Spotify: Eine Hassliebe

durchlebt hierzulande derzeit einen unglaublichen Siegeszug. Seit dem Launch und auch wegen der anfänglichen vorgegebenen Verknüpfung mit Facebook dürfte inzwischen so ziemlich jeder wissen, was für ein Dienst hinter Spotify steckt. Obwohl ich Spotify selbst prinzipiell mag und ich Musikstreaming generell großartig finde und es für das Modell der Zukunft halte, kann ich mich der Masse einfach nicht anschließen.

Ich nutze Spotify seit dem Deutschland-Launch und das stets in der kostenlosen, werbebasierten Variante. Zuletzt aber spürte ich immer mehr den Drang danach einen Streaming-Dienst zu verwenden – vor allem, um mobil unkompliziert Musik hören zu können. Dass durch das Streaming das CD-Ripping, Tagging und Kopieren auf das Smartphone entfällt, ist ein unglaublicher Luxus und vereinfacht den Alltag spürbar. Spätestens als ich WiMP ausgiebig getestet habe, ist mir das klar geworden. Ein Premium-Abonnement bei WiMP aber kommt für mich nach wie vor nicht in Frage.

Also gab es für mich im Prinzip zwei Alternativen: rdio und eben Spotify. Letzterer Dienst bietet eine 30-tägige Probephase für das Premium-Paket, was sich dann natürlich zum Test anbietet. Also schnell alles in die Wege geleitet, PayPal-Konto angegeben, Apps für Android und iOS heruntergeladen und losgelegt.

Klasse Apps, tolle Synchronisierung

Beinahe sofort sind mir einige Dinge aufgefallen, die Spotify wirklich großartig macht. Was sind z.B. die Apps für Android und iOS. Die Android-App ist auf die Android 4-Design-Richtlinien angepasst und läuft absolut performant und auch die iPad-App bietet eine tolle Optik und ist für mich mit dem Spalten-Layout quasi eine Art Design-Referenz für iPad-Apps. Die Bedienung der Apps macht einfach Spaß und geht flott von der Hand – so muss das sein!

Die Synchronisierung vom Desktop-Client zu den Geräten funktioniert ebenfalls reibungslos. Zwei Klicks reichen aus und die entsprechenden Playlists werden mitsamt Songs auf das jeweilige Gerät synchronisiert. WiMP z.B. zwingt den User dazu, die Apps selbst aufzurufen, um dort dann die Songs auszusuchen, die man offline verfügbar haben möchte – im Vergleich unheimlich aufwändig und unkomfortabel. Apropos – ebenfalls toll: Die Offline-Funktionalität von Spotify. 320 kbit/s beträgt die Qualität der Songs dann auf Wunsch und ist man über eine mobile Datenverbindung am Smartphone online, kommt man beim Öffnen der Android-App direkt in den Einstellungen raus, um bei Bedarf in den Offline-Modus zu wechseln.

Umständliche Verwaltung oder: Wieso nur Playlists?

Diesen wirklich tollen Aspekten steht einer gegenüber, der mir persönlich den ganzen Spaß an Spotify verdorben hat: Playlists. Die Verwaltung der Songs läuft im Prinzip ausschließlich über das Anlegen von Playlists. Was ich am Desktop zähneknirschend hinnehme, führt spätestens mobil zum Haareraufen. Es gibt nämlich am Desktop z.B. keine direkte Möglichkeit um nur ein einzelnes Album zu hören. Um das zu bewerkstelligen, müsste man die Suche betätigen, das Album heraussuchen um es dann zu hören, was sehr umständlich ist.

So richtig nervig wird es aber erst, wenn es an die Synchronisierung der Songs auf die mobilen Endgeräte geht. Die können nämlich ausschließlich dann synchronisiert werden, wenn sie Teil von Playlists sind, denn zur Synchronisierung werden eben diese Playlists genutzt. Man kann also keine einzelnen Songs oder einzelnen Alben synchronisieren, so lange man nicht den Workaround geht und z.B. für jeden Künstler oder jedes Album eine eigene Playlist anlegt. So habe ich mir dann übrigens auch beholfen.

