Konkurrenz zuwenden und Dinge, wie die eingestellten Rückseiten, lassen jedenfalls einige Zweifel zu.

Wer allerdings die Chance hat, ein OnePlus One zu kaufen, sollte diese auch nutzen, denn ein besseres Gesamtpaket zu diesem Preis gibt es aktuell de facto nicht – da kann derzeit auch die Nexus-Reihe nicht mithalten (wenngleich man hier auch abwarten muss, wie das Nexus 6 ausfallen wird). Ich für meinen Teil habe den Kauf bis heute nicht bereut und das konnte ich bisher über kein Android-Smartphone so unverblümt sagen.

  • Dome ;)

    Hab es auch absolut noch null bereut, definitiv das beste Gesamtpaket auf dem Markt! Schöner Testbericht :)

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Danke für das Lob! :)

  • Jenser

    Erstmal supi Testbericht!

    Ich habe, nachdem nun das Nexus 6 draußen ist, den Entschlus gefasst mir ein oneplus one zu holen. Da Google/Motorola mit dem Nexus 6 mMn nicht wirklich überzeugen können. In Anbetracht des Preis Leistungsverhälltnisses beim oneplus musste ich da nicht länger überlegen. 649 für das N6 welches irgendwie am Ziel vorbegeschossen ist oder 300 für das oneplus, ganz klare Sache. Und ich denke mit dem oneplus one kann man noch lange Zeit Freude haben, auch wenn bis dahin schon wieder das uppsendsde Z(irgednwas) von Sony rausgekommen ist.