Windows 8.1 auf 8”-Tablets und das Potenzial für das mobile Büro der Zukunft

8”- sind sexy – weder sind die Geräte typischerweise zu klein, noch zu groß. Sowohl im Beruf, als auch privat habe ich seit einiger Zeit oft mit solchen zu tun und zuletzt interessierte mich da vor allem auch, wie Windows 8.1 denn in diesem Formfaktor funktioniert. Aus diesem Grunde habe ich mir ein Testgerät des Dell Venue 8 Pro geordert.

In diesem Bericht wird es also weniger um das Tablet an sich gehen, denn das hat ja schon ein paar Monate auf dem Buckel und im Netz findet ihr massenweise lesenswerte Testberichte zu diesem Tablet. Stattdessen möchte ich eben ein wenig darüber erzählen, wie sich Windows 8.1 im kleinen Format denn so schlägt.

In Sachen Bedienung schlägt sich Windows 8.1 dem Tablet recht gut. Generell bin ich großer Fan der “Modern-Idee”, allerdings ist die Bedienung auf größeren Tablets doch sehr aufwändig, da praktisch jede Ecke des Tablets mit einer Funktion belegt ist, sodass man oft die haltende Hand wechselt. Das ist früher oder später mühselig und strengt unnötig an. Auf dem kleineren Formfaktor ist diese Problematik weit weniger störend, wodurch das Bedienungskonzept auch direkt intuitiver wirkt.


Der Windows Store ist weiterhin vergleichsweise leer und vorhandene offizielle App-Angebote wurden bisher oft schlecht umgesetzt. Das ist natürlich extrem unpraktisch bei einer Plattform, die ich am kleinen Tablet vorrangig mit Modern-Apps bedienen möchte, da diese eben prinzipiell besser an den 8”-Formfaktor angepasst, als die Desktop-Anwendungen.

Generell machen Modern-Apps unter acht Zoll aber mehr Spaß, als auf größeren Tablets oder sogar Laptops. Das generelle Modern-Layout ist oftmals weit davon entfernt, “polished” zu wirken, jedoch fällt das auf dem kleineren Gerät weniger auf.


Klassische Desktop-Apps sind für die Touch-Bedienung auf einem 8”-Tablet natürlich nur bedingt geeignet und insgesamt nur mit wenig Spaß verbunden. Man muss die Darstellung der einzelnen Elemente schon auf mindestens 150 Prozent hochskalieren, ansonsten kann man die Bedienung völlig vergessen. Das ist aber nur wenig überraschend.

Eigentlich ist die Möglichkeit, klassische Anwendungen nutzen zu können, aber auch eine Stärke des Systems, denn im Endeffekt kommt man dem Ziel, für alle Anwendungsfälle lediglich ein Endgerät zu benötigen, mit einem solchen Tablet schon sehr viel näher, als mit einem klassischen 10”er. Am Schreibtisch wäre dann eine Dockingstation denkbar, mit dem sich der Arbeitsplatz-PC bzw. das Laptop ersetzen lassen könnten, mobil könnte man dann im Tablet-Formfaktor agieren. Ein Laptop-Dock wäre dann ebenfalls denkbar. ASUS produziert mit der Padfone-Reihe ja bereits Geräte mit einem ganz ähnlichen Konzept mit Android-Geräten.

Selbstgemachte Probleme

Einige Windows-Funktion trüben das Gesamtbild insgesamt dann aber doch merklich. Nervig empfand ich vor allem die Synchronisation der Windows-Einstellungen. Das ist als solches eine lobenswerte Funktion, die prinzipiell einiges vereinfacht, andere Dinge aber erschwert. Ich fand es beispielsweise sehr nervig, dass ich beim Entsperren stets das Passwort meines Microsoft-Kontos eingeben musste. Das hat nicht gerade wenige Zeichen und wenn ich die Aktion beim Einschalten am Tablet verändern möchte, wird somit auch die Einstellung an meinem Windows-Notebook entsprechend angepasst.

Dort aber möchte ich das lange Passwort eingeben, denn am Laptop steht mir eine echte Tastatur zur Verfügung. Die Software-Tastatur ist schlichtweg unpraktisch, sodass ich das Tablet deswegen des Öfteren eben doch nicht zur Hand genommen habe. Entweder wäre also eine stark verbesserte Software-Tastatur oder die Möglichkeit zur getrennten Konfiguration der Entsperrmöglichkeiten nützlich – im Idealfall natürlich auch beides.

Microsoft sollte acht Zoll stärker fokussieren

Windows 8 macht an vielen Stellen den Eindruck, als sei es optimal für den Gebrauch auf einem 8”-Tablet. Die vielen verschiedenen UI-Features sind schnell und fix ausgeführt, das gesamte System wirkt optisch weit weniger, in Ermangelung eines besseren Begriffs, “unfertig”. Des Weiteren deutet dieser Formfaktor mit diesem Betriebssytem oftmals darauf hin, wie das mobile Büro, welches also ständig mit dabei ist, in Zukunft aussehen könnte und welche Geräteart hierbei den zentralen Part darstellt.

Hersteller könnten und sollten diesen Ansatz meiner Meinung nach definitiv stärker verfolgen und ihre Geräte entsprechend auslegen. Dem Dell Venue 8 Pro fehlt beispielsweise jegliche Möglichkeit, den Bildschirminhalt auf einem externen Monitor auszugeben und das ist, gelinde gesagt, richtig blöd. Das Potenzial ist da und Hersteller sollten es definitiv sehr viel stärker verfolgen.


Der Zug, Windows 8 und damit das Metro-UI als Consumer-System zu verkaufen, ist meiner Meinung noch nicht einmal abgefahren, sondern nie gestartet. Mit den Surface-Geräten gibt Microsoft bereits die Business- bzw. Creator-Richtung vor und diese sollte man noch stärker und entschiedener verfolgen und zur Öffentlichkeit hin kommunizieren.

Eine Art “Surface-Mini”, wie es in der Vergangenheit bereits des Öfteren in der Gerüchteküche die Runde machte, könnte für Microsoft eine Rechnung sein, die sich auszahlt: Alle Daten sind zentral auf einem Gerät immer verfügbar, die Bedienung des Modern-UI ist sehr viel besser und mit externen Eingabegeräten ist auch der Desktop-Modus einwandfrei bedienbar.

Auch 3rd-Party-Hersteller sind hier natürlich gefragt. Dell hat mit dem Venue 8 Pro beispielsweise ein grundsolides Tablet zum günstigen Preis gebaut, das sich gut anfühlt, kompakt ist, eine gute Akkulaufzeit bietet, auch ausreichend performant ist und grundsätzlich insgesamt gut funktioniert. Ein Nachfolger mit Mini-HDMI-Port könnte eine ziemlich coole Angelegenheit werden – so etwas würde ich mir wirklich wünschen.

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