Nun liegt gewissermaßen natürlich die Frage auf der Hand, warum ich denn so penetrant gegen Playlists bin. Die Antwort liegt in meinem Konsumverhalten begründet. Ich höre Musik stets albumweise und auch nicht gerne Artist-übergreifend. Eine bequeme und direkte Möglichkeit, um die eigene Sammlung bequem darüber zu verwalten, fehlt in Spotify. Und, dass nur Playlists synchronisiert werden können, erschwert das nur unnötig. Ich für meinen Teil halte darüber hinaus nichts von Playlists.

Spotify will mich nicht

Die nächste Frage wäre naturgemäß dann die, warum ich überhaupt diese Zeilen schreibe und nicht einfach zu einem Dienst wechsle, der mir eher entgegenkommt. Schließlich gehöre ich wohl einfach nicht zu den potentiellen Nutzern, die Spotify anpeilt. Wer mich kennt weiß, dass ich das aber gar nicht erst so könnte. Außerdem finde ich es schade, dass der sonst echt gute Streaming-Dienst bei einer solch grundsätzlichen Funktion schlicht versagt. Ja, Spotify glorifiziert Playlists mit Absicht und sieht in ihnen die Zukunft von Musikstreaming – dafür allerdings eine essentielle Navigations-Funktion nicht zu implementieren, finde ich kritisch.

Dem gegenüber stehen toll implementierte Funktionen und großartige Apps. Spotify kann wirklich Spaß machen und ist teilweise richtungsweise für Musikstreaming. Und dann fehlt es an essentiellen Dingen. Es ist beinahe schon paradox, wie nahe beides beieinander liegen kann.

Wenn ich das in den letzten Monaten richtig beobachtet habe, wird Spotify oft über alle Maßen gelobt und für das Nonplusultra gehalten. Soweit ist der Dienst aber (noch) nicht, dafür fehlen einfach noch Funktionen. Ich denke auch, dass es definitiv richtig wäre, wenn man mal den Ball flach hält und die übermäßigen Belobungen gut sein lässt. Spotify ist ein Musikstreaming-Dienst, wie jeder andere und insgesamt nicht viel schlechter, aber auch nicht um Welten besser, als die Konkurrenz.

  • Florian

    Da geht es mir genauso wie dir, ich verwalte und höre meine Musik nach Interpreten und Alben. Ich möchte auch einfach einen meiner favorisierten Interpreten auswählen können um zu sehen ob ein neues Album bereits verfügbar ist.
    Deswegen bin ich derzeit auch bei Deezer, anstatt bei Spotify. Dort kann ich Interpreten und Alben einen Stern verpassen. Die werden mir dann übersichtlich in Lieblingsalben bzw. Lieblingskünstler kategorisiert. Nur in der Android-App gibt es den Punkt Künstler derzeit noch nicht, aber wenn ich ein Lied aus einem Album abspiele habe ich im Menü die Möglichkeit zum Künstler zu springen.

    Ein anderer Punkt den ich bei Spotify sehr kritisch sehe ich die fehlende Web-App. Wenn ich irgendwo hinkomme möchte ich den Browser öfnen und Musik abspielen können. Außerdem finde ich es sehr unschön dass jeder der meine Musiklinks hören möchte Spotify installiert haben muss.

    • http://CocasBlog.de Coca

      Web-App ist ein sehr guter Punkt, vor allem zusammen mit geteilter Musik. Ich lasse Spotify auch weiterhin installiert – alleine, weil das Sharing zu Tumblr hin wirklich klasse ist. Aber, dass die Leute dann extra Spotify installiert haben müssten, ist Käse. Eine Web-App würde genau da den Hebel ansetzen können.

  • http://www.lordysweblog.net Lordy

    Ich kann die Meinung durchaus verstehen und teile sie auch zum Teil. Allerdings bietet Spotify so viele Vorteile, dass ich diese leicht ertrage.

    Was mich manchmal noch zum kochen bringt… man kann nicht ein einzelnes Lied allein in Dauerschleife hören, wenn man es nicht allein in eine Playlist packt… das ist… schade :D.

  • http://www.passsy.de Pascal Welsch

    Ich glaube du machst es dir ein wenig zu kompliziert. Bin selbst Premium Nutzer von Spotify und kann deine Probleme gar nicht nachvollziehen.

