WiMP: Der neue Musikstreaming-Dienst im Test

Musikstreaming wurde spätestens durch Grooveshark salonfähig, bis der Dienst in Deutschland seine Pforten geschlossen hat. Und allerspätestens mit dem Launch von Spotify ist auch Musikstreaming auf Freemium-Basis hierzulande in aller Munde. Vor einigen Wochen startete dann auch der norwegische Streaming-Dienst WiMP in Deutschland und muss sich einigen starken Konkurrenten stellen. Ich hatte die Gelegenheit mir den Streaming-Dienst in seiner kompletten Funktionalität anzuschauen und will hier meine Eindrücke mit euch teilen. Also: kann sich gegen die Konkurrenz behaupten?

Was genau ist WiMP?

Hinter WiMP (steht für Wireless Music Player) steht das norwegische Unternehmen Aspiro, die ihren Dienst Anno 2010 in Norwegen gestartet haben und inzwischen neben Norwegen auch Nutzer in Dänemark, Schweden und eben Deutschland mit Musik versorgen. Im Gegensatz zu Spotify z.B. geht WiMP eher den klassischen Weg der Navigation und setzt nicht so außerordentlich stark auf Playlists. Songs können also klassisch über Artists, Alben, Playlisten und natürlich über die Suche aufgerufen werden. Artists und Songs wiederum lassen sich für eine leichtere Verwaltung favorisieren, sodass sie schneller aufgerufen werden können.

Das Streaming der rund 13 Millionen Songs umfassenden Musikbibliothek erfolgt in zwei Qualitätsstufen: einer niedrigen und einer höheren. Die niedrigere Stufe streamed 64kbit/s HE-AAC-Dateien, die höhere 265 kbit/s AAC-Dateien. Die gewählte Stufe kann dabei in den Einstellungen gewählt werden. Bei der Registrierung müsst ihr übrigens eure Mobilfunknummer angeben, die dann als euer Nutzername benutzt wird – das nur am Rande erwähnt.

WiMP finanziert sich dabei komplett über kostenpflichtige Abonnements. Das Freemium-Modell ist hierbei lediglich auf eine Testzeit von 30 kostenlosen Tagen begrenzt. Die erste Kostenstufe ist dann “WiMP Basic” für 4,99 Euro pro Monat, die einem das Streamen der Musik auf den bzw. PC und/oder den Mac ermöglicht. Für 9,99 Euro gibt es das “WiMP Premium” Abo, das zusätzlich noch die Nutzung des Dienstes am Smartphone (unterstützte Systeme sind dabei , , Windows Phone 7 und Symbian/Meego), iPad, Sonos und der Squeezebox erlaubt. Bezahlt wird per Lastschrift oder Kreditkarte und Mindestlaufzeiten gibt es generell nicht. Erwähnenswert ist außerdem noch, dass die Registrierung unbedingt über eine Mobilfunknummer erfolgt, was dem Einen sicherlich nicht gefallen dürfte, dem anderen herzlich egal sein wird (ich persönlich gehöre zur zweiten Gruppe).

WiMP auf dem Desktop

Die Nutzung des Dienstes am Desktop läuft dabei über die eigene Anwendung – eine -App gibt es nicht. Die Desktop-Applikation basiert dabei auf Adobe AIR und ist daher systemübergreifend einsetzbar. Ob man Adobe AIR nun mag oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Zumindest läuft die Anwendung problemlos, sieht ganz gut aus und erinnert stellenweise ein wenig an Microsofts Metro UI (z.B. bei der Titelleiste). In den Einstellungen lässt sich übrigens auch Last.fm in WiMP integrieren. Zum Einen werden gehörte Songs dann auf Last.fm gescrobblet und zum Anderen kann man sich personalisierte Empfehlungen innerhalb von WiMP anzeigen lassen.

