Windows 10 und wie Microsoft zu neuer Stärke fand

Gestern hat im Rahmen einer Keynote den aktuellen Stand von  gezeigt und es zeigte sich, dass zum ersten Mal die wirkliche Chance auf ein erstklassiges und konsistentes OS-Ökosystem hat.

Während Windows 8.x grundsätzliches einiges richtig machte und mir in vielen Bereichen auch recht gut gefällt, gibt es ebenso viele Bereiche, in denen das Konstrukt einfach nicht funktionierte – vor allem auf Convertibles, die prinzipiell perfekt für Windows geeignet sind, zeigt sich das unumgänglich, wenn die Software-Tastatur nach einem Tap ins Eingabefeld auftaucht, obwohl die Hardware-Tastatur aktiv ist. Derlei Auffälligkeiten, an denen man merkt, dass Microsoft nicht zu Ende dachte, gibt es eine ganze Menge.

Auch Windows Phone stagniert seit einiger Zeit auffällig. Sicher: Mit Windows Phone 8.1 kamen wieder einige nützliche Features hinzu, die grundsätzliche User-Experience ist allerdings seit 2010 die Gleiche. Während es das OS bei mir persönlich über zwei Jahre lang schaffte, mich zu fesseln und ich so mehrere Monate zu Windows Phone als Daily-Driver, statt zu Android, griff, hat sich all das inzwischen abgenutzt. Es fühlt sich müde und abgenutzt an – streckenweise auch, weil sich die App-Situation in all den Jahren in den essentiellen Punkten kein Stück verbessert hat.

Und dann kommt Microsoft

Die Technical-Preview zeigte bereits, dass Microsoft aus der Vergangenheit gelernt hat und sich insgesamt auf dem richtigen Weg befindet: Virtuelle Desktops, ein zentraler Ort für Benachrichtigungen sowie smarte und gut umgesetzte Features, wie Cortana, lassen aufhorchen. Hinter den Kulissen ist man darüber hinaus schon ein ganzes Stück weiter. Die dort verfügbaren Builds zeigen ein komplett anderes Startmenü, eine überarbeitete Taskleiste sowie den Wegfall der Charms-Bar, die gegen eine Notification-Leiste mit Quick-Toggles ausgetauscht wurde, welche in ihren Grundzügen zugegebenermaßen etwas an OS X erinnert.

Nicht nur die Benachrichtigungszentrale aber erinnert an OS X; Microsoft hat adaptiert einige Grundsätzlichkeiten des Apple-Betriebssystems, ist allerdings in der Lage, diese scheinbar besser umzusetzen. Hierzu zählt allem voran Konsistenz. Windows 10 wird macht in seinen Grundfesten sowohl am Desktop, als auch am Tablet und Smartphone einen gleichermaßen durchdachten Eindruck. Eine solche Leistung hätte ich Microsoft ehrlich gesagt nicht mehr zugetraut.

Dazu scheint Microsoft endlich verstanden zu haben, dass Einheitlichkeit nicht mehr nur eine gleich wirkende Optik voraussetzt, sondern auch Integrationen der einzelnen Apps und Daten zueinander. Über OneDrive werden Daten in Zukunft hin- und hersynchronisiert, sodass sie überall zur Verfügung stehen – egal, welches Windows-Device man gerade nutzt. Diese Integrationen auf Systemebene sind für eine entsprechende User-Experience mindestens ebenso wichtig, wie ein kohärentes Design des Betriebssystems und dessen Applikationen.

Mir persönlich geht es hier weniger um einzelne Features, wie z.B. das erwähnte (und offenbar sehr cool umgesetzte) Cortana für den Windows-Desktop oder Project Spartan, als viel mehr um das große Ganze. Mit (dem nicht ganz neuen) Continuum erkennt das System automatisch, ob beispielsweise bei einem Convertible gerade das Tastatur-Dock angeschlossen ist, stellt somit alle Anwendungen als Fenster dar und auch das Startmenü wird dann als solches angezeigt.

Entfernt man das Convertible dann vom Dock, kann man über eine Benachrichtigung in den Tablet-Modus wechseln. Modern-Apps werden dann im klassischen Fullscreen-Design dargestellt, das Startmenü gegen den Start-Screen ausgetauscht. Jenes Startmenü sah im gezeigten Build sehr cool aus und bringt mich fast schon dazu, meinen inneren Frieden mit dem Startmenü zu schließen, welches ich bis zu Windows 7 nicht leiden konnte.