    Zu einem Album im Desktop Client kommt man doch recht einfach. Man muss doch nur auf den Namen des Albums klicken. Egal wo es steht man kommt immer direkt zum Album und kann dann nur das von vorne nach hinten anhören. Offen mal den Link zum Beispiel: spotify:album:69TDMSA3nygTLzRFycVK3A Nur das Album!

    Wenn ich nur einen einzelnen Song auf meinem Smartphone haben will, dann mache ich einfach einen Stern dran. Die werden bei mir automatisch runtergeladen. Das gleiche gilt natürlich auch für Alben.

    Warum Spotify die Playlists so pushed sollte aber klar sein. Das ist nämlich das einzige Gut was Spotify hat. Es weiß durch die Playlists welche Lieder vom Style und Genre her zueinander passen um diese dann im Radio vorzustellen.

    Welche konkrete Funktion fehlt dir denn?

    • http://CocasBlog.de Coca

      Ja, das man durch Klicken auf den Albumtitel auf das gesamte Album kommt, kenne ich. Ich finde aber auch das immer noch zu umständlich, da ich im Prinzip erst eine Playlist (respektive Favoriten) öffnen, dann einen Song vom Album suchen und dann aufs Album klicken müsste, um dort zu landen. Das muss zack zack sofort gehen und übersichtlich sein.

      Über Favorisierungen habe ich auch lange meine Musik bei Spotify verwaltet und so versucht, eine Art Alben-Management aufzubauen. Hat natürlich nicht funktioniert, war irgendwann viel zu groß und dementsprechend (wieder einmal) unübersichtlich. Wenn ich außerdem ganze Alben favorisiere und diese innerhalb der Favoriten aufs Mobile Device herunterlade, habe ich dort auch einen Riesenwust an Songs und das Hören eines einzelnen Albums kann ich mir wieder schenken.

      Playlists sind sicher, auch wegen der von Dir genannten Vorteile, eine tolle Sache für viele Nutzer. Ich für meinen Teil weiß, welche Musik ich hören will und verfolge auch zig Musikblogs, wo ich mir dann gezielt neue Musik suche. Die Radio-Funktion habe ich dementsprechend nur einmal kurz angetestet und dann schulterzuckend deaktiviert.

      Der vorletzte Satz ist eigentlich der Kerngrund für meine Abneigung gegen Spotify: Ich weiß genau, welche Musik ich haben will und will ausschließlich diese übersichtlich und klassisch organisieren können (in etwa, wie man es von MediaMonkey, Songbird etc. her kennt). Dementsprechend sieht mein aktuelles Optimum so aus: rdio. Das bietet mir genau diese Verwaltungsmöglichkeit, indem ich einfach Alben und Songs in meine Sammlung aufnehme. Dort kann ich die dann übersichtlich nach Artist filtern und mir dann das jeweilige Album heraussuchen. Für mich perfekt (gibts auch in baldiger Zukunft einen weiteren Beitrag auf dem Blog darüber). :)

  • http://blog.axxg.de Alexander

    Ich konnte mich noch nicht mit den Streaming-Diensten anfreunden. Irgendwie fehlt mir die Zeit um soviel Musik zuhören, dass sich so ein Dienst bei mir rechnen würde^^

    Im Alltag höre ich maximal 30 Minuten am Tag (Weg zur Arbeit und zurück) und beim Sport höre ich meistens meine Podcasts.

  • Henning

    Hi, habe spotify durch einen Handy Vertrag für lau bekommen. Deswegen habe ich mich vorher nicht mit beschäftigt. Als ich dann gestern ausprobiert habe, hab ich verzweifelt nach einer Lösung deines Problems gesucht. Unglaublich das diese Funktion nicht implementiert ist. Kenne ich von deezer und grooveshark besser.

    Hat Du schon eine Lösung gefunden oder du gar mehr bei spotify? Lg henning

    • http://about.me/charles.engelken Charles Engelken

      Bei Spotify ist es inzwischen möglich, ein komplettes Album bequem als eigene Playlist abzuspeichern. Das vereinfacht den Zugriff etwas, wird bei vielen Playlists aber schnell unheimlich übersichtlich.

      Im Kern spezialisiert sich Spotify also noch immer auf eine Verwaltung via Playlists. Da wird wohl auch in Zukunft nicht allzu viel kommen. Wenn man das unbedingt benötigt (so wie ich z.B.), ist man gezwungen, auf Alternativen wie Rdio auszuweichen.

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