WiMP Desktop-Client unter Windows

Die Anwendung teilt sich dabei in drei Bereiche auf: Die linke Sidebar für die Navigation, den unteren Bereich mit der Player-Buttons und der Warteschlange, sowie dem Hauptbereich, der den restlichen Platz einnimt. Dort werden dann entweder Neuheiten oder Empfehlungen vorgestellt, oder aber Favoriten, Suchergebnisse usw. Insgesamt ist das Ganze relativ übersichtlich gelöst.

Das, was meinen ansonsten recht positiven Eindruck trübt, ist ganz einfach Adobe AIR. Zwar läuft die Desktop-Applikation, wie gesagt, ganz gut – allerdings ist Adobe AIR an sich schon unsympathisch genug, wie ich finde. Dadurch, dass man auf Adobe AIR setzt, sieht die Anwendung außerdem auch auf keinem System wirklich komplett nativ aus, sodass man den Eindruck bekommt, dass eine gewisse Inkonsistenz vorherrscht. Im Prinzip lässt sich generell sagen: Der Desktop-Client funktioniert, bietet aber genügend Spielraum für künftige Verbesserungen. Eines aber muss man ihm anrechnen: Der Desktop-Client ist definitiv übersichtlicher gestaltet, als der von Spotify!

Mobiles Streaming mit WiMP

Mindestens genauso wichtig, wie das Streaming auf dem Desktop, ist auch die mobile Verfügbarkeit der Songs. Das Wichtigste ist hier natürlich die Möglichkeit, Songs auch offline hören zu können, damit man auch im Zug nicht auf seine Musik verzichten muss. Selbstredend bietet auch WiMP diese Funktion an und die Downloads der Songs gehen hier schnell von der Hand.

WiMP für das iPad

Im Premium-Abo erlaubt es WiMP dann, drei mobile Geräte über die Apps mit seinem Benutzerkonto zu verbinden und diese für die Nutzung zu authorisieren. Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich die App nicht zeitgleich auf meinem iPad und meinem Galaxy Nexus laufen lassen konnte – auf einem der beiden Geräte wurde ich immer ausgeloggt.

Ansonsten funktioniert der mobile Teil recht gut. Die Navigation ist auch hier übersichtlich gelöst. Optisch kann die iPad-App größtenteils überzeugen. Zwar sieht die App nicht so modern und frisch aus, wie Spotify – dafür aber ist sie sauber umgesetzt. Die Android-App hingegen enttäuscht mich im Vergleich. rdio und Spotify bieten hier beide optisch tolle Apps, die auch bereits an Android 4.0 angepasst sind. WiMP ist unter Android weder optisch toll, noch an Ice Crean Sabdwich angepasst Außerdem erinnert mich die App vom Layout her ein bisschen zu sehr an den typischen Aufbau einer iPhone-App.

(Verbesserungs-)Potential ist da

Über den Artikel hinweg habe ich WiMP einige Male mit konkurrierenden Diensten verglichen. Sowas mag irgendwann ermüden, allerdings führt da kein Weg dran vorbei – insbesondere dann nicht, wenn die Konkurrenz einen wirklich guten Job macht. Während WiMP ganz generell gesagt schlichtweg funktioniert (was positiv gemeint ist) merkt man bei der Nutzung, das es an einigen Stellen noch Luft nach oben gibt. Etwas moderner, etwas nativer, etwas mehr “wow” – das wünsche ich mir für WiMP wünschen. Spotify und rdio machen da einfach bessere Jobs.

Darüber hinaus würde ich mir für die Zukunft noch eine Web-App bieten, wie bei rdio. Bin ich mal bei einem Freund und will ihm was vorspielen, müsste ich ihn dann nicht mit der minderen Audioqualität der Smartphone-/Tablet-Lautsprecher nerven. Meinetwegen soll das dann Teil des Premium-Abos werden. Es wäre halt eine Vervollständigung des Angebotes und ein weiteres Feature, mit dem der Dienst prahlen kann.