Windows-Smartphones leben wieder

Auch im Smartphone-Bereich kommt wieder Leben ins Spiel. Die App-Bar wurde generalüberholt und die Settings-App endlich aufgeräumt. Auf Nachrichten kann man über Quick-Replies direkt innerhalb der Benachrichtigung antworten. Besonders cool ist der Einzug des Ribbon-Menüs in den Office-Apps, wodurch sich Texte um einiges leichter formatieren lassen dürften. Insgesamt wirkt das OS nicht mehr trist, sondern durch den häufigeren Einsatz heller und kräftiger Farben freundlicher, einladender.

Es kommt einiges an Bewegung ins mobile Windows 10 und Microsoft beharrt stärker denn je darauf, dass man ein einheitliches Betriebssystem für alle Geräteklassen mit ebenso einheitlichen Layouts bieten will. Die Microsoft-eigenen Applikationen, die man zeigte, passen natürlich hervorragend in diese betonte Konsistenz.

Microsoft kann wieder rocken

Desktops, Laptops, Convertibles und Smartphones sollen also einer kohärenten Strategie folgen – davon sprach man bei Microsoft bereits länger, insofern zeigen sich die Redmonder offenbar endlich konsequent und durchdachter. Allerdings soll es nicht nur dabei bleiben, denn Windows 10 wird auch für die Xbox One erscheinen; spannend finde ich diesbezüglich aber vor allem den neu vorgestellten Surface Hub, ein 84” großes Multitouch-Gerät mit 4k-Auflösung, welches vor allem im Business-Umfeld eingesetzt werden soll. Das Konzept wirkt ausgereift, Meetings sollen dadurch medienlastiger und besser werden. Mir fiel dabei eigentlich nur eines ein:


Wirklich großartig wurde es dann aber nochmal mit HoloLens, einer Datenbrille, die Virtual-Reality noch ein ganzes Stück weiter nach vorne bringt, als die Google Glass. Letztere ebnete selbstredend den Weg für derlei Gadgets, allerdins zeigt Microsoft, was hier derzeit so alles möglich ist. Mit der Brille lassen sich Gegenstände virtuell abbilden und sogar anfassen, da die HoloLens auch Handbewegungen interpretieren und umsetzen kann.


Es hängt an den Entwicklern

Microsoft zeigte sich auf der gestrigen Keynote fast durchweg von seiner stärksten Seite. Windows 10 macht vor allem als Desktop-OS einen tollen Eindruck; Konsistenz, Usability und Design werden endlich groß geschrieben – vor allem Continuum wird hier maßgebend sein. Dazu zeigte man tolle und innovative Geräte mit dem Surface Hub und der HoloLens. Ich für meinen Teil hätte nicht gedacht, dass die Idee eines einzelnen Betriebssystems für alle Geräteklassen in der heutigen Zeit noch möglich wäre – vor allem nicht von Microsoft. Ich muss also zugeben, dass ich eines besseren belehrt wurde. Wenn Microsoft das halten kann, was sie gestern versprachen, schaffen sie etwas, das die Konkurrenz in dieser Konsequenz bisher nicht hinbekommen hat.

Wenn Microsoft am Ende des Tages also die Steine legen kann, hängt es im Grunde an der Developer-Community, diese Chance zu nutzen und Windows 10 zu dem zu machen, was es verdient: Einem tollen OS-Ökosystem. Vor allem Drittanbieter-Anwendungen wurden seit Jahren von schlechten (und nicht standardisierten) App-Designs, Verschachtelungen und Co. geplagt. Wenn sich das ändert, könnte Microsoft hier ein großer Wurf gelingen und davon bin ich überzeugter, denn je. Microsoft ist durch das großflächige Windows-8-Debakel offenbar endgültig in Fahrt gekommen.

Am Rande erwähnt:

  • Windows 10 soll als Upgrade für Nutzer mit Windows 7 und Windows 8.1 sowie Windows Phone 8.1 innerhalb des ersten Jahres kostenlos als Upgrade erhältlich sein.
  • Eine neue Preview-Fassung zur Desktop-Fassung wird es innerhalb der nächsten Woche und eine Preview zur Phone-Variante soll analog dazu im nächsten nächsten Monats im Rahmen des Insiders-Programm

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