WikidPad – mach’s gut Zettelwirtschaft, es war nicht schön Dich gekannt zu haben

Ich saß neulich so in der Berufsschule und mein Banknachbar machte in OneNote. Mir war diese bis dato vollkommen unbekannt, Asche auf mein Haupt. Das Prinzip sah echt cool aus: Man macht Notizen, Zeichnungen, Tabellen und so weiter und kann diese geordnet in Baumstruktur ablegen. Eigentlich gar kein Hexenwerk, MS hat das nur besonders ansprechend zusammengezimmert. Sowas in der Art wünsche ich mir schon länger, natürlich zum einen für die Berufsschule. Zum Anderen ist es aber auch für die verschiedensten Projekte, die man so “am Laufen” hat, ziemlich gut. Ich zumindest mache häufiger an einem davon etwas und lasse es dann teilweise mehrere Tage oder Wochen liegen. Da muss man natürlich ordentlich dokumentieren, sonst fängt man jedes Mal wieder von 0 an.

Also mal mein übermenschliches Googlefu angeworfen: Gibt es das (oder etwas vergleichbares) auch für nicht--Betriebssysteme?

Logo, gibt es. Sogar verschiedenste Lösungen dafür. Dabei fiel mir WikidPad auf, das als “vollkommen Pythonbasiert” bezeichnet wurde und durch den Namen auch ein paar vertraute Glocken klingeln ließ – Wikis hat ja nun wirklich jeder. WikidPad macht folgendes: Es legt ein lokales Wiki auf eurem Rechner an, welches ihr über ein (etwas spartanisches) Editor-Frontend managen könnt. Dabei läuft auf eurem Rechner eine SQLite-Datenbank, in der der ganze Content abgelegt wird. Coole Idee. Und gibt’s für alle wichtigen Plattformen – sprich Windows, und Mac . Was richtig sexy ist: WikidPad kann euer ganzes Wiki als HTML exportieren. Und wenn ihr schon ein Wiki habt (bspw. ein firmeninternes, scheint weit verbreitete Praxis zu sein) könnt ihr den Kram aus WikidPad da ohne Änderungen reinkopieren.

Über die Sourceforge-Seite von WikidPad lässt sich der Quellcode (der wirklich nur ein großer Haufen Pythonskripte ist) beziehen. Diesen kann man einfach irgendwo in seinem Dateisystem ablegen und auch, installierte Pythonlibraries vorausgesetzt, direkt ausführen. Natürlich will man das aber ein wenig komfortabler aus seiner Desktopumgebung starten.

An notwendigen Paketen sind folgende zu nennen:

python-wxgtk2.8 python-wxversion

Folgende Schritte waren darüber hinaus bei mir (Unter Xubuntu 12.04, klappt aber mit so ziemlich jedem Debian-Derivat) notwendig:

sudo mv <WikidPad-ordner> /usr/share/wikidpad
sudo chown root /usr/share/wikidpad
sudo chmod 664 -R /usr/share/wikidpad (damit alle User den Ordner lesen können, aber nur root etwas ändern kann)
sudo chmod 666 /usr/share/wikidpad/WikidPad-winport.config

Anlegen eines Shellskripts:

#!/bin/bash
cd /usr/share/wikidpad
python WikidPad.py

 

Mit dem Shellskript kann man dann einen Starter in der Desktopumgebung seiner Wahl anlegen. Nach dem ersten Start präsentiert sich das UI in dieser Art:

Das Hilfe/Erste-Schritte-Wiki sollte man sich ernsthaft gründlich anschauen. Die Software wirkt zwar zuerst unscheinbar, bringt aber eine metrische Tonne Funktionalität mit, die natürlich nicht hübsch grafisch aufbereitet wurde; viel Konfiguration wird über Textdateien gemacht. Leute, die häufiger mit *NIX arbeiten werden das sicher gewohnt sein. Die wichtigste Funktion wird aber wohl die “Append Wiki Word”-Funktion sein, die einen neuen Unterknoten in der Baumstruktur erzeugt. Wenn ihr WikidPad nur als Notizbuch benutzt, wird euch diese vermutlich sogar ausreichen. Man kann mit WikidPad allerdings auch ToDo-Listen verwalten (gibt dafür extra reservierte Schlüsselwörter) und hat natürlich alle Vorzüge eines Wikis. Wie gesagt, am besten lest ihr euch in der Hilfe-Datei selbst schlau, da stehen viele gute Tricks drin.

Ich bin da jetzt auch selber noch nicht total fit drin, benutze es aber mittlerweile produktiv und bin sehr angetan davon – Die Software hat alles was ich erwarte. Offener Quellcode, offener Standard und ein User Interface, das einen nicht direkt mit Klickibunti erschlägt. Einziger Wehrmutstropfen ist da, dass die im Hintergrund arbeitende SQLite-Datenbank das ganze manchmal etwas träge macht, gerade wenn das Wiki umfangreicher wird und man eine schwache CPU nutzt. Das Problem taucht auf meinem i7 Hexacore allerdings bislang nicht auf… ;-)

Bildquelle: AboutPixel
  • http://www.blendstufe.de Benno

    Dir war ONENOTE unbekannt?!? Was zum Teufel…. Microsofts BESTE Software? :D Respekt! :))

    Guter Artikel dennoch ;)

  • Can

    Schön das du mich in deinem Artikel einschließt ;D . War mir eine Ehre dir einen Denkstoß zu geben. Artikel ist dir übrigens gut gelungen.
    Dein Banknachbar

  • https://www.google.com/profiles/114464898428578677571 Massimo Castell

    OneNote ist mein Retter seit ich es vor knapp einem Jahr kennen gelernt habe. Und es gibt es auch für Android und iOS.

    Guter Blog Eintrag.

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