Was ich dem Dienst dagegen positiv bescheinigen muss, sind ebenfalls einige Dinge: auch, wenn man optisch keine Bäume aus dem Boden reißt, funktionieren alle Anwendungen wirklich wunderbar und Navigation und Übersicht sind klasse gelöst. Auch bei der Verfügbarkeit von Songs hatte ich keinerlei Probleme. Zwar liegt man, gemessen an den puren Zahlen, unter denen von Spotify und rdio (13 Millionen bei WiMP gegen 16 Millionen bei Spotify und 15 Millionen bei rdio), allerdings habe ich in meinem Test bei wirklich jeder Suche auch das entsprechend passende Ergebnis bekommen, wozu ich ebenfalls anmerken muss, dass ich kein Hörer von Charts-Musik bin und daher auch wirklich sehr gerne eher unbekannten Künstlern zuhöre, bei denen man annehmen könnte, dass sie evtl. nicht Bestandteil des Angebots eines Streaming-Dienstes sein könnten.

Würde ich WiMP also derzeit empfehlen? Das ist schwierig zu sagen. WiMP hat eindeutig Potential, hat aber aktuell noch nicht ganz zur Konkurrenz aufschließen können, wie ich finde. Wer einfach nur einen funktionierenden Streaming-Dienst sucht, wird sich mit WiMP garantiert anfreunden können, denn genau das tut WiMP wirklich gut. Auf der anderen Seite funktionieren aber auch Spofity und rdio ebenfalls reibungslos. Heute würde es mir also schwierig fallen, WiMP wirklich zu empfehlen, hierzu müsste man einfach die kommenden Wochen und Monate abwarten, bis der Dienst die User Experience weiter verbessert.

Vor allem am Desktop und unter Android muss sich was tun. Ist das gegeben, können wir sicherlich noch einmal über ein neues Fazit sprechen. Bis dahin aber kommt WiMP eindeutig noch nicht an die Konkurrenz heran, was schade ist, denn irgendwo ist mir WiMP innerhalb meiner Testzeit sympathisch geworden und ich würde mir wünschen, dass hier möglichst bald entsprechende Verbesserungen kommen.

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  • Dominik

    Is ja doof. Man kann sich nur mit deutscher Telefonnummer registrieren.
    Klang nämlich ziemlich interessant.

    Mit den Playlisten bei Spotify werd ich nicht warm. Dafür gefällt mir die Last.fm Einbindung, die schöne Android App und das man Alben sofort als ganzes findet.

    Benutze derzeit Grooveshark, dabei nervt mich aber das es doch sehr unsortiert ist. Alben muss man sich selbst zusammensuchen, außer man hat Glück. Viele Lieder sind außerdem falsch getaggt Die Android App funktioniert aber sehr gut!

    Wäre auf jeden Fall bereit die 10 Euro pro Monat zu zahlen, vor Allem da ich auch gern am Handy streamen würde.

    Hast du außer den 3 genannten vl noch einen Tipp?

    • http://CocasBlog.de Coca

      Oh, stimmt. Das mit der Mobilfunknummer wollte ich eigentlich noch erwähnt haben. Trage ich gleich nach, Danke für den Reminder! Hier in Deutschland ist Simfy noch eine Alternative, wenngleich ich den Dienst für nicht mehr nennenswert halte, da die Richtung klar nach unten zeigt. Dazu gibt es noch einige andere Anbieter, wie z.B. Rhapsody und Napster. Eine Zusammenstellung findest Du bei t3n. :)

  • http://www.musikflatratez.de Sandra

    Hi meines Erachtens waren doch groveshark eingestellt … Alternative zu wimp wäre spotify, simfy und mein Liebling Musicmonster aktuell gibt’s dazu leider keine Aktion Richtung Weihnacht schade … Habe aber gelesen dass wimp über nen Drittanbieter 60 Tage zu testen sei … Kann das leider nicht testen weil mir der Mut zur Lücke fehlt aber als Gedächtnisstütze reicht es ;) http://www.musikflatratez.de/blog/60_tage_testen_wimp_dank_gruenderszene_de finde deinen Test bemerkenswert interessssant und freue mich dass es sowas noch gibt wo man mit kleinem Frauchen was erklärt ;) by San

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